Urbane Landwirtschaft der Zukunft: ZFarm – Viel Ertrag auf wenig Fläche

Es wächst was in der Stadt: Landwirtschaft in, an und auf Gebäuden
Frisches Obst und Gemüse auf kürzestem Wege auf den Tisch zu bringen, das ist auch in der Stadt möglich: Berlin soll grüner werden, das sieht nicht nur der kürzlich vorgestellte „Stadtentwicklungsplan Klima“ vor. Abkühlungseffekte aber auch verminderte Treibhausgasemissionen aus der landwirtschaftlichen Produktion werden bei Großstädten wie Berlin durch die externe wie interne Begrünung von Gebäudeflächen erwartet. Gebäudeintegrierte Erzeugung agrarischer Produkte könnte genau dies unterstützen. „Ziel ist, eine agrarische Nutzung mit in der Stadt vorhandenen Ressourcen zu ermöglichen“, erläutert Dr. Armin Werner, Sprecher des Forschungsverbunds. „Die Idee dahinter ist einfach: Frische Nahrungsmittel bei minimiertem Flächenverbrauch – also zero acreage – und reduzierten Emissionen“, so Werner. „Flächen auf, in und an Gebäuden könnten für den Anbau aktiviert, Regenwasser zur Bewässerung gesammelt und Sonne und Abwärme der Gebäude als kostenlose Energiequellen genutzt sowie Stoffströme lokal besser organisiert werden.“
Bislang existieren zu urbanen Anbaukonzepten mit Gebäudeintegration hauptsächlich architektonische Visionen, die selten alle Aspekte einer möglichen Umsetzung berücksichtigen. An dieser Stelle setzt das Zero Acreage Farming-Projekt an: Am Beispiel Berlins sollen mit einer sogenannten „Partizipativen Innovations-Roadmap“ die erforderlichen Rahmenbedingungen für die Umsetzung und Verbreitung städtischer Formen der Landwirtschaft aufgezeigt werden: Auf dem Prüfstand stehen zum Beispiel Dachgewächshäuser, mehrstöckige Indoor-Farmen und hängende Gärten.
Bereits produzierende Stadtgärtner, Hausbesitzer, Architekten und öffentliche Verwaltungen sowie die Stadtbewohner als zukünftige Nutzer und mögliche Investoren werden in die Entwicklung der Roadmap eingebunden. Am Ende des partizipativen Prozesses stehen Empfehlungen zu einem Fahrplan für eine gebäudeintegrierte urbane Landwirtschaft der Zukunft in Berlin und anderen Städten.
Herkunftskennzeichnung: Dachgarten
Neben Vorteilen für das (Stadt-)Klima erwarten die WissenschaftlerInnen weitere Vorteile durch mehr Landwirtschaft in den Städten. So rücken Anbau und Verbrauch von Lebensmitteln wieder näher zusammen und die derzeitige Trennung von globalisierter Agrarproduktion und städtischem Konsum wird zumindest teilweise aufgebrochen. Obst und Gemüse kommen buchstäblich frisch vom „Dach auf den Tisch“. Mit einer auch architektonisch ansprechenden Gestaltung städtischer Landwirtschaft können zudem wertvolle Räume für Erholung und soziales Miteinander geschaffen werden. Beispielsweise kann die gemeinschaftliche Erzeugung von Nahrungsmitteln auch Aufgaben im Bildungs- und Sozialbereich übernehmen. Dies wäre ein Plus für die städtische Lebensqualität und den Wohnstandort Berlin und würde zugleich den städtischen Konsum ‚nachhaltiger’ machen.
Neue Städte braucht das Land: Berlin zeigt wie es geht
Im Rahmen von ZFarm werden verschiedene, gewerbliche wie nicht kommerzielle Betreibermodelle entwickelt, die in vielfältigen Ansätzen für die Umsetzung der architektonischen und technologischen Innovationen münden. Als „ZFarm-Stadt“ kann Berlin zum Vorreiter einer urbanen Landwirtschaft werden und tragfähige Lösungen für Klimaanpassung, Flächenkonkurrenz und die sich abzeichnende Ernährungskrise aufzeigen. Das Forschungsvorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Fördermaßnahme „Innovations- und Technikanalyse“ gefördert. Projektträger ist die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH.
Nähere Informationen finden Sie unter
Leitung Forschungsverbund:
Dr. Armin Werner
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.
Institut für Landnutzungssysteme
Werner@zalf.de;
Tel. 033432 – 82310
Mehr Informationen/Interviewpartner erhalten Sie über die Pressestelle des ZALF:
Susanne Hecker
033432/82 309
0151/405 455 03
susanne.hecker@zalf.de
Monique Luckas
033432/82 405
0151/405 455 00
monique.luckas@zalf.de

Scroll to Top