Venenzugänge legen und Leber tasten lernen

„Und vergesst nicht, Euch die Zunge ’rausstrecken zu lassen -“, Wibke Lütz führt vier Medizinstudentinnen im fünften Semester vor, wie eine Patientenuntersuchung beginnen sollte. Sie selbst studiert im siebenten Semester und arbeitet als Tutorin im SkillsLab der Medizinischen Fakultät. Seit diesem Wintersemester bietet dieses Übungszentrum fakultative Kurse an, in denen die Studierenden ärztliche Fertigkeiten lernen und trainieren können. „Die Idee ist fantastisch, ich hätte mir das SkillsLab schon für mein Studienjahr gewünscht.“ Die Studierenden der Fachschaft Medizin machen sich seit Jahren stark für ein solches Trainingszentrum. Wibke Lütz betreut jetzt gemeinsam mit sechs Kommilitonen den klinischen Untersuchungskurs, in dem die Teilnehmer die in der Vorlesung behandelten einzelnen Untersuchungsabschnitte üben können, um fit zu sein für das Stationspraktikum.

Selbermachen, nicht nur Zuhören und -sehen

Studierende trainieren im SkillsLab in kleinen Gruppen einfache, aber auch komplexe ärztliche Fertigkeiten. Der Fokus der Ausbildung in einem SkillsLab liegt auf dem „Selbermachen“, nicht auf Zuhören oder Zusehen. „Mit ihren Kenntnissen aus dem theoretischen Studium und den im SkillsLab erlernten praktischen Fähigkeiten können unsere zukünftigen Kollegen optimal auf den Unterricht am Patientenbett und die Praxiseinsätze vorbereitet werden. Diese Kompetenzen geben den Studierenden Sicherheit, und davon profitieren Patienten und Studierende“ beschreibt Dr. Katrin Pahlke das Hauptziel des SkillsLab. Die Oberärztin an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin und Urte Mille vom Studiendekanat der Medizinischen Fakultät entwickelten gemeinsam das Konzept für dieses studentische Trainingszentrum.

Das Arzt-Patienten-Gespräch in schwierigen Situationen ist Gegenstand eines gegenwärtig angebotenen Kommunikationskurses, den Dr. Swetlana Philipp aus dem Institut für Medizinische Psychologie mit studentischen Tutoren und Schauspielpatienten durchführt. Außerdem werden Kursmodule zum Anlegen eines venösen Zugangs an Phantomarmen und ein Ultraschallkurs entwickelt. Weitere Phantome, an denen Injektionen, Nähen und Knüpfen, und Wiederbelebungsmaßnahmen geübt werden können, sind bestellt. Die Mehrzahl der Kurse leiten studentische Tutoren, so genannte peer teacher, die die Kleingruppen mit maximal sechs Studenten betreuen. „Die Tutoren werden direkt von den erfahrenen Klinikern geschult, die die Kurse entwickeln, und müssen in einer Lehrprobe ihr Können nachweisen“, betont Urte Mille.

Im SkillsLab üben Studenten, aber auch Ärzte in der Weiterbildung

“Es freut mich sehr, dass wir nun ein SkillsLab mit einem zukunftsweisenden Konzept nicht nur für Studenten, sondern auch für die Weiterbildung der Ärzte zur Verfügung stellen können“, so Prof. Dr. Orlando Guntinas-Lichius, Studiendekan der Medizinischen Fakultät. „Das SkillsLab eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten praktische Fähigkeiten zu lehren, zu üben, oder auch Kenntnisse aufzufrischen. Der Lernende soll das SkillsLab mit der Sicherheit verlassen, seine erworbenen Fähigkeiten am Patienten selbstverständlich einsetzen zu können.“

Wibke Lütz zeigt noch einmal, wie man durch leichtes Kratzen über den Oberbauch unter Einsatz des Stethoskops die Größe der Leber feststellen kann. Dann versucht sich jede der Studentinnen, bis sie die Geräuschveränderung am Leberrand hört. Die Patientenrolle hat eine Kommilitonin übernommen. „Es ist schön zu sehen, wie es ‚klick’ macht“, sagt Wibke Lütz, „und wie die Kursteilnehmer sicher werden.“

Kontakt:
Dr. Katrin Pahlke, Urte Mille
SkillsLab der Medizinischen Fakultät Jena,
Tel: 03641/9-32 32 43, 9-3 46 94
E-Mail: katrin.pahlkemed.uni-jena.de, urte.millemed.uni-jena.de

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