Versachlichung der Integrationsdebatte

Die pauschalisierenden Thesen von Thilo Sarrazin helfen nicht weiter. Fachleute aus Deutschland, der Türkei und anderen europäischen Ländern diskutieren ab Dienstag, dem 21.9.201, in Berlin über den tatsächlichen Stand der Integration, deren Erfolge und Hemmnisse. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ist Schirmherr der Tagung. Im Mittelpunkt steht die seelische Gesundheit von Bürgern mit türkischem Migrationshintergrund und deren immense Bedeutung für Integrationsfähigkeit.
Der 7. Deutsch-türkische Psychiatriekongress steht unter dem Motto "Kulturräume". Tagungspräsident ist Prof. Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie der Charité (Mitte). Vorgestellt werden unter anderem eine Studie über Migrantenmilieus sowie eine Befragung zu Türken in Deutschland. Diese Erhebungen zeigen, dass hier Menschen mit Migrationshintergrund auf ebenso verschiedene Weise leben wie der Rest der Bevölkerung und überwiegend gut in die deutsche Gesellschaft integriert beziehungsweise auf dem besten Weg dorthin sind. Auch wenn es einen kleinen Prozentsatz gibt, der integrationsunwillig zu sein scheint, zeigt sich, das verallgemeinernde Behauptungen über die "gescheiterte Integration" in keiner Weise berechtigt sind.

Dass die seelische Gesundheit eine der wesentlichsten Voraussetzungen dafür ist, sich in die Gesellschaft des Aufnahmelandes einleben zu können, zeigen auch mehrere wissenschaftliche Projekte der Charité-Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, die auf diesem Gebiet deutschlandweit führend ist. Dazu gehören die gemeinsam mit der Uni Hamburg aufgelegte, internationale Studie "Seelische Gesundheit und Migration" sowie die Untersuchung der Ursachen von erhöhten Suizidraten bei jungen Türkischen Frauen. Wesentlicher Bestandteil des letztgenannten Projektes ist die Berliner Kampagne "Beende Dein Schweigen, Nicht Dein Leben".

Bei der Tagung der Deutsch-Türkischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosoziale Gesundheit (DTGPP) geht es neben neuen Forschungsprojekten um die Überprüfung bisheriger und die Entwicklung neuer Behandlungskonzepte bei ganz unterschiedlichen Patientengruppen. Der Kongress möchte nicht nur zur Versachlichung der öffentlichen Diskussion beitragen, sondern auch anhand positiver Integrationsleistungen praktikable Konzepte für Gesundheitswesen und Politik mit dem Ziel eines besseren Zusammenlebens erarbeiten. Die Teilnehmer kommen aus unterschiedlichen psychosozialen Berufen.

Die Veranstaltung findet vom 21. bis zum 25. September statt im Rathaus Schöneberg, John-F. Kennedy-Platz, 10825 Berlin.
Informationen unter:
<www.dtgpp-kongress.org/>
Kontakt für Teilnehmer und Medienvertreter:
andreas.heinz@charite.de
meryam.schouler-ocak@charite.de
Infos zur Migrationsforschung:
<www.charite.de/psychiatrie/forschung/migration.html>
<www.mwm-vermittlung.de/BeendeDeinSchweigen.html>
Homepage der Gesellschaft:
<www.dtgpp.de/>
(idw, 09/2010)

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