Verdauung in Schwung

(djd). Wer unter Verstopfung leidet, muss sich oft genug den Rat anhören: Iss mehr Ballaststoffe! Doch bringt ein reichlicher Genuss von Vollkornprodukten, Obst und Gemüse die Verdauung wirklich in Schwung? „Verstopfung ist keine Ballaststoffmangelerkrankung“, erklärt Prof. Stefan Müller-Lissner, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin in der Park-Klinik Weißensee in Berlin und Mitautor der neuen Leitlinie zur Behandlung von chronischer Verstopfung. Zwar erhöhe eine ballaststoffreiche Kost bei Menschen mit geregelter Verdauung die Stuhlmenge und -frequenz. Der Umkehrschluss, dass Verstopfung eine Folge ballaststoffarmer Kost ist, sei jedoch falsch.

Wertvoller Beitrag zur Ernährung

Dennoch liefern die unverdaulichen Pflanzenfasern einen wertvollen Beitrag zur Ernährung. So können sie das Hundertfache ihres Gewichts an Wasser speichern. Dadurch steigt das Volumen des ballaststoffreichen Speisebreis im Darm stark an und übt Druck auf die Darmwand aus. Das fördert die Eigenbewegung des Verdauungskanals und die Abfallprodukte der Nahrung werden zum Ausgang transportiert. „Wird die Ballaststoffzufuhr bei einer leichten Verstopfung gesteigert, kann dies unter Umständen einen trägen Darm anregen und die Beschwerden bessern“, so Müller-Lissner. Doch nicht selten lösen mehr Ballaststoffe bei Betroffenen auch unangenehme Begleiterscheinungen wie Blähungen oder Völlegefühl aus – und der therapeutische Nutzen ist begrenzt. In dem Fall sollten die Zufuhr reduziert und Abführmittel mit den bewährten Wirkstoffen Bisacodyl, Natriumpicosulfat und Macrogol bevorzugt werden. Sie sind etwa in Dulcolax oder Laxoberal enthalten und verursachen keinen Gewöhnungseffekt.

Trinken und bewegen

Will man es trotzdem zunächst mit einer erhöhten Zufuhr von Ballaststoffen versuchen, wird in der Leitlinie auch ein gleichzeitiges Plus an Flüssigkeit und Bewegung empfohlen.

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