Vorhofflimmern: Neuen Biomarkern und Geschlechterunterschieden auf der Spur

Blutdruck und Cholesterin, Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Gesundheits-Pass, Vorhofflimmern, Herzrhythmusstörungen, Herzerkrankungen, Schlaganfall

Vorhofflimmern. Welche Biomarker darauf hinweisen, dass jemand Vorhofflimmern entwickeln könnte, und welche Risikofaktoren sich bei dieser Erkrankung geschlechtsspezifisch zuordnen lassen: Dazu wurden bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim aktuelle Studien präsentiert. Der Kongress mit mehr als 8.500 Teilnehmern widmete in diesem Jahr dem Thema Herzrhythmusstörungen einen besonderen Schwerpunkt.

Biomarker: Neue Prädiktoren für Vorhofflimmern identifiziert

Biomarker scheinen geeignet, das Erkrankungsrisiko für Vorhofflimmern objektiv zu prognostizieren. Als guter Prädiktor ist das Protein Nt-proBNP bekannt. Eine neue Studie hat nun zusätzlich Biomarker aus anderen pathophysiologischen Signalwegen untersucht, die mit dem Auftreten von Vorhofflimmern in Zusammenhang stehen könnten, darunter Entzündungsprozesse, neurohumorale Aktivität und oxidativer Stress. Nachweislich korrelieren gleich mehrere Biomarker mit einer Neuerkrankung von Vorhofflimmern, und zwar neben Nt-proBNP auch LDL, Gesamtcholesterin, Apolipoprotein B, Cystatin C und hoch-sensitives Troponin. „Nt-proBNP scheint aber weiterhin der stärkste Biomarker für das Auftreten von Vorhofflimmern zu sein und könnte damit auch klinische Relevanz haben“, so Studienautorin Dr. Stephanie Schmidt vom Universitären Herzzentrum Hamburg.

Für die Analyse wurden bei mehr als 32.000 Personen 13 verschiedene Parameter erhoben, darunter Lipide, Inflammation, Nierenfunktion, myokardialer Stress und Vitamin D. Die Biomarker wurden mit der 5-Jahres-Inzidenz von Vorhofflimmern in Beziehung gesetzt. Patienten mit bereits bestehendem Vorhofflimmern wurden von der Analyse ausgeschlossen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag zu Studienbeginn bei rund 53 Jahren. 893 Personen entwickelten während des Beobachtungszeitraums Vorhofflimmern.

Männerherzen flimmern wegen BMI und Alkohol, Frauenherzen wegen Cholesterin

Eine andere bei der DGK-Jahrestagung in Mannheim vorgestellte Studie widmete sich der Frage, welche Geschlechtsunterschiede es bei Biomarkern und Risikofaktoren für Vorhof-flimmern gibt, ist doch die Prävalenz für Vorhofflimmern bei Männern im mittleren und höheren Alter fast zweimal so hoch wie bei Frauen. Die bekannten kardiovaskulären Risikofaktoren und Erkrankungen haben eine unterschiedliche Häufung in den beiden Geschlechtern, dasselbe gilt auch für die Biomarker C-reaktives Protein (CRP) und Nt-proBNP. Die Studie schloss Daten von fast 80.000 Männern und Frauen ohne Vorhof-flimmern ein, die zu Studienbeginn durchschnittlich knapp 50 Jahre alt waren und an vier populations-basierten europäischen Studien (FINRISK, DanMONICA, Moli-Sani, Northern Sweden) des BiomarCaRE (Biomarker for Cardiovascular Risk Assessment in Europe) Konsortiums teilnahmen.

„Wie die Ergebnisse zeigen, ist die Gefahr einer Neuerkrankung unabhängig vom Geschlecht hoch und birgt ein hohes Mortalitätsrisiko. Bei einem mittleren Follow-up nach 13 Jahren hatten bereits 4,4 Prozent der Frauen und 6,4 Prozent der Männer ein Vorhofflimmern entwickelt“, so Studienautorin Dr. Christina Magnussen vom Universitären Herzzent-rum Hamburg. Bei Männern zeigte sich insgesamt ein ausgeprägteres kardiovaskuläres Risikoprofil als bei Frauen. Nach dem 50. Lebensjahr stiegen die Neuerkrankungen bei Männern exponentiell an. Frauen zogen ab dem 60. Lebensjahr mit dieser Entwicklung nach. Bei beiden Geschlechtern stieg das Mortalitätsrisiko mit dem Auftreten von Vorhof-flimmern um das 3,5-Fache.

Mit Ausnahme von Diabetes gab es eine Korrelation zwischen den üblichen kardiovaskulären Risikofaktoren und dem Neuauftreten von Vorhofflimmern: Übergewicht, Bluthoch-druck, Fettstoffwechselstörung und Nikotin- und Alkoholkonsum. Bei Männern scheint ein ungünstiger Body-Mass-Index (BMI) eher ein Prädiktor für Vorhofflimmern zu sein als bei Frauen. Außerdem ließ sich beobachten, dass das Risiko, in den nächsten fünf Jahren neu an Vorhofflimmern zu erkranken, bei Frauen eher mit dem Gesamtcholesterin korreliert. Bei Männern sind es Alkoholkonsum und überstandene Myokardinfarkte. „Es lohnt sich, die Relevanz möglicher geschlechtsspezifischer Präventionsstrategien gegen erhöhtes BMI und Gesamtcholesterin in weiteren Studien zu evaluieren“, so Dr. Magnussen.

Quellen: DGK 2017 Abstract Schmidt et al. Biomarkers for Atrial Fibrillation in European Cohorts – BiomarCaRE. Clin Res Cardiol 106, Suppl. 1, April 2017; Quelle: DGK 2017 Abstract Magnussen et al. Gender Differences in Cardiovascular Disease Risk Factor Associations with Atrial Fibrillation in Europe. Clin Res Cardiol 106, Suppl. 1, April 2017

Medienkontakt:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie
Pressesprecher: Prof. Dr. Eckart Fleck (Berlin)
Hauptstadtbüro der DGK, Tel.: 030 206 444 82
Pressestelle: Kerstin Kacmaz, Düsseldorf, Tel.: 0211 600692-43
presse@dgk.org
B&K Kommunikation, Dr. Birgit Kofler, Tel.: 030 700159 676,
kofler@bkkommunikation.com
Pressebüro beim DGK-Kongress Mannheim:
Tel.: 0621 4106-5002; 0621 4106-5005

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 10.000 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org

Scroll to Top