Vergabe der Wissenschaftspreise und Stipendien der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN)

Franz Volhard-Medaille
Die Franz Volhard-Medaille ist die höchste Ehrung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Die Auszeichnung dient der Würdigung langjährig herausragender Leistungen im Fachgebiet der Nieren- und Hochdruckerkrankungen. Sie wird in diesem Jahr an Univ. Prof. Dr. med. Christoph Wanner, Leiter der Nephrologie am Universitätsklinikum Würzburg, vergeben, der sich sowohl in Deutschland als auch international in besonderer Weise um die klinische Nephrologie verdient gemacht hat. Hervorzuheben ist seine große klinische Forschungsleistung, die international Anerkennung gefunden hat. Die Die Deutsche Diabetes Dialyse Studie (4D-Studie) untersuchte, ob und wie sich die Beeinflussung des Fettstoffwechsels bei diabetischen Nierenkranken bzw. Dialysepatienten auf kardiovaskuläre Risiken auswirkt und zeigte, dass Statine bei Hämodialyse-Patienten anders wirken als erwartet. Wichtige Schlussfolgerung für Nephrolog*innen daraus ist, den Cholesterinstoffwechsel bei diesen Patienten genauer zu betrachten. In den vergangenen Jahren hat Prof. Wanner maßgeblich an der Erforschung des SGLT-2-Inhibitors Empagliflozin gearbeitet und aus den Ergebnissen der EMPA-REG OUTCOME-Studie das renoprotektive Potenzial dieser Substanz herausgearbeitet.

Franz Volhard-Preis
Frau Professor Dr. med. Ute Scholl von der Berliner Charité – Universitätsmedizin Berlin, erhält den Franz-Volhard-Preis. Ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt im Bereich der Genetik und Pathophysiologie der Hypertonie sowie endokriner Tumore, insbesondere der Nebennierenrinde. Die Bluthochdruckforscherin beschäftigt sich mit der Entstehung von Aldosteron-produzierenden Adenomen als Ursache der sekundären Hypertonie und war an der Beschreibung tumorspezifischer Mutationen beteiligt, die bei etwa der Hälfte dieser Tumore zu einer verstärkten Aldosteronproduktion und Proliferation führen. Entsprechende vererbte Mutationen führen zu familiären Hyperaldosteronismus-Syndromen. Als BIH Johanna Quandt-Professorin „Hypertension und molekulare Biologie endokriner Tumore“ am Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin will sie weitere kritische Signalwege bei der Entstehung von Hypertonie identifizieren.

Carl Ludwig-Preis
Dr. med. Markus Rinschen aus dem Nephrologischen Forschungslabor der Klinik II für Innere Medizin an der Uniklinik Köln erforscht Funktionsstörungen in Proteinen und die Proteinurie als ein zentrales Symptom vieler Nierenerkrankungen. Er analysiert die Proteinhomeostase in renalen Erkrankungen mittels Hochdurchsatz-Proteomanalysen und quantitativer Massenspektrometrie. Diese Methode ermöglicht die zeitgleiche Identifizierung und Quantifizierung von tausenden von Prozessen in der Niere, die Proteinexpression und -modifikation betreffen und zur Krankheitsprogredienz beitragen. Die Proteomik kann zu einem besseren molekularen Verständnis der Pathophysiologie von glomerulären Erkrankungen führen. Anderseits ermöglicht der Ansatz auch neue translationale Erkenntnisse, die potenziell in neue präventive Maßnahmen umgesetzt werden könnten.

Die mediale Gefäßverkalkung (GV) ist eng assoziiert mit der hohen kardiovaskulären Mortalität von CKD-Patienten. Die GV wurde mittlerweile als aktiver Prozess erkannt, der von glatten Gefäßmuskelzellen (VSMCs) reguliert wird. Die Arbeitsgruppe von PD Dr. med. Jakob Völkl, Assistenzarzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie (CVK) an der Berliner Charité – Universitätsmedizin Berlin, untersucht die Signalwege, die eine osteo-/chondrogene Transdifferenzierung von VSMCs vermitteln, um therapeutische Ziele zu identifizieren. Aldosteron wurde als bedeutender Faktor bei GV identifiziert, da es die osteo-/ chondrogene Transdifferenzierung von VSMCs fördert. Ebenso wurde die Kinase Sgk1 als entscheidender Regulator der Verkalkung erkannt. Die Hemmung von Sgk1 ist in der Lage, die GV zu reduzieren. Auch Zink und Magnesium können auf die osteo-/chondrogene Transdifferenzierung von VSMCs Einfluss nehmen und könnten therapeutisch eingesetzt werden.

Nils Alwall-Preis
Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit von Prof. Dr. med. Vincent Brandenburg von der Klinik für Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin, Uniklinik RWTH Aachen steht die Erforschung von Vitamin K, das u. a. gegen vaskuläre Kalzifikation schützt. Eine seiner Studien zeigte, dass Vitamin K bei kalzifizierender Aortenklappenstenose die Kalkprogression verlangsamt. Derzeit ist er „principal investigator“ (PI) einer RCT, die Vitamin-K-Antagonisten (VKA) versus neue orale Antikoagulantien (NOAK) hinsichtlich der Koronarkalkentwicklung vergleicht. Außerdem ist Prof. Brandenburg PI der weltweit ersten prospektiven Calciphylaxie-Therapiestudie. Darüber hinaus untersucht er die Effekte von Sclerostin, das an der Gefäßwand anti-kalzifikatorische Effekte ausüben könnte. Aktuell wird in vivo getestet, ob eine Sclerostinüberexpression eine adyname Osteopathie begünstigt. Außerdem erforscht er die vielfältigen Pathomechanismen von FGF23 bei der Entstehung einer Kardiomyopathie.

Die wissenschaftliche Arbeit von PD Dr. med. Jan Halbritter, Klinik für Endokrinologie/Nephrologie, Universitätsklinik Leipzig, umfasst die Erforschung verschiedener hereditärer und seltener Nephropathien im Erwachsenenalter. Insbesondere beschäftigte er sich mit der molekulargenetischen Aufklärung des hohen Anteils von Patienten mit unklarem Nierenfunktionsverlust im Gesamtkollektiv chronisch Nierenkranker. Es geht darum, die resultierenden Pathomechanismen auf DNA-, RNA- und Proteinebene aufzudecken, um schließlich den Weg für die Entwicklung präziserer Therapiemöglichkeiten zu bereiten. Phänotypisch stehen Ziliopathien (Zystennieren), familiäre Glomerulopathien (FSGS, aHUS/TMA) und renale Kristallopathien (Nephrolithiasis, Nephrokalzinose) im Mittelpunkt.

Weitere Preisträger 2018
– Bernd-Sterzel-Preis für nephrologische Grundlagenforschung Dr. Dr. Alexis Hofherr, Freiburg
– Preis für Hypertonie-Forschung Prof. Dr. Kristina Kusche-Vihrog, Münster
– Dr. Werner Jackstädt-Forschungspreis Prof. Dr. Faikah Güler, Hannover
– Apherese-Innovationspreis PD Dr. Imke Metz Göttingen, Lidia Stork, Göttingen
– Hans-U.-Zollinger-Forschungspreis PD Dr. Jan-Eric Turner, Hamburg
– Rainer-Greger-Promotionspreis Dr. Katharina A.-E. Gerl, Regensburg
– Stipendium DGfN und Kuratorium der DGfN Dr. Eleni Stamellou, Aachen

Pressekontakt
Pressestelle der DGfN
Dr. Bettina Albers
presse@dgfn.eu
Tel. 03643/ 776423 / Mobil 0174/ 2165629

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