Vier typische Männerkrankheiten und ihre auffälligsten Symptome

Männerkrankheiten

Von typischen Männerkrankheiten sind, entgegen gängigen Vorstellungen, nicht nur Männer höheren Alters betroffen. Bereits in jungen Jahren und sogar schon im Kleinkindalter können sich Symptome einiger Erkrankungen rund um das männliche Geschlecht bemerkbar machen. Erste Anzeichen sollten Sie in jedem Fall sofort erkennen und gegebenenfalls weitere Behandlungsschritte einleiten.

Viele Anzeichen, eine Männerkrankheit: die Prostatitis

Bereits Männer ab 20 Jahren können von ihr betroffen sein: die Prostatitis. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der Prostata (Vorsteherdrüse), die am häufigsten zwischen dem 36. und 50. Lebensjahr auftritt. Knapp zehn Prozent aller Männer durchlaufen sie einmal in ihrem Leben.[1]

Fachleute unterscheiden dabei die bakterielle von der abakteriellen Prostatitis, die jeweils verschiedenartige Symptome aufweisen. Eine bakterielle Infektion, die zumeist mit starkem Fieber einhergeht, kann nach einer nicht abgeheilten Akutphase auch in einen chronischen (langanhaltenden) Zustand übergehen. Bei einer nicht-bakteriellen Form von Prostatitis sprechen Ärzte von einem chronischen Beckenschmerzsyndom oder einfach chronischer Prostatitis.

Während bei einer bakteriellen Prostatitis Bakterien die Auslöser sind, ist die Ursache der abakteriellen Form nicht abschließend geklärt. Experten vermuten, dass Faktoren wie Stress und psychische Probleme, aber auch ein gestörtes Immunsystem dazu beitragen können.[2] Außerdem kommen anatomische Gegebenheiten wie eine Harnröhrenverengung und daraus resultierende Blasenentleerungsstörungen oder der Rückfluss von Harn in die Prostata als Auslöser infrage.[3]

Erste Anzeichen für diese Männerkrankheit sind Schmerzen im Unterleib und Genitalbereich sowie Störungen der Sexualfunktion oder frühzeitige Samenergüsse. Weitere Symptome für eine Prostatitis können auch ein ständiger Harndrang ohne vollständige Blasenentleerung sowie Schmerzen beim Urinieren sein. Hier erfahren Sie mehr über Probleme beim Wasserlassen.

Schon beim kleinen Mann ein Thema: die Vorhautverengung

Auch wenn die meisten Jungs im Kleinkindalter wohl kaum etwas davon mitbekommen, so sind sie bereits von ihrer ersten Männerkrankheit betroffen, der Vorhautverengung. Bei 96 Prozent der Jungen in den ersten Lebensjahren ist die Vorhaut mit der Eichel verklebt.[4] Ärzte sprechen dabei von einer primären Phimose. Bedenklich ist dieser natürliche Schutzmechanismus zur Abwehr vor Krankheitserregern, die auf die Eichel gelangen könnten, aber erst, wenn sich die Verklebung unter der Vorhaut auch nach dem dritten bis vierten Lebensjahr nicht selbstständig löst.[5]

Deutlich seltener und schwerwiegender ist eine Vorhautverengung im Teenageralter, die sogenannte sekundäre Phimose. Warum sich die Verklebung in einigen seltenen Fällen – lediglich ein Prozent der männlichen 16-Jährigen ist davon betroffen – nicht löst, ist weitgehend unklar.[6] Ursachen für eine sich später entwickelnde (sekundäre) Phimose können Vernarbungen durch wiederholte Entzündungen der Vorhaut oder Hauterkrankungen sein.

Typische Symptome für eine primäre Phimose sind Schmerzen beim Versuch, die Vorhaut über die Eichel zu ziehen. Auch ein Urinstau beim Wasserlassen, der sich durch eine Blasenbildung unter der Vorhaut zeigt, kann ein Hinweis auf diese Männerkrankheit sein. Bei derartigen Anzeichen im frühen Kleinkindalter besteht zunächst kein Handlungsbedarf. Ist die Verengung auch mit fortschreitendem Alter oder gar in der Pubertät noch vorhanden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Der Klassiker unter den Männerkrankheiten: die Erektionsstörung

Die wohl häufigste und bekannteste aller Männerkrankheiten ist die Erektionsstörung. Allen Klischees zum Trotz sind davon nicht nur Senioren betroffen. Beinahe jeder Mann hat im Laufe seines Lebens vereinzelt mit diesem Problem zu kämpfen.[7] Ausgelöst durch akuten Stress wie psychische Belastung und Erschöpfung, sind diese vorübergehenden Aussetzer, sollte es bei Einzelfällen bleiben, noch nicht alarmierend. Dennoch gilt es, die Ursachen abzuklären und gegebenenfalls therapeutisch zu behandeln.

Erst wenn dauerhaft, also über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten, die meisten Versuche, den Penis in den erigierten Zustand zu bekommen oder zu halten, scheitern, wird es ernst.[8] Dann handelt es sich um ein echtes Krankheitsbild: die erektile Dysfunktion. Unter den 30- bis 40-jährigen Männern sind gerade einmal 2,3 Prozent von einer erektilen Dysfunktion betroffen. Bei den 60- bis 69-jährigen ist es bereits jeder dritte und von den über 70-jährigen sogar jeder zweite.[9]

In 80 Prozent der Fälle von erektiler Dysfunktion sind körperliche Ursachen wie Durchblutungsstörungen, ausgelöst durch Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verantwortlich. [10] Halten Sie also Rücksprache mit Ihrem Arzt, um individuelle Behandlungs- und Therapiemaßnahmen zu treffen.

Meist harmlos, dennoch lästig: die gutartige Prostatavergrößerung

Während sich die bisher genannten Männerkrankheiten über fast alle Altersgruppen erstrecken, beschränkt sich die gutartige Prostatavergrößerung in den allermeisten Fällen auf Senioren. So sind etwa nur 20 Prozent der 50- bis 60-Jährigen davon betroffen, aber bereits 70 Prozent der Männer über 70.[11]

Erste Anzeichen der meist harmlosen, altersbedingten Vergrößerung der Prostata sind häufiger Harndrang, vor allem nachts, sowie ein schwacher oder nur tröpfelnder Harnstrahl. Auch ein übermäßiges Nachtropfen und das Gefühl, die Blase sei nicht richtig geleert, sind auffällige Symptome dieser Männerkrankheit. Ursächlich für die Störungen im Zusammenhang mit dem Wasserlassen ist die anatomische Lage der Prostata. Vergrößert sich diese natürlicherweise im Alter, kann sie auf Blase, Harnröhre und Blasenmuskulatur drücken.

Eine gutartige Prostatavergrößerung führt nur sehr selten zu akuter Gefahr, beispielsweise einem Harnverhalt (Blockierung des Urinabflusses). Dennoch sollten Sie frühe Anzeichen dieser Männerkrankheit rechtzeitig abklären, nicht nur, um die vielen, lästigen Toilettengänge zu reduzieren, sondern auch, um eine schwerwiegende Krankheit als Ursache auszuschließen.


[1] Rees, Jon u. a.: „Diagnosis and treatment of chronical bacterial prostatitis and chronic prostatitis/chronic pelvic pain syndrome: a consensus guideline.“ In: BJU International 4 (2015) Nr. 116. S. 509-525. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5008168/ (12.05.2021).

[2] Prostata Hilfe e.V.: Prostataentzündung (Prostatitis) – Symptome und Behandlungen. URL: https://www.prostata-hilfe-deutschland.de/prostata-news/prostataentzuendung-prostatitis (12.05.2021).

[3] ebd.

[4] Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Vorhautverengung (Phimose). URL: https://www.gesundheitsinformation.de/vorhautverengung-phimose.html (12.05.2021).

[5] ebd.

[6] ebd.

[7] AOK-Bundesverband GbR: Erektile Dysfunktion: Die Last mit der Lust. URL: https://www.aok-bv.de/presse/medienservice/ratgeber/index_21902.html (12.05.2021).

[8] ebd.

[9] ebd.

[10] ebd.

[11] Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Gutartige Prostatavergrößerung. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/gutartige-prostatavergroesserung.html (12.05.2021).

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