Verminderte Speichelperoxidase-Aktivität könnte Entstehung von Parodontitis fördern

10. November 2017 – Frankfurt a.M. / Greifswald – Haben Enzyme im Speichel Einfluss auf die Zahn- und Mundgesundheit? – Dieser Frage ging das Team um Miller-Preisträger PD Dr. Alexander Welk, PD Dr. Harald Below und Dr. Christian Schwahn (Universitätsmedizin Greifswald) mit ihrer preisgekrönten Arbeit „Speichel-Peroxidase-Aktivität und -Konzentration in Relation zur parodontalen Gesundheit“ nach und konnte einen Zusammenhang zwischen verminderter Speichelperoxidase-Aktivität und der Zunahme der Tiefe der Zahnfleischtaschen als einen weiteren Risikofaktor für die Ausbildung einer Parodontitis identifizieren. Ihre Arbeit wurde mit dem diesjährigen Miller-Preis der DGZMK (Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde) ausgezeichnet.

In der interdisziplinär designten klinischen Studie konnte eine Assoziation zwischen parodontaler Gesundheit und Aktivität der Speichelperoxidase nachgewiesen werden. Je geringer die Aktivität des Enzyms, desto größer war die Zahnfleischtaschentiefe der Studienteilnehmer. Sollte sich dies in zukünftigen Studien mit größerem Teilnehmerkreis bestätigen, könnte durch entsprechende Diagnostik und spezielle Ergänzungspräparate diesem Risikofaktor gezielt entgegengewirkt werden.

Die Arbeitsgruppe um Priv.-Doz. Dr. Alexander Welk vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ZZMK) und Priv.-Doz. Dr. Harald Below vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) beschäftigt sich seit Jahren mit einem körpereigenen, antimikrobiellen System im Speichel, dessen zentraler Bestandteil die Speichelperoxidase (SPO) ist. In vielen Studien konnte der positive Einfluss der SPO auf die Mundflora gezeigt werden. Diese wird durch das Enzym gefördert und stabilisiert und hemmt pathogene, krankmachende Bakterien. Darüber hinaus beseitigt sie zelltoxische Substanzen und reduziert den oxidativen Stress, in dem sie den Sauerstoff für die Oxidation von Thiocyanat zum antimikrobiellen Hypothiocyanit aus dem von den Bakterien gebildeten Wasserstoffperoxid benutzt.

Für diese Studie wurde erstmalig sowohl die Aktivität als auch die Konzentration der SPO bestimmt. Während die Konzentration über eine standardisierte SPO-spezifische Antikörper Nachweismethode (ELISA) bestimmt werden konnte, mussten im Vorfeld für die sichere Aktivitätsbestimmung umfangreiche Methodenüberprüfungen durchgeführt werden, da sich gezeigt hatte, dass die meisten in der Literatur angegebenen analytischen Methoden zur Aktivitätsbestimmung der SPO von anderen Speichelbestandteilen gestört wurden. Auch wurden erstmalig Aktivität und Konzentration der SPO mehrmals am Tag bestimmt, um bisher nichtbekannte tagesabhängige Varianzen des Enzyms festzustellen und diese mit in die Studie einfließen zu lassen.

Durch die dadurch mögliche Anwendung eines statistischen Messfehlermodells gelang es, die Zuverlässigkeit der Ergebnisse zu erhöhen. Außerdem wurde die unter Berücksichtigung der Enzymkonzentration gezeigte relativ starke Assoziation zwischen Enzymaktivität und Taschentiefe einem Belastungstest unterzogen. Hierzu wurden die Daten der 46 Studienteilnehmer mit entsprechenden Datensätzen der umfangreichen Studie zur Bevölkerungsgesundheit, SHIP-TREND, abgeglichen und deren Risikofaktoren mit in die statistische Auswertung aufgenommen. Dabei wurde deutlich, dass der beobachtete Zusammenhang zwischen verminderter Speichelperoxidase-Aktivität und der Zunahme der Tiefe der Zahnfleischtaschen auf einen weiteren Risikofaktor für die Ausbildung einer Parodontitis hindeutet.

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