Von Next-Generation-Sequencing bis Tissue Engineering: Innovative Technologien in der Pathologie

„Zurück zur Zukunft“ – das Motto der diesjährigen, 100. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie e.V. (DGP) ist Programm: Denn die pathologische Forschung hat schon früh Enormes geleistet dank technischer Entwicklungen wie der Elektronen- und Fluoreszenzmikroskopie. Das setzt sich heute fort in molekularpathologischen Methoden, in der Untersuchung von DNA-Veränderungen bei Krankheiten wie Krebs. Ohne innovative Technologien wäre eine personalisierte Medizin kaum möglich, hätte die Molekularpathologie nicht den Stand erreicht, auf dem sie heute ist und von dem aus sie sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird.
Auf der Jahrestagung ist „Innovative Technologie“ deshalb ein Schwerpunktthema, über das sich die Teilnehmer in vielen Vorträgen und Workshops informieren und austauschen. Ein Beispiel: 2015 begann der breite Einsatz der Next-Generation-Sequenzierung (NGS) in der Krankenversorgung. Die NGS basiert auf der Idee der massiven parallelen Sequenzierung von Tausenden von DNA-Fragmenten in einem einzigen Sequenzierlauf.

Erste Erfahrungen mit der Next-Generation-Sequenzierung
Angetrieben durch die Zulassung neuer Medikamente, deren Zielstrukturen nur mit dieser neuen, aufwendigen Technik dargestellt werden können, konnte das Verfahren, auch in Deutschland mit Hilfe der weltweit ersten entsprechenden Ringversuche bereits in die diagnostische Breite eingeführt werden. „Über 20 zertifizierte Institute für Pathologie stellen mittlerweile die Technologie für die bestmögliche Krankenversorgung zur Verfügung. Hierzu werden auf dem Kongress bereits die ersten umfangreichen Erfahrungen und translationalen Forschungsdaten erwartet“, sagt Prof. Dr. Peter Schirmacher, Vorsitzender der DGP und Direktor des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Reges Interesse ist auch an weiteren molekularen Diagnostikverfahren, wie der Methylom-Analyse und der molekularen Plasmaanalytik, zu erwarten. Beide stehen unmittelbar vor der diagnostischen Einführung. Und die nächsten, noch umfangreicheren molekularpathologischen Tumoranalysen rücken bereits nach: etwa das Whole-Exome-Sequencing (für die tumor-immunologische Diagnostik) und proteomische Techniken, wie das MALDI-Imaging (MALDI = Matrix-assisted laser desorption/ionization) und die Lösungsbasierte Hoch-durchsatz-Massenspektrometrie.

Fortschritte der Virtuellen Mikroskopie
Ein weiterer interessanter Bereich ist die Virtuelle Mikroskopie und Digitale Bildanalytik. Auch dort sind in den kommenden Jahren Fortschritte zu erwarten. Es gibt die ersten wirklich anwendungsbezogenen Auswerteprogramme und immer bessere Scanner, so dass in Kürze erste Schritte in Richtung einer konkreten Unterstützung der Gewebediagnostik zu erwarten sind – sowohl in der Objektivierung der Gewebedaten als auch in der Verbesserung der Arbeitsabläufe.

Auch auf der 100. Jahrestagung dürfen die wichtigen Plattformtechnologien, insbesondere Datenbanken-/ Big Data-Management und Bioinformatik, nicht fehlen. In der Pathologie helfen sie, hochdimensionierte (Bild-)Daten zu verarbeiten und auch für die Forschung nutzbar zu machen. Und nicht zuletzt ist das Biobanking, als zentrale pathologische Plattformtechnologie, von entscheidender Bedeutung für Durchführung und Qualität der biomedizinischen Forschung.

Die Rolle der Pathologen beim Tissue Engineering
Der thematische Bogen wird aber noch weiter gespannt – bis hin beispielsweise zum Tissue Engineering (die künstliche Herstellung biologischer Gewebe durch die Kultivierung von Zellen), das im Arbeitsalltag der Pathologen ebenfalls eine immer größere Rolle spielt – etwa wenn sie Patienten-Gewebe untersuchen, das künstlich hergestellt wurde. „Pathologen sind Gewebespezialisten – sie verstehen und beschreiben die Reaktionen des Gewebes, wenn ein Fremdkörper dort aufgetragen bzw. implantiert wurde“, sagt Tagungspräsidentin Prof. Dr. Ruth Knüchel-Clarke. „Insofern tragen Pathologen zur Weiterentwicklung dieser Technik bei.“ (Hauptvortrag „Tissue Engineering“ am 21. Mai).

Die DGP bereitet für all diese Technologien durch ihre Veranstaltungen nicht nur das wissenschaftliche Fundament, sondern kümmert sich auch in besonderem Maß um ihre Qualitätssicherung, durch ihre Tochter QuIP, die für alle molekularpathologischen Tests die entsprechenden nationalen Ringversuchstestungen durchführt.

Allgemeine Informationen zur DGP und zur Jahrestagung:
www.pathologie-dgp.de
www.pathologie-kongress.com

Pressekontakt: Geschäftsstelle Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.
Jörg Maas, Generalsekretär
Beatrix Hesse, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
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Mareike Knoke
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