Warum rauchen Menschen? Individueller Aufwand ist entscheidend für Einstieg und Entzug

Dieter raucht, weil seine Eltern rauchen, und Dieters Eltern rauchen, weil ihre besten Freunde damals alle geraucht haben.“ Weil dieses Imitationsprinzip letztlich zirkulär ist, haben die Forscher nun eine andere Herangehensweise gewählt und verstärkt auf das Individuum geachtet. Dabei gehen sie davon aus, dass es sich beim Rauchen um ein jugendtypisches Verhalten handelt, das prinzipiell für alle Jungendlichen eine gewisse Attraktivität besitzt. Ob jemand dann tatsächlich Raucher wird, hängt in erster Linie von den individuellen Kosten ab – und damit von dem Aufwand, den das Laster verlangt. Das sind zum einen die tatsächlichen finanziellen Kosten über den Zigarettenpreis. Dazu kommen aber zum Beispiel auch Kosten in Form von fehlender sozialer Anerkennung durch die Eltern, wenn Jugendliche gegen deren Willen rauchen. „Auch ein absolutes Rauchverbot in der Öffentlichkeit zählt übrigens zu den Kostenfaktoren“, betont Wimmer. „Wenn das Rauchen in der Öffentlichkeit verboten ist, wird es für Raucher schlicht und ergreifend schwieriger, ihrem Laster nachzugehen.“

Ausgangspunkt der nun vorliegenden Studie ist eine einfache Annahme: Rauchen ist ein typisches Verhalten für Jugendliche und damit wohl auch für nahezu jeden Heranwachsenden attraktiv. Welche Faktoren entscheiden aber dann, ob jemand tatsächlich zum Raucher wird oder dieses Laster wieder aufgibt? „Für den Raucheinstieg gibt es mehrere entscheidende Faktoren, die wir als Kosten definieren“, sagt Wimmer. „So hängt es natürlich vom individuellen Budget ab, ob sich ein Jugendlicher das Rauchen leicht, gerade so oder gar nicht leisten kann. Doch der Zigarettenpreis ist nur ein Kostenfaktor. Das Verhalten der Eltern spielt auch eine wichtige Rolle, vor allem ihre Position zum Rauchen: Wenn sie ein Verbot aussprechen, steigen die Kosten für das Kind, weil es sich über die Eltern hinwegsetzen muss.“ Wie lange Raucher ihrem Laster frönen, hängt dagegen von der Stärke ihrer Gewohnheit, ihrem Gesundheitsbewusstsein und der Einstellung ihres Lebenspartners ab.“

Eine absolute Trefferquote ist utopisch, wenn es um menschliches Verhalten geht. Prognostiziert man mit den genannten Erklärungsfaktoren, ob ein Jugendlicher rauchen wird, so liegt man jedoch in rund 80 Prozent der Fälle richtig. Dies wiederum werten die Forscher als Maß für die Aussagekraft ihrer Modelle. „Ein absolutes Rauchverbot in der Öffentlichkeit geht natürlich als Kostenfaktor in die Entscheidung für oder gegen das Rauchen ein“, betont Wimmer. „Wenn es sich um ein soziales Verhalten handelt wie beim Rauchen, sollte man mit Prognosen jedoch vorsichtig sein. Da ist ein Rauchverbot per Gesetz, das alle betrifft, dann doch etwas anderes als ein nichtrauchender Lebenspartner, der darauf besteht, dass in der Wohnung nicht geraucht wird.“ (suwe)

Ansprechpartner:
Dipl. Soz. Thomas Wimmer
Institut für Soziologie der LMU
Tel.: 089 / 2180 – 3256
E-Mail: wimmer@soziologie.uni-muenchen.de
(idw, 07/2010)

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