Vom Krankenhaus zum kranken Haus. Klinikalltag zwischen ethischem Anspruch und Kostendruck

Zum Thema

Rasante Veränderungen im Krankenhausalltag fordern die ethischen Grundlagen der Arzt- und Pflegeberufe zunehmend heraus und werfen die Frage auf, inwieweit ärztliches und pflegerisches Handeln weiterhin ausschließlich auf das Wohl des Patienten und seine Fürsorge ausgerichtet sein kann. Beispielsweise orientiert sich die Abrechnung von Behandlungskosten seit 2003 nicht mehr an der individuellen Behandlung des einzelnen Patienten, sondern sieht die Zahlung einer Kostenpauschale für eine bestimmte Diagnose unabhängig vom jeweiligen Krankheitsverlauf vor. Die Abhängigkeit der Krankenhäuser und Ärzte von diesem Kostenerstattungssystem führt in Verbindung mit der Entwicklung kostspieliger neuer Diagnose- und Therapie-Möglichkeiten zu einem zunehmend von ökonomischen Aspekten belasteten Arzt-Patienten-Verhältnis.

Vor diesem Hintergrund zeichnen sich in Verbindung mit Rationierungs- und Priorisierungsprozessen in der stationären Gesundheitsversorgung Rahmenbedingungen für die klinische Arbeit ab, die für viele Ärzte und Pflegende mit den Ansprüchen ihres beruflichen Ethos kaum mehr in Einklang zu bringen sind. Vielfach führt dies zu Demotivierung und Resignation seitens des Krankenhauspersonals. Nachwuchsmangel und die Gefahr einer bedenklichen Veränderung der ethischen Grundlagen der Heilberufe und des Gesundheitssystems sind Folgen dieser Entwicklungen.

Im Rahmen seiner diesjährigen Herbsttagung möchte der Deutsche Ethikrat das Spannungsfeld zwischen ethischen Ansprüchen und ökonomischen Bedingungen im Krankenhaus anhand unterschiedlicher Perspektiven aus Theorie und Praxis differenziert aufbereiten. Vor allem soll eine Diskussion um konstruktive Lösungsansätze gefördert werden, welche zeigt, dass ethischer Anspruch und ökonomische Ziele keineswegs unvereinbar sind.

Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung:
• Welche ökonomischen und strukturellen Aspekte spielen bei den jüngsten Veränderungen des Krankenhausbetriebs eine Rolle?
• Welche ethischen Fragen und Probleme entstehen vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen im Krankenhausalltag?
• Wie können bestehende Strukturen im Krankenhaus und die ökonomischen Vorgaben unter Berücksichtigung ethischer Ansprüche optimiert werden?

Programm

10:00 Uhr
Begrüßung
Christiane Woopen • Vorsitzende des Deutschen Ethikrates

I. Die ökonomischen und strukturellen Veränderungen des Krankenhauses seit den 1970er-Jahren
Moderation: Thomas Heinemann • Mitglied des Deutschen Ethikrates

10:15 Uhr
Vortrag
Michael Simon • Hochschule Hannover

10:40 Uhr
Berichte aus der Praxis
Arved Weimann • Klinikum St. Georg Leipzig
Meike Friedrichs • Universitätsklinikum Heidelberg

II. Wo liegen die Probleme des Krankenhauses heute?
Moderation: Thomas Heinemann • Mitglied des Deutschen Ethikrates

11:05 Uhr
Vortrag
Irmtraut Gürkan • Universitätsklinikum Heidelberg

11:30 Uhr
Berichte aus der Praxis
Magdalene Günther • Arbeiterwohlfahrt Gesundheitsdienste
Carola Sraier • Unabhängige Patientenberatung Deutschland

11:45 Uhr
Diskussion mit dem Publikum

12:30 Uhr
Mittagspause

III. Ethische Herausforderungen im Krankenhausalltag
Moderation: Michael Wunder • Mitglied des Deutschen Ethikrates

14:00 Uhr
Patientenwohl und Ethos der Heilberufe in Zeiten ökonomisierter Lebenswelten
Giovanni Maio • Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

14:25 Uhr
Ethische Auswirkungen einer zunehmend ökonomischen Ausrichtung des Krankenhauses
Nikola Biller-Andorno • Universität Zürich

14:50 Uhr
Diskussion mit dem Publikum

15:30 Uhr
Kaffeepause

IV. Das „gesunde“ Krankenhaus: Zusammenspiel von Ethik und Ökonomie
Moderation: Eckhard Nagel • Mitglied des Deutschen Ethikrates

16:00 Uhr
Podiumsdiskussion
Lutz Stroppe • Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit
Andrea Lemke • Jüdisches Krankenhaus Berlin
Klaus Lieb • Universitätsmedizin Mainz
Georg Marckmann • Ludwig-Maximilians-Universität München
Elisabeth Steinhagen-Thiessen • Mitglied des Deutschen Ethikrates
Rüdiger Strehl • Klinikmanager im Ruhestand

17:00 Uhr
Diskussion mit dem Publikum

17:50 Uhr
Schlusswort
Thomas Heinemann • Mitglied des Deutschen Ethikrates

18:00 Uhr
Ende

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