Volles Haus bei Kongress um intelligente Enzymreaktionen

Gut 160 TeilnehmerInnen aus mehr als 20 Ländern von Korea, den USA, Algerien bis nach Österreich ließen sich unlängst die Chance nicht entgehen, in Graz ihr Wissen über gekoppelte Enzymreaktionen beim Kongress „Multistep Enzyme Catalyzed Reactions“ (MECP12) auszutauschen. Diese Reaktionen bergen ein riesiges Potenzial, weil damit neue Substanzen mit großem Nutzen umweltfreundlich herstellbar sind. Der Kongress wurde vom Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) zusammen mit der Universität Graz veranstaltet.
Ein Beispiel für das Potenzial der gekoppelten Enzymreaktionen findet sich an der Universität Graz, wo die Forschungsgruppe um Prof. Wolfgang Kroutil mit Hilfe dreier Enzyme – Alkoholdehydrogenase, Transaminase und Alanindehydrogenase – einen hoch belastbaren und elastischen Spezialkunststoff herstellen konnte. „Die drei Enzyme arbeiten wie Zahnräder in einem Uhrwerk zusammen. Das Produkt der ersten Enzymreaktion wird von einem weiteren Enzym als Hilfsstoff eingesetzt. Das macht den Prozess effizient, kosten- und zeitsparend“, betont Kroutil. Und es macht neue Funktionen zugänglich.
Als ebenso interessant wie das Koppeln von Einzelreaktionen stellten sich „Multidomain-Enzyme“ wie die Polyketidsynthasen heraus – Enzymkomplexe, die gleich mehrere Funktionen in sich vereinigen und komplexe Biomoleküle herstellen können. Mit deren Hilfe lassen sich Antibiotika ebenso herstellen wir kleine Moleküle für die Chemotherapie. Die Multidomain-Enzyme sind wie Transaminasen, die beim Kongress ein Schwerpunkt waren, ein großes Versprechen für die Zukunft.
Ein großes Plus dieser Technologie: Sie sind sehr umweltfreundlich. Die Anwendungsbereiche dieser Form der Biokatalyse reichen von der chemischen Industrie über die Futtermittel-, Papier- und Textilindustrie bis zur Produktion von Pharmazeutika.

Fortsetzung
Die Stimmung am Kongress war übrigens dermaßen konstruktiv, dass schon an eine Fortsetzung gedacht wird. Eine unmittelbare Fortsetzung gab es in Form eines internationalen Workshops über die Enzymsuche am Computer, den acib und die TU Graz abgewickelt haben. Viele Teilnehmende nutzten dieses Angebot im Anschluss an den Kongress – ebenso wie das „bionexgen-Meeting“, das von acib in Bad Blumau veranstaltet wurde. bionexgen ist ein europäisches Vorzeigeprojekt, bei dem es um eine neue Generation von Biokatalysatoren geht, die chemische Synthesen umweltfreundlicher machen und weniger Energie verbrauchen. Das Projekt mit 17 europäischen Partnern wird von der EU gefördert. acib forscht dabei an der biotechnologischen Herstellung neuer Biokatalysatoren mit Hilfe von Mikroorganismen. In Blumau tauschten 50 VertreterInnen des Projektes Erfolge aus und entwickelten neue Ideen.

Über acib
Das Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) ist das österreichische K2-Zentrum für industrielle Biotechnologie. Es ist ein Zusammenschluss von derzeit sieben Universitäten und 27 Projektpartnern, darunter bekannte Namen wie BASF, DSM, Sandoz, Boehringer Ingelheim RCV, Jungbunzlauer, F. Hoffmann-LaRoche, Novartis, VTU Technology oder Sigma Aldrich. Eigentümer sind die Universitäten Innsbruck und Graz, die TU Graz, die BOKU Wien sowie Joanneum Research.
Beim acib forschen und arbeiten rund 180 Beschäftigte an mehr als 30 Forschungsprojekten. Das Budget bis 31.12. 2014 macht ca. 60 Mio. Euro aus. Öffentliche Fördermittel (58% des Budgets) bekommt das acib von der Forschungsförderungsgesellschaft der Republik Österreich (FFG), der Standortagentur Tirol, der Steirischen Wirtschaftsförderung (SFG) und der Technologieagentur der Stadt Wien (zit).
Das Kompetenzzentrum acib – Austrian Centre of Industrial Biotechnology – wird im Rahmen von COMET – Competence Centers for Excellent Technologies durch das BMVIT, BMWFJ sowie die Länder Steiermark, Wien und Tirol gefördert. Das Programm COMET wird durch die FFG abgewickelt.

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