Verkaufsschlager Bio-Obst: Agrarexperten fordern mehr Eigenproduktion statt Importe

Baden-Württemberg und die Bodensee-Region entwickeln sich zur Hochburg für Bio-Äpfel. Doch der Hunger der Verbraucher nach Bio-Obst wächst stärker, als die Produktionszuwachsraten der Biobauern. Durch eine ganzheitlich orientierte Weiterentwicklung der Anbausysteme ließe sich die Produktion weiter steigern und die Biodiversität erhöhen, so das Ergebnis der internationalen Fachtagung „Ecofruit“ an der Universität Hohenheim. Möglich sei dies, weil immer mehr biotaugliche Methoden aus der Forschung inzwischen Praxisreife erreichten. Bei entsprechender Forschung sehen die Experten auch für die Zukunft noch weiteres Potential. Die Fachtagung „Ecofruit“ gilt als die wichtigste Fachveranstaltung zum Öko-Anbau, die derzeit 100 Wissenschaftler aus 18 Ländern in Hohenheim zusammenführt. Organisiert wird sie in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.

Speziell für Baden-Württemberg und die Bodensee-Region hat der Bio-Anbau eine hohe wirtschaftliche Bedeutung. Am Bodensee werden auf ca. 1.000 ha biologisches Obst produziert. Dies entspricht ca. 10 % der Kernobst-Anbaufläche von Baden-Württemberg.

Trotz der wachsenden Anbaufläche müssen derzeit immer noch Bio-Äpfel importiert werden, um Deutschlands Hunger nach Bio-Obst zu stillen. Doch dank neuer Methoden könnten heimische Biobauern ihre Ernteerträge durchaus steigern, so die Meinung der Forscher auf der Fachtagung „Ecofruit“.

„Zwei wichtige Säulen sind robuste neue Sorten und biotaugliche Methoden zur Schädlingsbekämpfung und Förderung von Nützlingen“, so Prof. Dr. Claus Zebitz von der Universität Hohenheim. Gerade bei der Schädlingsbekämpfung hätten viele Forschungsergebnisse inzwischen Marktreife erlangt: „Die Bandbreite reicht von heimischen Viren und Pilzen, die für Insekten schädlich sind bis hin zu bekannten Pflanzenextrakten wie Neem oder Quassia, die dank neuer Forschung viel gezielter eingesetzt werden können.“

Gleichzeitig sollen auch im Ökobereich Anbausysteme weiter optimiert werden – dazu werden gerade Langzeitversuche eingerichtet: „Unser Ziel ist es, sowohl ökonomisch als auch ökologisch besser zu werden. Das heißt, höhere Erträge zu erzielen und uns noch mehr an den Grundlagen des Öko-Anbaus zu orientieren – etwa, in dem wir weiterhin eine hohe Biodiversität gewährleisten“, sagte Reinhard Ortlieb, der Vorsitzende der Fördergemeinschaft ökologischer Obstbau e. V. (Föko). „In Baden-Württemberg werden bereits seit 1988 Versuchsfragen zum ökologischen Obstbau an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg (LVWO) bearbeitet. Auf den Flächen der Stiftung Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee werden ca. 18 ha zusätzliche ökologische Versuchsflächen aufgebaut“, informierte Dr. Konrad Rühl, Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR).

Kontakt für Medien:
Dr. agr. Sabine Zikeli, Universität Hohenheim, Koordination für ökologischen Landbau und Verbraucherschutz
Tel.: 0711 459-23248, E-Mail: zikeli@uni-hohenheim.de

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