Wandern in allen Himmelsrichtungen

(mpt-1) Wer wandert, will meist hoch hinaus. Darum zieht es die meisten Wanderer gen Süden – in die Alpen. Wandern kann man allerdings genauso gut im Norden auf wunderschönen Inseln. Oder im Osten zwischen beeindruckenden Baumriesen. Wir stellen Ihnen interessante Wandergebiete aus allen Himmelsrichtungen vor. Einen Kompass brauchen Sie übrigens nicht – alle Regionen sind bestens erschlossen.

Auf in den Norden: Wandern mit Meerblick

Wer auf Rügen – Deutschlands größter Insel – die Wanderschuhe schnüren möchte, der kann unter erstaunlich vielen Touren wählen, die allesamt ihren ganz eigenen Charakter haben. Der bekannteste Höhepunkt des Eilands ist vermutlich der Königsstuhl im Nordosten. Eine der Wanderungen auf Rügen sollte unbedingt hierher führen. Der steil abfallende Fels liegt im Nationalpark Jasmund und ist Teil der Stubbenkammer, zu der mehrere Kreidefelsen gehören.

Wanderungen auf Rügen

An der Nordostküste des Eilands entstand übrigens auch das weithin bekannte Bild der Kreidefelsen von Caspar David Friedrich. Viele Wanderer suchen die Stelle, an der der Künstler das Bild schuf. Doch sie werden kaum fündig werden. Denn zum einem komponierte der Maler seine Werke durchaus nicht immer nach der Natur. Und zum anderen sind die Formationen der Kreidefelsen ständigen Veränderungen ausgesetzt. Nichtsdestotrotz genießt man vom rund elf Kilometer langen Hochuferweg immer wieder fantastische Ausblicke über die Ostsee. Dieser ganz besondere Wanderweg führt von Sassnitz bis Lohme und stellt eindrucksvoll unter Beweise, wie unterschiedlich man seine Wanderungen auf Rügen gestalten kann.

Nach dem Wandern an den Strand

Wanderer, die ihre Ferienwohnung in einem der Seebäder mit ihren schönen Stränden und Seebrücken gewählt haben, können auch das Strandleben in vollen Zügen genießen. Im Seepark Sellin beispielsweise kommt hinzu, dass die Feriengäste der Anlage erstens an der täglich besetzten Rezeption Tipps zur Freizeitgestaltung und rund ums Wandern auf Rügen erhalten und dass sie zweitens die Wasserwelt des Inselparadies-Bads täglich drei Stunden kostenlos nutzen dürfen. Drittens liegt der Seepark Sellin nicht weit entfernt von der Bahnstrecke der Rügenschen Bäderbahn „Rasender Roland“, mit der man viele Ausgangspunkte für schöne Wanderungen auf Rügen erreichen kann.

Geheimtipp für Wanderer: Die Insel Vilm

Von April bis September ist die Insel Vilm ein außergewöhnliches Ziel für Wanderer. Mit dem „Rasenden Roland“ geht es von Sellin bis Lauterbach Mole, von wo aus man zur – unter Naturschutz stehenden – Insel Vilm übersetzen kann. Allerdings muss man dazu rechtzeitig seine Tickets bestellen, denn es dürfen pro Tag nur 60 Reisende auf die Insel und an den geführten Wandertouren teilnehmen. Anders als bei den Wanderungen auf Rügen kommt man auf Vilm auch nicht an Privathäusern vorbei. Hier wurden zwar zu DDR-Zeiten Ferienwohnungen für hohe Staatsfunktionäre gebaut. Doch diese Häuser sind heute Sitz der Internationalen Naturschutzakademie. Die Natur ist auf Vilm völlig sich selbst überlassen und fasziniert mit sehr alten Bäumen, großem Artenreichtum, vielen Wasservögeln und oft eigentümlicher Stille.

Viel Neues im Osten: Buchenwald Grumsin gehört zum Unesco-Weltnaturerbe

Mit dem Buchenwald Grumsin zählt seit Juni 2011 ein ganz besonderer Wald mit schönen Buchen zum Unesco-Weltnaturerbe. Herrliche Baumriesen stehen hier in einem faszinierenden Naturentwicklungsgebiet im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, das schon seit 1990 nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt wird. Wenn es gelingt, den Pflanzenbestand möglichst lange unbeeinflusst seinem Wachsen, Werden und Vergehen zu überlassen, könnte dieses Gebiet tatsächlich noch zu einem Urwald werden. Und das wäre etwas ganz Besonderes, denn derzeit gibt es in Deutschland keinen einzigen Urwald. Gerade auch der Wolletzsee eignet sich ideal für eine Erkundung mir der ganzen Familie.
 
Die Grumsiner Wanderwege

Es ist ein ungewöhnliches Wandererlebnis, das Gebiet auf einer von drei unterschiedlich langen Touren zu durchstreifen. Ab Oktober 2013 weisen auch auf dem jüngsten – und vielleicht schönsten – Rundweg Schilder den Weg. Die Wanderung misst 22 Kilometer und ist in etwa sieben Stunden zu bewältigen:
 
– Los geht es beim Strandbad Angermünde, das am Wolletzsee liegt.
– Über Altkünkendorf kommen die Wanderer nach Luisenfelde am großen Plunzsee.
– Dort können sie übrigens am Infopunkt Interessantes über das Unesco-Weltnaturerbe lesen.
– Eine weitere Station ist Zuchenberg, wo auf dem Gut Angermünde Turnierpferde gezüchtet werden.
– Über den Ort Gehegemühle geht es dann zurück zum Wolletzsee.
– Wer diesem Weg folgen möchte, kann sich am roten Buchenblatt orientieren, das die Strecke kennzeichnet.
 
Zwei weitere Wanderungen durchs Weltnaturerbe

Außerdem führen noch zwei kleinere Rundkurse durch das Weltnaturerbe. Zum einen der Wanderweg „Buchenwald Grumsin 2“ mit etwa sieben Kilometern Länge und einer Wegezeit von rund zwei Stunden. Zum anderen der Wanderweg „Buchenwald Grumsin 3“ mit zehn Kilometern Länge und circa vier Stunden Laufzeit.
 
Wandertipp für Wissensdurstige

Wer sich unterwegs auch gleich über die Landschaft informieren möchte, dem seien geführte Wanderungen empfohlen. Die Naturführer des Biosphärenreservats haben ein verlockendes Programm aufgestellt. Die Tour „Ein Urwald entsteht – Führung in die Kernzone des Schutzgebietes“ informiert die Teilnehmer beispielsweise von Mai bis Oktober an jedem letzten Samstag des Monats über diese „heilige“ Zone des Schutzgebiets. Jeden Sonntag können sich Wanderer der geführten Tour „Grumsin-Impressionen“ anschließen. Über den „Urwaldsteig“ geht es zum Atelier Louisenhof 2. Dort kann nach Voranmeldung die Ausstellung besichtigt werden. Das Künstlerehepaar Annette Tucholke und Christian Bonnet bietet auch selbst gebackenen Kuchen an.

Ab in den Süden: Salzwandern in Bad Reichenhall

Die Bergwelt rund um Bad Reichenhall und Bayerisch Gmain ist als Top-Spot für Wanderungen berühmt. Aber hier kommt noch etwas dazu: Die besondere Bergluft der Salzalpen. Wanderer können Körper und Seele in der mild-würzigen, besonders reinen Bergluft Gutes tun – zum Beispiel mit speziellen Atemübungen zur Entspannung.

Atemwanderwege: Endlich Energie tanken

Das neue Buch „Atem-Gesundheits-Wanderführer“ hält über 60 Touren für bewusste Wanderer parat. Der Band enthält Anleitungen für Atemübungen zur Entspannung auf Schusters Rappen und eine GPS-Karte extra für die Wandertouren. Darüberhinaus gibt es Tipps für interessante und gut durchdachte Exkursionen für Menschen mit Asthma, Bronchitis und COPD. So lernt man nicht nur viel über die Atmung und den eigenen Körper, sondern weiß nach der Lektüre auch, wo es die herrlichen Atemwanderwege gibt, auf denen man die Bergluft besonders gut genießen kann. Das Buch gibt es ab April 2013 im Buchhandel.

Tipp: Naturgenuss auf dem Wald-Idyll-Pfad Maisweg

Ein Beispiel für eine erholsame Auszeit in der Natur ist die Themenwanderung „Wald-Idyll-Pfad Maisweg“. Auf dieser Strecke kann man innehalten, die Natur ganz intensiv erleben und findet dort an der Bergluft immer wieder interessante Stellen für Atemübungen. Der Weg beginnt am Wanderzentrum Bergkurgarten Bayerisch Gmain. Er ist barrierefrei und damit auch für Familien mit Kleinkindern und Kinderwagen gut geeignet. Auf der neu gestalteten Strecke genießen Urlauber Ruhe und Erholung und gelangen an romantische Plätze mit Informationsinseln und Naturerlebnissen. Die Broschüre zu dieser Tour steht auch im Internet zum Download bereit.

Go West: Wandern im Taunus

Wer das Wandern in deutschen Mittelgebirgen liebt, kennt den zwischen Rhein, Main und Hunsrück in Hessen gelegenen Taunus als besonderen Geheimtipp. Nicht nur Naturliebhaber schätzen die von tiefen Wäldern überzogenen Hänge und die offenen Kuppen mit prachtvollem Fernblick.

Limeserlebnispfad: Entlang Stationen römischer Eroberungen

Der bekannteste Wanderweg der Region Hochtaunus ist der Limes-Erlebnispfad. Die 30 Kilometer lange Strecke von Glashütten nach Ober-Mörlen folgt dem Verlauf des Limeswanderweges beziehungsweise des Limesradweges und gilt als einer der schönsten und interessantesten Abschnitte des berühmten römischen Grenzwalls. Das Limesvermittlungszentrum in der Saalburg – dem einzigen rekonstruierten Kastell des Obergermanisch-Raetischen Limes – bietet dem Besucher auf seinen Wanderungen im Taunus zahlreiche Informationen über die Geschichte der zuerst keltischen und später römischen Besiedelung der Region. Mehrere kleinere Römerkastelle, zahlreiche Wachttürme sowie der Limes selbst sind am Weg die Hauptattraktionen.

Schinderhannespfad: Auf den Spuren eines Gaunerlebens

Nicht ganz so weit zurück liegen die Ereignisse, von denen ein anderer berühmter Rundweg erzählt: Der insgesamt 180 Kilometer lange Schinderhannespfad führt vom Lahntal bis zum Taunuskamm. Der 1958 erschienene Heimatfilm mit Curd Jürgens und Maria Schell stellte Johannes Bückler, besser bekannt als „Schinderhannes“, äußerst verklärt dar. Tatsächlich handelte es sich bei dem Herrn um einen skrupellosen Verbrecher, der bereits als 15-Jähriger Vieh stahl und nach schließlich 130 nachgewiesenen Straftaten im Jahr 1802 auf dem Schafott sein unrühmliches Ende fand. Der Schinderhannespfad führt in weitem Bogen durch die Gegenden seiner Umtriebe und bietet viele Gelegenheiten, dabei Interessantes von damals und heute zu entdecken.

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