Unterwasserdrohnen statt Kampf-Delfinen

(pur). Während die Ukraine angeblich neue Kampfdelfine ausbilden will, scheint die US-Navy nach vielen Jahrzehnten – zumindest teilweise – auf Delfine als Helfer bei militärischen Einsätzen verzichten zu wollen. Bis 2017 sollen die Kampf-Delfine des US-Marine-Mammal-Program andere Aufgaben erhalten und Unterwasser-Roboter ersetzt werden. Die Entscheidung hat der US-Militärs basiert natürlich nicht auf ethischen Überlegungen, sondern auf ökonomischen: Roboter sind billiger, brauchen keine langjährige Ausbildung und können in beliebiger Stückzahl eingesetzt werden – auch wenn die sensorischen Fähigkeiten der Delfine den Unterwasserdrohnen immer noch überlegen sind. Sie können zum Beispiel Sprengsätze, die am Meeresgrund versteckt und mit Sediment zugedeckt sind, verlässlich aufspüren.

Rund 28 Millionen Dollar lässt sich die US-Navy ihre in San Diego stationierte Meeressäuger-Abteilung kosten. Die Einheit soll etwa über 80 Große Tümmler und 40 Seelöwen verfügen. Angeblich werden die Tümmler nachgezüchtet, während bei den Seelöwen Wildfänge oder -funde ins trainiert werden. Rund sieben Jahre dauert die Ausbildung eines Kampf-Delfins.
Kampfdelfine gehörten zu Zeiten des Kalten Krieges zu einem der bestgehüteten militärischen Geheimnisse, um das ein regelrechtes Wettrüsten zwischen der USA und der ehemaligen UdSSR ausbrach. Seit 1959 trainiert die US-Navy wild gefangene Große Tümmler für militärische Zwecke und setzte sie erstmals in der Bucht von Cam Ranh im Vietnamkrieg sowie im ersten Golf-Krieg 1991 ein. Die mit speziellen Nasenwaffen ausgerüsteten Meeressäuger sollten dort feindliche Taucher töten oder gezielt nach Minen suchen.
Zuletzt waren sechs Navy-Tümmler im Oktober 2012 in der montenegrinischen Bucht von Kotor im Einsatz. Sie sollten dort nach Bomben, Torpedos und Minen suchen. Die Alt-Munition stammt sowohl aus den beiden Weltkriegen als auch aus den Kriegen beim Auseinanderbrechen Jugoslawiens in den 90er-Jahren. Trotz großzügiger US-Finanzhilfen sahen sich die Behörden von Montenegro außer Stande, das explosive Erbe aus eigener Kraft unschädlich zu machen.
Unterwasser-Drohnen, sogenannte „Unmanned Underwater Vehicles“ (UUV), werden seit rund zehn Jahren regulär eingesetzt, ihre Effektivität konnte kontinuierlich verbessert werden, auch wenn sie noch immer noch nicht an die Fähigkeiten der Delfine heranreichen.
Die somit fast ausgemusterten Kampf-Delfine werden trotzdem nicht von ihren Frondiensten entbunden. Sie sollen zusammen mit den Seelöwen Häfen sichern, verborgene Sprengsätze und feindlich Taucher aufspüren.

Tiere für militärische Zwecke einzusetzen, ist ethisch verwerflich und sicherlich ein weiterer Tiefpunkt menschlichen Denkens und Handelns. Dies gilt in besonderem Maße für hoch entwickelte Tiere, wie Delfine, für die zahlreiche Wissenschaftler eine eigene „Delfin-Ethik“ und die Anerkennung eines besonderen Status als „nichtmenschliche Personen“ fordern.

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