Unklare Knoten in der Brust: Unnötige Gewebeproben reduzieren

Häufig werden bei Frauen im Rahmen der Mammographie oder einer Ultraschall-Untersuchung Knoten in der Brust entdeckt, die sich zunächst nicht eindeutig als gut- oder bösartig einstufen lassen. Dann ist die Entnahme einer Gewebeprobe angezeigt. Eine internationale Studie unter Federführung der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg testet nun, wie gut sich die Gewebeauffälligkeiten mit einem speziellen Ultraschallverfahren, der sogenannten Elastographie, einschätzen lassen. Ziel ist es, gutartige Veränderungen auch ohne Biopsie sicher als solche zu erkennen und damit einem Großteil der Frauen eine unnötige invasive Diagnostik zu ersparen. An der Studie nehmen neben Heidelberg fünf weitere Brustzentren aus Deutschland, außerdem Kliniken in den USA, Japan, Frankreich, den Niederlanden und Portugal teil. Insgesamt sollen 1.000 Frauen in die Studie eingeschlossen werden. Die High-end-Ultraschallgeräte stellt die Firma Siemens allen teilnehmenden Zentren für die Dauer der Studie zur Verfügung.

Teilnehmen können Frauen, die sich auf Anraten des behandelnden Arztes zur Abklärung eines unklaren Befundes in den Studienzentren eine Gewebeprobe entnehmen lassen wollen. Die Überweisung erfolgt in der Regel durch den niedergelassenen Frauenarzt. Die Elastographie wird einmalig im Anschluss an die routinemäßige Ultraschall-Untersuchung vor der geplanten Biopsie durchgeführt, dauert ca. zehn Minuten und verursacht keine Schmerzen oder gesundheitliche Risiken. Im Rahmen der Studie werden die Ergebnisse von Elastographie und Gewebeuntersuchung verglichen, um die Zuverlässigkeit und Aussagekraft des Ultraschallverfahrens zu überprüfen. Die teilnehmenden Frauen haben keinen persönlichen Gesundheitsnutzen, denn bei ihnen wird die Biopsie auf jeden Fall durchgeführt. „Durch ihre Bereitschaft zur Studienteilnahme tragen die Patientinnen aber mit dazu bei, die Brustdiagnostik zukünftig für Frauen in einer ähnlichen Situation entscheidend zu verbessern“, sagt Studienleiter Privatdozent Dr. Michael Golatta, Oberarzt an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. Alle erhobenen Daten werden streng vertraulich behandelt und sind gegen unbefugten Zugriff gesichert.

Elastographie gibt Aufschluss über Gewebeeigenschaften

Ergänzend zur Mammographie wird häufig im Rahmen der Vorsorge oder der Abklärung eine Ultraschall-Untersuchung durchgeführt. Die mit diesen beiden bildgebenden Verfahren entdeckten Gewebeveränderungen teilen Frauenärzte mittels eines standardisierten Beurteilungssystems (BI-RADS®: Breast Imaging Reporting and Data System) in fünf Kategorien ein. Die Kategorien 1 und 2 umfassen gutartige Veränderungen wie Zysten oder Kalkablagerungen, Kategorie 5 bezeichnet klar erkennbare bösartige Tumoren. Den Kategorien 3 und 4 werden Auffälligkeiten zugeteilt, bei denen eine Gewebeprobe zur weiteren Abklärung angeraten oder auch dringend empfohlen wird. Z.B. in der Kategorie 4a beträgt das Risiko, dass die entdeckte Gewebeveränderung bösartig ist, bis zu zehn Prozent. „Es wäre zu riskant, das nicht weiter zu untersuchen. Gleichzeitig bedeutet es für mindestens 90 Prozent der Frauen in dieser Kategorie eine unnötige Gewebeentnahme“, so Golatta. „Um diesen hohen Prozentsatz zu reduzieren, werden wir im Rahmen der multizentrischen Studie die Elastographie in der Brustkrebs-Diagnostik etablieren. “

Mit Hilfe der Elastographie, einer Erweiterung der Ultraschalldiagnostik, lässt sich der Verhärtungsgrad von Gewebe erfassen. Verschiedene andere Studien haben bereits gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen der erhöhten Steifigkeit bzw. Härte und der Bösartigkeit einer Gewebeveränderung besteht: Tumorgewebe ist härter und damit auch weniger elastisch als das sie umgebende gesunde Gewebe.

Interessierte können sich wenden an:
Priv.-Doz. Dr. med. Michael Golatta
Oberarzt
Stellv. Leiter der Sektion Senologie
Universitäts-Frauenklinik Heidelberg
Tel.: 06221-56 7901
E-Mail: michael.golatta@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg. www.klinikum.uni-heidelberg.de

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