Vorbeugen und bewegen

(djd). Die Ursachen für die Volkskrankheit Rückenschmerz sind zwar vielfältig – der Hauptgrund ist in einer modernen Gesellschaft allerdings eindeutig Bewegungsmangel. Daneben gehen Mediziner heute aber auch von einem ganzheitlichen Körperkonzept aus und nehmen die psychische Komponente bei Rückenbeschwerden sehr ernst. Neben der Analyse der Schmerzen hat sich vor allem in der Therapie ein grundlegender Wandel ergeben: Empfahlen Ärzte noch vor wenigen Jahren Ruhe, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen, so sind heute Bewegung und die Mobilisierung von Gelenken und Muskeln das A und O.

Rückenbeschwerden ernst nehmen

Ernst nehmen sollte man Rückenbeschwerden in jedem Fall. „In der Regel klingen Rückenschmerzen zwar nach kurzer Zeit, spätestens nach wenigen Wochen, wieder ab“, betont Professor Dr. med. Ulf R. Liljenqvist, Chefarzt an der Orthopädischen Klinik II am St. Franziskus Hospital in Münster. Kreuzschmerzen, die länger als sechs Wochen bestünden, sollten allerdings vom Arzt abgeklärt werden. „Bei Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen, sollte sogar umgehend der Arzt konsultiert werden“, rät der Münsteraner Orthopäde und Unfallchirurg. Bei Taubheitsgefühlen oder Lähmungen in den Beinen oder Störungen der Blasen- oder Mastdarmfunktion muss unverzüglich ein Krankenhaus mit wirbelsäulenchirurgischer Kompetenz aufgesucht werden.

Bewegen, aber richtig

In der akuten Phase des Rückenschmerzes sollte man nach Ansicht von Professor Liljenqvist auch sportliche oder andere belastende Tätigkeiten unterlassen. Es sei aber auch richtig, dass man in Bewegung bleiben und sich nicht ins Bett legen sollte. Sei der erste, akute Schmerz abgeklungen, können erste vorsichtige sportliche Betätigungen aufgenommen werden. „Grundsätzlich gelten Ausdauersportarten wie Schwimmen, Laufen oder Radfahren als rückenschonend und sogenannte Stop-and-go-Sportarten wie Tennis, Squash und Kontaktsportarten wie etwa Fußball, Handball, Basketball als wirbelsäulenbelastend“, so Liljenqvist. Für Dr. Sven A. Clausen, Personal-Trainer in Hamburg, ist gezieltes Krafttraining die beste Trainingsform für den Rücken. Wer trotz sportlicher Aktivitäten Probleme mit dem Kreuz habe, sollte nach Ansicht von Clausen Lauftechnik, Schuhwerk und Fitnessübungen am besten durch einen geschulten Trainer überprüfen lassen.

Sinnvoll vorbeugen

Grundsätzlich gilt stets: Prävention ist besser als Therapie. Durch eine gute Vorbeugung ist es möglich, Beschwerden mit dem Rücken erst gar nicht aufkommen zu lassen. Die meisten Rückenleiden entstehen beispielsweise durch zu langes Sitzen vor dem PC, häufig sind Stühle und auch Tische unter ergonomischen Aspekten nicht optimal ausgewählt. Personal-Trainer Volker Hack, Experte für mobile Physiotherapie aus Weilersbach, empfiehlt beispielsweise mehrmals täglich eine Änderung der Sitzposition. Wenn man ein Headset oder Mobiltelefon habe, könne und sollte man während eines Telefonats aufstehen und sich bewegen. „Es hilft auch, wenn man an seinem Arbeitsplatz einen Zettel anbringt, der einen mehrmals täglich daran erinnert, dass man sich aufrichten und eine gerade Haltung einnehmen soll“, nennt Hack einen kleinen, aber wirkungsvollen Trick.

Rückenschmerzen können zur Berufsunfähigkeit führen

Trotz aller Vorbeugung und trotz aller modernen Therapien: Schlimmstenfalls können Rückenerkrankungen zur Folge haben, dass Arbeitnehmer ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Andreas Reitmeier von den Ergo Direkt Versicherungen weist darauf hin, dass es in diesem Fall vom Staat nur eine minimale Unterstützung gebe. Der Experte empfiehlt deshalb, sich frühzeitig privat mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung für den Fall der Fälle zu schützen. Denn gerade in jungen Jahren sei die gesundheitliche Situation noch gut und damit problemlos versicherbar. Bei einem höheren Eintrittsalter, so Reitmeier, stiegen die Beiträge an und es bestehe die Gefahr, dass mögliche Erkrankungen hinzukommen, welche nur zu erschwerten Bedingungen versicherbar seien oder bei denen im schlimmsten Fall kein Versicherungsschutz mehr angeboten werden könne.

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