Universitätsfrauenklinik Würzburg: Noch präzisere Operationen durch neues 3D-Laparoskopie-System

Laut Prof. Achim Wöckel, dem Direktor der Würzburger Universitätsfrauenklinik, ist die operative Gynäkologie in vielen Fällen geradezu prädestiniert für laparoskopische Verfahren. Dabei werden über wenige kleine Hautschnitte eine Miniaturkamera und die endoskopischen Instrumente in den Bauch eingeführt. Danach wird die Bauchhöhle mit Kohlendioxid erweitert, um dem Operateur eine bessere Sicht zu bieten. Eine Sicht, die nach bisherigem Technologiestandard allerdings nur zweidimensional verfügbar war. „Um gerade feine anatomische Strukturen in ihrer räumlichen Lage noch eindeutiger erkennen zu können, haben wir kürzlich ein neues, topmodernes System angeschafft. Dieses versorgt uns während den Operationen mit hochaufgelösten 3D-Bildern“, schildert Prof. Wöckel. Am 13. Juli dieses Jahres kam die Neuerwerbung erstmals bei einer seiner Patientinnen erfolgreich zum Einsatz.

Dreidimensionale Live-Bilder aus dem Körperinneren
Das 3D-Video-Laparoskop-System besteht aus zwei Komponenten: dem Laparoskop und der Video-Einheit. Das Laparoskop verfügt über ein duales HD-Linsensystem. Eine Spezial-Videosoftware verarbeitet die von den beiden Bildsensoren gelieferten Bildsignale in Echtzeit zu einem hochaufgelösten 3D-Video. Dieses wird auf mehreren Monitoren im Operationsraum wiedergegeben. Alle an der Operation Beteiligten tragen Polarisationsbrillen, ähnlich jenen, die man aus 3D-Spielfilmen im Kino kennt. Sie erzeugen beim Blick auf den Monitor die gewünschte Tiefenwirkung, erlauben aber ansonsten eine normale Sicht. „Ich bin beeindruckt von den gestochen scharfen und absolut plastischen Live-Bildern aus dem Körperinneren“, kommentierte Prof. Wöckel seinen optischen Eindruck bei der Operations-Premiere. Diese Plastizität vereinfachte das Einschätzen von Abständen der anatomischen Strukturen sowie der Instrumente zueinander. Auch eine detaillierte Nahbetrachtung kleinster Bereiche sei bei der hohen Auflösung problemlos möglich.
Die neue Technologie soll laut dem Klinikdirektor hauptsächlich bei der Entfernung von gut- und bösartigen Tumoren im kleinen Becken sowie bei der Behandlung von Endometriose (dem pathologischen Auftreten von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter) zum Einsatz kommen.

Sicherer, schneller und ermüdungsärmer operieren
Neben den generellen, auch schon bei 2D-Systemen bestehenden Vorteilen laparoskopischer Eingriffe wie vergleichsweise geringe postoperative Schmerzen und eine schnelle Genesung durch die nur kleinen Hautschnitte bringt die bessere Visualisierung den Patientinnen noch mehr Sicherheit. „Gerade, wenn es um millimetergenaue Eingriffe in einem unbedingt zu erhaltenden, gleichzeitig aber hochempfindlichen Umfeld geht, ermöglicht die neue Technologie wertvolle zusätzliche Präzession“, unterstreicht Prof. Wöckel.
Für das Operationsteam zahlt sich das System über die verbesserte Hand-Augen-Koordination in einem ermüdungsärmeren, schnelleren und vor allem sichereren Arbeiten aus. Einen weiteren Pluspunkt in Sachen Ergonomie liefern die „strategisch günstig“ im OP-Saal platzierten Monitore, auf denen alle Teammitglieder das Geschehen im Operationsgebiet verfolgen können, ohne sich „den Kopf zu verdrehen“.
Prof. Wöckel rechnet damit, dass das rund 150.000 Euro teure 3D-Laparoskop-System von jetzt an täglich im Operationssaal der Würzburger Universitätsfrauenklinik im Einsatz sein wird.

Spezialsprechstunde und Operationskurse
Um die Patienten bestmöglich über Ablauf, Chancen und Risiken einer entsprechenden Operation zu informieren, bietet die Frauenklinik einmal pro Woche eine auf minimalinvasive Eingriffe spezialisierte Sprechstunde an (mittwochs, ab 13:30 Uhr, Anmeldung unter Tel: 0931/20125295). Und um das Wissen über die Handhabung der neuen Technik in der Fachwelt zu verbreiten, organisieren Prof. Wöckel und sein Team zusammen mit dem Institut für Anatomie und Zellbiologie der Uni Würzburg Operationskurse. Hierbei sind Operateure aus dem gesamten Bundesgebiet eingeladen, an Modellen und der Medizin gespendeten Körpern die erforderlichen Fähigkeiten zu erlernen.

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