Versorgungsforschung für pflegende Angehörige wird gefördert

In Deutschland leben rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Über Dreiviertel der Erkrankten werden von einem Angehörigen zu Hause gepflegt. Die Pflege von Demenzerkrankten ist in der Regel für pflegende Angehörige eine enorme Herausforderung, sie kostet Zeit und ist körperlich sowie psychisch belastend. Der Verlauf der Demenzerkrankung ist begleitet von fortschreitendem Verlust an Gedächtnisleistungen sowie körperlicher, motorischer, sozialer Funktionen und die Zunahme neuropsychiatrischer Symptome wie Erregung, Depression, Apathie, Aggression und Wahnvorstellungen.

„Die Ergebnisse unserer DelpHi-Studie in Mecklenburg-Vorpommern zeigen, dass pflegende Angehörige von Menschen mit Demenzerkrankung erhöhte physische, psychische, emotionale und soziale Belastungen erleben, die langfristig zu Gesundheitsbeeinträchtigungen der pflegenden Angehörigen selbst, konkret also depressive Erkrankungen, Angststörungen, Medikamentenmissbrauch sowie zur vorzeitigen Heimeinweisung des Erkrankten führen“, erklärt die junge Greifswalder Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Ina Zwingmann vom DZNE Standort Rostock/Greifswald , die das neue Projekt eingeworben hat.

Durch ein frühzeitiges Erkennen von Versorgungsbedarfen und gleichzeitigen angepassten Versorgungsleistungen wie beispielsweise Arztbesuchen, Angehörigengruppen, Physiotherapien oder Urlaubsvertretungen können Belastungen und Gesundheitsbeeinträchtigungen bei pflegenden Angehörigen verhindert bzw. gemindert werden. „Genau das möchten wir in unserem Projekt, der InA-Studie, erreichen: Die Versorgungsbedarfe pflegender Angehöriger sollen in der medizinischen Versorgung frühzeitig identifiziert und es soll den Angehörigen eine passgenaue Unterstützung angeboten werden“, erläutert Projektleiterin Dr. Ina Zwingmann.

Ziel des Forschungsprojektes ist, ein praxistaugliches und computergestütztes Versorgungsmanagementsystem (VMS) zu testen, welches Haus- und Fachärzte unterstützt, personale, soziale, pflegerische und medizinische Versorgungsbedarfe pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz zu identifizieren und zu decken.

Den Rahmen für die Studie bildet das Interventionsmanagementsystem, welches in der DelpHi-MV-Studie am DZNE Standort Rostock/Greifswald bereits erfolgreich umgesetzt wurde. „Basierend auf einer computergestützten Befragung wird ein, am individuellen Bedarf orientierter Behandlungs- und Versorgungsplan für die pflegenden Angehörigen entwickelt. Damit sollen die erfolgreichen Konzepte nun auch für die Personen verfügbar gemacht werden, die den größten und schwersten Teil der häuslichen Pflege von Menschen mit Demenz übernehmen: die pflegenden Angehörigen“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, Standortsprecher des DZNE Rostock/Greifswald. Er wertet die Förderung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss als Anerkennung der Versorgungsforschung im DZNE Standort Rostock/Greifswald und als optimale Möglichkeit mit den beteiligten Kooperationspartnern die Wirksamkeit des Versorgungsmanagementsystems für pflegende Angehörige zu untersuchen.

Das Vorhaben wird vom Standort Rostock/Greifswald des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) gesteuert (Projektleitung: Dr. Ina Zwingmann; Projektpartner: Dr. Ingo Kilimann). Kooperationspartner sind die Techniker Krankenkasse (Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern) , BARMER (Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern) , AOK Nordost, Die Gesundheitskasse , Deutsche Alzheimer Gesellschaft Landesverband Mecklenburg-Vorpommern , Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. , Selbsthilfe Demenz Bundesverband , Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern , Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Greifswald sowie die Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Greifswald .

Weitere Informationen:

Das Projekt startet am 1. März 2019 und hat eine Laufzeit von drei Jahren.
Die Förderinitiative „Versorgungsforschung“ der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss fördert Projekte im Bereich der Versorgungsforschung, die auf einen Erkenntnisgewinn zur Weiterentwicklung der bestehenden Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung ausgerichtet sind und ein hohes Verwertungspotenzial für die Versorgungspraxis erkennen lassen. Die Forschungsprojekte sollen Erkenntnisse liefern, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss in seine Richtlinien zur Gestaltung der Versorgung übernommen werden können oder dem Gesetzgeber als Grundlage für strukturelle Veränderungen des gesetzlichen Rahmens dienen können.

Standortsprecher Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann und Projektleiterin Dr. Ina Zwingmann – Foto: Kerstin Wernecke, DZNE Standort Rostock/Greifswald

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Ansprechpartnerin
Dr. Ina Zwingmann
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE)
DZNE Rostock/Greifswald
Ellernholzstraße 1/2, 17489 Greifswald
Telefon +49 3834 86 7776

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