W2-Professur für MDC-Hirnforscher Jochen Meier an der TU Braunschweig

Prof. Meier erforscht die Informationsverarbeitung im Gehirn im Zusammenhang mit Erkrankungen, bei denen das Zentralnervensystem hypererregt ist, wie zum Beispiel bei Epilepsien und Muskelkrämpfen. Im gesunden Organismus besteht immer ein Gleichgewicht zwischen der Erregung von Nervenzellen (Neuronen) und ihrer Hemmung. Es gibt im Gehirn Rezeptoren wie den Glyzin-Rezeptor, die elektrische Impulse im Gehirn hemmen und die somit nicht an die nachgeschaltete Nervenzelle weitergeleitet werden. Ist die Funktionsweise dieser hemmenden Rezeptoren verändert, geht bei den Betroffenen quasi die Sicherung durch und es kommt zu Übererregbarkeits-Zuständen.

Um herauszufinden, was im Gehirn auf molekularer Ebene schief läuft, erforscht Prof. Meier einen Vorgang, den die Forschung als RNA-Editierung bezeichnet. Dabei werden beim Umschreiben der in den Genen enthaltenen DNA-Textbausteine in RNA auf enzymatischem Weg einzelne Buchstaben durch andere ersetzt. Das Ergebnis ist, dass der in der Sprache der Gene, der DNA, verfasste Ursprungstext nicht mehr deckungsgleich ist mit der RNA, der Sprache, die den Code für die Textbausteine der Proteine enthält. „Mit dieser Maßnahme gelingt es der Zelle, sich über die im Genom vorgeschriebene Information hinwegzusetzen und ihrer eigenen genetischen Textvorgabe durch gezielt gesetzte Änderungen einen völlig anderen Sinn zu geben“, erläutert der Biologe dieses Phänomen. Prof. Meier will auch in Braunschweig nach solchen Stellen im Nervensystem fahnden und ihre Rolle bei neurologischen Erkrankungen studieren. „Eine detaillierte Kenntnis der molekularen, zellulären und physiologischen Vorgängen ist die Grundvoraussetzung für die Entwicklung effektiver Therapieansätze“, betont der Hirnforscher.

Jochen Meier wurde am 14. Oktober 1970 in Neustadt an der Weinstraße geboren. Er studierte von 1990 bis 1995 an den Universitäten Mainz, Tübingen und Heidelberg Biologie. Nach seinem Diplom am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ging er 1996 für vier Jahre an die École Normale Supérieure nach Paris, Frankreich, und promovierte im Jahre 2000 an der Universität Pierre et Marie Curie. Während dieser Zeit erhielt er mehrere Stipendien, unter anderem vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) und von der NATO. Von 2001-2006 forschte er am Johannes-Müller-Institut für Physiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin und erhielt 2006 die Leitung einer Helmholtz-Hochschul-Nachwuchsgruppe der Helmholtz-Gemeinschaft am MDC. Darüber hinaus war er auch immer in der Lehre aktiv und erhielt von den Studenten des Internationalen Studiengangs Medical Neurosciences der Charité zwei Lehrpreise.

Kontakt:
Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft
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