Was Busfahren mit Gesundheitsvorsorge zu tun hat

Bereits in seinem Eingangsstatement machte Volker Sparmann auf die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von öffentlichen Mobilitätsangeboten aufmerksam. „Die Wünsche von älteren Bürgern haben sich gewandelt“, so Sparmann. „Sie sind mobiler geworden und leben intensiver. Gleichzeitig fehlt offensichtlich nicht nur das Geld, um die Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum, aufrecht zu erhalten“.

Auch Prof. Ringat äußerte sich besorgt darüber, dass die Regionalisierungsmittel des Bundes nicht mehr zur Daseinsvorsorge des ÖPNV ausreichen. Mit Blick auf kürzlich genehmigte Infrastrukturmaßnahmen im Straßenbau fehle ihm allerdings der Glaube an eine angemessene Wertschätzung des ÖPNV von Seiten der Politik.

Prof. Haas hob hervor, dass die Selbstverständlichkeit, mit der nicht nur Politik, sondern auch weite Teile der Gesellschaft eine funktionierende Mobilitätsversorgung voraussetzten, hochproblematisch sei. „Die tatsächlichen Leistungen des ÖPNV für die Gesellschaft, insbesondere für unser Gesundheitssystem, stehen in einem eklatanten Widerspruch zur allgemeinen Wahrnehmung“. Stünde der individuelle Pkw-Verkehr altersbedingt nicht mehr zur Verfügung, sei vor allem der ÖPNV in der Lage, außerhäusliche Anschlussaktivitäten zu ermöglichen, die für die soziale Teilhabe, und damit auch für die Gesundheit von Menschen so bedeutsam ist, so Haas. „ÖPNV ist weit mehr als eine niederschwellige Anbindung an Versorgungsstrukturen wie Arzt, Apotheke oder Physiotherapeut. Wir wissen, dass durch wenig abwechslungsreiche Umgebungen, also auch in der häuslichen Situation, die man nicht verlassen kann, Nervenzellen degenerieren können. Der ÖPNV spielt eine Schlüsselrolle dabei, schädliche Isolation zu verhindern und kognitive Leistungen zu erhalten.“

Dass dieses Forschungsthema auch für Mobilitätsanbieter wie DB Regio interessant sei, bestätigte dessen Bus-Vorstand, Michael Hahn. Derzeit sei man, zusammen mit der Hochschule Fresenius, dabei, herauszufinden, warum ältere Menschen häufig nicht mehr aus dem Haus gehen, wie Unsicherheiten entstehen und wie man den Busverkehr für ältere Menschen attraktiver machen könne. „Es ist ein Teufelskreis, dass Menschen aus Verunsicherung und Unwissenheit auf die Nutzung verzichten und so die Nachfrage, und in der Konsequenz damit auch das Angebot, reduzieren“, so Hahn.

Die realen Anforderungen von älteren Menschen an den ÖPNV müssten noch weiter untersucht werden, so Haas. Die UN-Behindertenrechtskonvention würde oftmals so ausgelegt, als ließe sich der Handlungsbedarf auf den Ein- und Ausstieg in Bus und Bahn reduzieren. „Doch einmal drin, beginnen für viele Menschen die Probleme erst. Diese fangen an mit der fehlenden Orientierung im Fahrzeug, Problemen mit zu niedrigen Sitzhöhen, fehlenden oder ungeeigneten Haltemöglichkeiten und münden in Fahrsituationen mit komplexen Beschleunigungsverläufen, die für die Fahrgäste, vor allem im Stehen, nicht einfach zu verarbeiten sind.“

Die Teilnehmer waren sich jedoch einig darin, dass es um mehr geht, als die Verkehrsmittel den Bedürfnissen ihrer Benutzer anzupassen. „Es muss zu den primären Aufgaben einer sozialen Gesellschaft zählen, der Rolle und Funktion von Mobilitätsangeboten für die Erhaltung von Gesundheit und Teilhabe angemessen Rechnung zu tragen“, so Haas. Deshalb warb er für eine breitangelegte Aufklärungskampagne, um den ÖPNV für mehr Menschen attraktiv zu machen.

„Der ÖPNV und die dadurch ermöglichten Anschlussaktivitäten sind für unser Gesundheitssystem mindestens genauso wichtig wie viele andere Präventionsangebote“, sagte Haas. „Nur müsse dies auch von der Politik verstanden werden“.

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