Warten bis der Arzt kommt: Studie der Hochschule Fresenius untersucht Akzeptanz von Online-Medizin

„Bringen Sie ein wenig Zeit mit!“ oder „Es ist noch ein Patient vor ihnen dran“: Sätze, die jeder schon einmal in einer Arztpraxis gehört hat. Den Arzttermin hatte man eigentlich um 8 Uhr, inzwischen sind zwei Stunden vergangen und man sitzt immer noch im Wartezimmer. Das Warten wird zur Geduldsprobe. Durch überfüllte Arztpraxen geht auch für die Ärzte wertvolle Zeit für die qualitative Behandlung von Patienten verloren. Wie kann man dieses Problem lösen?

Ein Trend in der Medizinbranche sind die Bereiche der Online- und Telemedizin. Dabei kommuniziert der Patient telefonisch oder via Internet mit dem Arzt, der anschließend eine Ferndiagnose stellt und bei Bedarf ein Rezept ausstellt. Die Vorteile: Keine langen Anfahrts- und Wartezeiten, eine minimierte Ansteckungsgefahr, Versorgungslücken in ländlichen Regionen können gedeckt und damit Kosten gesenkt werden. Ein Nachteil ist jedoch, dass dieses Verfahren nicht bei allen Krankheiten sinnvoll ist: So kann der Arzt aus der Ferne weder die Lunge abhören noch ein Ultraschallbild machen. Eine erste Einschätzung kann er jedoch geben. Um das Potenzial der digitalen Patientenversorgung weiter auszubauen, gibt es aber bereits eine Reihe junger Unternehmen, die Körperfunktionswerte wie Puls und Blutdruck über leicht zu bedienende Hardware einbinden möchten. Dies kann auch in der Pflege chronisch kranker oder älterer Patienten Fortschritte ermöglichen.

Die Studierenden der Hochschule Fresenius in München haben im Rahmen einer Projektarbeit mittels eines eigens konzipierten Fragebogens insgesamt 65 Patienten und 19 Ärzte persönlich oder per Telefon befragt. Die Kernfrage war, ob für die Befragten ein Online-Arzt-Besuch überhaupt in Frage käme. Die Ergebnisse zeigen: „Junge Menschen sind der Online-Medizin gegenüber sehr aufgeschlossen, allerdings sind diese Personen eben auch weniger von Krankheiten betroffen und gehen daher statistisch seltener zum Arzt. Ältere Personen dagegen, die in der Regel häufiger krank sind und dazu aufgrund ihrer größeren Immobilität am meisten von der Online-Medizin profitieren würden, fehlt oftmals noch die Affinität zur Technik“, fasst der auf vertragsärztliche Versorgung spezialisierte Rechtsanwalt Benjamin Ruhlmann, Projektleiter und Dozent an der Hochschule Fresenius München, zusammen.

Hinzu kommt, dass auch auf Ärzteseite immer noch Vorbehalte gegenüber der Online-Medizin bestehen: Von den befragten Ärzten geben 18 von 19 an, dass eine Online-Sprechstunde nicht gleich effektiv wirke wie eine konventionelle Behandlung in der Praxis. Insgesamt hat die Online-Medizin in Deutschland also noch einen weiten Weg vor sich. Das Warten geht weiter.

Über die Projektgruppe: Marlene Bronold, Chantal Loreto, Tanja Ostermeier, Pia Otto und David Radakovic, allesamt Studierende der Hochschule Fresenius München, haben die Projektstudie unter der Leitung von Rechtsanwalt Benjamin Ruhlmann durchgeführt.

Auf Anfrage senden wir Ihnen die Studie gerne zu. Ein Gespräch mit dem Projektleiter vermitteln wir bei Interesse gerne.

Scroll to Top