Von der E-Mobilitäts-Spezialistin zum 3D-Experten: Preise für Wissenschaftler/-innen an hess. HAWs

Am Dienstag haben das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und die staatlichen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Hessen herausragende Leistungen in der praxisorientierten Forschung in den Blickpunkt gerückt. Der Preis der Kampagne „Forschung für die Praxis“ ging an Prof. Dr. Stefan Kolling (Technische Hochschule Mittelhessen, 1. Preis, 12.500 Euro), Prof. Dr. Heino Stöver, Frankfurt University of Applied Sciences (2. Preis, 6.000 Euro), Prof. Dr. Ulrich Schwanecke (Hochschule RheinMain, 2. Preis, 6.000 Euro) und Prof. Dr.-Ing. Petra K. Schäfer (Frankfurt University of Applied Sciences, 2. Preis, 6.000 Euro). Die Preise überreichten Dr. Rolf Bernhardt, Leiter der Abteilung Hochschulen und Forschung im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und Prof. Dr. Ulrich Schrader, Vizepräsident für Forschung, Weiterbildung und Transfer der Frankfurt University of Applied Sciences.

Die Preisträgerinnen und Preisträger

Prof. Dr. Stefan Kolling
Der 47-jährige Stefan Kolling ist seit 2008 Professor für Mechanik am Gießener Fachbereich Maschinenbau und Energietechnik. Seine Arbeitsgruppe befasst sich am dortigen Institut für Mechanik und Materialforschung mit der Entwicklung von Methoden zur Charakterisierung und Simulation des Materialverhaltens bei mechanischer und thermischer Belastung. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Untersuchung des dynamischen Verhaltens von Kunststoffen, Glas und Papier bei extremer Beanspruchung. Solche Belastungen treten zum Beispiel bei Verkehrsunfällen auf. Kolling hat im Projekt „Experimentelle und numerische Untersuchungen von Windschutzscheiben unter stoßartiger Belastung“ untersucht, wie sich der Fußgängerschutz verbessern lässt. Durch numerische Simulationen kann man dabei das Verhalten von Automobilbauteilen sehr gut vorhersagen und mit gezielten Veränderungen Verletzungsrisiken von Fahrzeuginsassen und Fußgängern minimieren.

Prof. Dr. Petra Schäfer
Schäfer ist seit zehn Jahren Professorin für Verkehrsplanung an der Frankfurt UAS. 2009 gründete sie die Fachgruppe „Neue Mobilität“ am Fachbereich Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik. Hier arbeitet sie mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, weiteren Professorinnen und Professoren der Hochschule sowie externen Expertinnen und Experten zusammen an modernen Lösungen rund um verschiedene Mobilitätsformen und deren Kombinationen. 2017 hat die Professorin das Projekt DieMoRheinMain abgeschlossen. Hierbei wurden Elektrofahrzeug-Nutzer/-innen und Kommunen zu Erwartungen, Erfahrungen und Akzeptanz von Elektromobilität in der Modellregion Rhein-Main befragt. Zudem hat sich die Fachgruppe im Rahmen des europäischen Elektromobilitäts-Projekts „Electric Vehicles For Alternative City Transport Systems“ (E-FACTS), das den Betrieb von Elektrofahrzeugen in den Innenstädten von Frankfurt am Main, Stockholm und Arnheim untersuchte und vorantrieb, mit dem Einsatz von Elektrofahrzeugen im gewerblichen Verkehr, insbesondere im Handwerkerverkehr, befasst. Mehr Informationen zur Fachgruppe Neue Mobilität: .

Prof. Dr. Ulrich Schwanecke
Schwanecke forscht mit seiner Arbeitsgruppe in den Bereichen 3D Computer Vision, Medizinische Bildverarbeitung und Mensch-Maschine-Interaktion. In der 3D Computer Vision liegen seine Schwerpunkte in der optischen 3D-Rekonstruktion von Objektoberflächen sowie dem monokularen Echtzeit 3D-Objekt-Tracking. Von ihm entwickelte Trackingsysteme werden inzwischen von industriellen Partnern lizenziert und in zahlreichen Projekten bei Firmen wie Bosch, Siemens, Daimler, Opel oder Procter & Gamble eingesetzt. In der Medizinischen Bildverarbeitung liegen seine Forschungsschwerpunkte in der Digitalen Volumentomographie (DVT) und hier vor allem im Bereich der qualitativ hochwertigen 3D-Rekonstruktion, der Detektion und Kompensation von Patientenbewegungen während einer DVT-Aufnahme sowie der forensischen Gesichtsrekonstruktion. Im Bereich der Mensch-Maschine-Interaktion arbeitet Prof. Schwanecke vor allem an neuen Methoden zur natürlichen Interaktion mit den immer komplexer werdenden Rechner- und Kommunikationssystemen. In allen Bereichen arbeitet Prof. Dr. Schwanecke mit zahlreichen Unternehmen zusammen und hält eine Reihe verschiedener Patente.

Prof. Dr. Heino Stöver
Stöver ist Professor für sozialwissenschaftliche Suchtforschung am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS. Er leitet seit 20 Jahren das Institut für Suchtforschung Frankfurt am Main (ISFF). Stöver erhält den Preis für seine Unterstützung beim Aufbau einer Drogenhilfeinfrastruktur in Zentralasien, die Reduktion der drogenbedingten hohen Mortalitätsraten unmittelbar nach der Haftentlassung und die verbesserte Prävention und Behandlung von drogenkonsumierenden und -abhängigen Jugendlichen und Heranwachsenden in Jugendhaftanstalten. Stövers Forschungsschwerpunkte sind von hoher gesellschaftlicher Bedeutung, da diese Zielgruppen gesundheitlich und teils sozial extrem belastet sind und oft zu spät behandelt werden. Die späte Behandlung kann zum Tod führen und verursacht hohe Kosten, die bei früherer Behandlung verringert werden könnten. In den letzten fünf Jahren hat Stöver mehr als 20 Forschungsprojekte für nationale und internationale Auftraggeber durchgeführt und hat dafür bei diversen nationalen und internationalen Fördermittelgebern Dritt- und Forschungsfördermittel in Höhe von mehr als 2,5 Mio. Euro eingeworben. Näheres zum Institut für Suchtforschung unter .

Der Forschungspreis der Hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften
Die staatlichen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Hessen vergeben zusammen mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst zum fünften Mal den Forschungspreis für herausragende Leistungen in der anwendungsorientierten Forschung. Der mit 30.500 Euro dotierte Preis wird als Teil der Kampagne „Forschung für die Praxis“ vergeben und ehrt die wissenschaftliche Gesamtleistung herausragender Forscherpersönlichkeiten an hessischen HAWs. Schirmherr ist der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein. Mit der vom Ministerium unterstützten Kampagne stärken die Hochschulen in Darmstadt, Fulda und RheinMain, die Technische Hochschule Mittelhessen und die Frankfurt University of Applied Sciences gemeinsam ihr Profil als Partner für praxisnahe Forschung, Entwicklung und Transfer.

Scroll to Top