Uniklinikum Würzburg startet Tele-Intensivmedizin-Projekt

„Die ausgedünnte Versorgungsstruktur in den ländlichen Regionen Deutschlands hat zur Folge, dass dort gerade in der Intensivmedizin die notwendigen Experten vor Ort fehlen“, berichtet Privatdozent Dr. Ralf Muellenbach. Der Geschäftsführende Oberarzt für Intensivmedizin an der von Prof. Norbert Roewer geleiteten Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie des Uniklinikums Würzburg (UKW) fährt fort: „Schon heute beraten wir praktisch täglich Kollegen in externen Krankenhäusern bei der Behandlung von problematischen Fällen per Telefon, teilweise ergänzt durch gefaxte Patientendaten.“ Ein Situation, die er und Prof. Peter Kranke, Oberarzt und Leiter der klinischen Forschung an der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, als zunehmend unbefriedigend, unzeitgemäß und verbesserungsfähig empfanden – speziell vor dem Hintergrund der heute verfügbaren digitalen Kommunikationsmöglichkeiten.

Hochmobil und preiswert durch Tablet-PCs
Gemeinsam mit Dr. Kai Schwedhelm vom Zentrum für Telematik e.V. in Gerbrunn bei Würzburg erarbeiteten sie die Projektidee „Tele-Intensivmedizin“. Ziel ist ein datenschutzrechtlich einwandfreier digitaler Transfer von Patientendaten, Vital- und Laborparametern, radiologischen Bildern sowie weiteren Informationen, die für eine profunde Fallbesprechung notwendig sind. „Im Unterschied zu bestehenden Telemedizin-Systemen, die vorwiegend auf teuren stationären Kommunikationseinheiten beruhen, soll unser System preiswert und hochmobil sein“, unterstreicht Prof. Kranke. So sollen handelsübliche Tablet-PCs als wesentliche Hardware-Komponenten dienen. Diese können die anfragenden Ärzte grundsätzlich an jedem Ort im Krankenhaus einsetzen. Die Nutzungsbarrieren für die im Privatalltag weitgehend etablierten Kleincomputer sind niedrig, genauso, wie die Anschaffungskosten.

Anspruchsvolle Programmierung
Die Ansprüche an die dem System zugrundeliegende, noch zu erarbeitende Software sind da schon wesentlich höher. „Die übermittelten Daten müssen ohne Medienbrüche direkt in die jeweilige Klinik-IT integrierbar sein. Dabei muss allen Aspekten des Datenschutzes und der Datensicherheit Rechnung getragen werden. Ferner soll die Benutzeroberfläche auf den Tablet-PCs möglichst intuitiv und einfach gestaltet sein. Der Nutzer muss alle Funktionen in kürzester Zeit finden und verstehen. Dies garantiert, dass im Notfall keine wertvolle Zeit verloren geht“, umreißt Prof. Kranke die Herausforderungen an die Programmierer.

Bayerisches Gesundheitsministerium gibt 250.000 Euro
Der Projektantrag des Uniklinikum Würzburgs überzeugte das Bayerische Gesundheitsministerium, so dass es Anfang September dieses Jahres eine Förderung von annähernd 250.000 Euro bewilligte. Jetzt beginnen die Arbeiten am konkreten Systemdesign und danach die Entwicklung der ersten Funktionsmuster.

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