Versuchstiermeldung des MDC für das Jahr 2015

Als großes biomedizinisches Forschungszentrum mit mehr als 60 Forschungsgruppen und mehr als 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern führt das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft auch Versuche an Tieren durch. Im Jahr 2015 betrug die Anzahl der Versuchstiere im Einzelnen:

Mäuse: 36.799
Ratten: 2.714
Meerschweinchen: 9
Goldhamster: 9
Andere Nagetiere: 8
Kaninchen: 12
Krallenfrösche: 6
Zebrabärblinge: 564
Gesamt: 40.121

Gegenüber dem Vorjahr (2014: 42.816 Tiere) ist die Zahl der Versuchstiere somit fast gleich geblieben.

Das MDC nimmt den Tierschutz und die ethische Debatte um Tierversuche sehr ernst. Prof. Dr. Martin Lohse, Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Direktor des MDC und Leiter der Arbeitsgruppe Tierversuche an der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, sagt: „Wir vermeiden Tierversuche, wo nur irgend möglich. Das Tierschutzgesetz gibt es vor: Ein Tierversuch ist nur zulässig, wenn keine andere Möglichkeit besteht, eine wissenschaftliche Frage zu beantworten.“

Das MDC unterzeichnete 2012 die internationale Basler Deklaration, die zu höchsten ethischen Standards bei der tierexperimentellen Arbeit verpflichtet und einen offenen Dialog über den Einsatz von Tieren in der Forschung fordert.

„Trotz allen Fortschritten bei der tierversuchsfreien Forschung sind Versuchstiere ein wichtiger und auch heute noch unverzichtbarer Bestandteil der biomedizinischen Forschung. Mit ihrer Hilfe lassen sich biologische Fragen beantworten, bei denen Computersimulationen oder Zellkulturversuche keine Aussagen ermöglichen“, betont Martin Lohse. „Wir schöpfen tierfreie experimentelle Verfahren voll aus und entwickeln sie auch weiter. Wir können auf Tierversuche zwar nicht verzichten, aber prüfen in jedem Fall, ob wir die Zahl der Tiere reduzieren, wie wir möglichst viele Daten aus einem Versuch gewinnen und ob wir den Versuch vollständig durch tierfreie Methoden ersetzen können“, sagt Martin Lohse.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des MDC entschlüsseln mit Hilfe von Tiermodellen die Mechanismen von Krankheiten und können so den Grundstein für künftige Therapien legen. Umprogrammierte Zellen des Immunsystems können zum Beispiel Tumore bekämpfen, wie Forscherteams aus den Gruppen von Prof. Wolfgang Uckert und Prof. Thomas Blankenstein an einem Tiermodell der Maus nachwiesen. Nun entwickeln die Wissenschaftler auf Grundlage dieser Erkenntnisse eine Krebstherapie für den Menschen. Vorversuche in Zellkulturen waren ein wichtiger Teil der Entwicklung, führten am Ende jedoch nicht zum Ziel: Die Experimente in der Petrischale erlaubten keine Aussage darüber, ob die Immunzellen auch in vivo einen Tumor eliminieren konnten. Das Beispiel zeigt, dass ein Tiermodell häufig nicht ersetzbar ist.

Am MDC nutzen die Forscherinnen und Forscher zahlreiche Ersatz- und Ergänzungsmethoden, die jedem tierexperimentellen Versuch vorangehen. Rund zwei Drittel der Forschungsgruppen setzen Zellkulturen und menschliche Gewebeproben ein. Fast die Hälfte arbeitet mit Stammzellen. Auch die neue Arbeitsgruppe um die Wissenschaftlerin Dr. Mina Gouti entwickelt aus Stammzellen neuartige Zellkultursysteme, in denen Zellen des Nervensystems und Vorläufer von Muskelzellen gleichzeitig vorliegen. Damit sollen die Ursachen neurodegenerativer Erkrankungen besser verstanden werden.

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