Uniklinikum Würzburg: Mehr Raum schaffen für moderne Kinder- und Jugendpsychiatrie

„Psychische Störungen von Kindern und Jugendlichen nehmen in unserer Gesellschaft immer weiter zu“, berichtet Prof. Marcel Romanos, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). „In der Folge hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten die Zahl der von uns stationär und ambulant versorgten jungen Patientinnen und Patienten vervielfacht.“ Beispielsweise kümmert sich die Ambulanz seiner Klinik derzeit jährlich um fast 3 000 Kinder und Jugendliche – vor 30 Jahren waren es nur 100.
Zur Behandlung psychisch erkrankter Kinder hat sich laut Prof. Romanos integriertes multiprofessionelles Konzept bewährt. „Konkret bedeutet das, dass wir auf die zunehmend komplexer werdenden Störungen der Jugendlichen mit individuell angepassten Therapien reagieren, bei denen neben Psychiatern, Psychotherapeuten und klinischen Psychologen viele weitere Berufsgruppen mitwirken. Dazu zählen zum Beispiel die Lehrkräfte der Klinikschule, Krankenschwestern und -pfleger, Erzieher/innen, Heilerziehungspfleger/innen, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Ergotherapeutinnen, Musiktherapeutinnen und Logopädinnen“, führt der Klinikdirektor aus.

Aktuell für viele Behandlungsangebote zu eng
Diese Trends – höheres Patientenaufkommen, komplexere Krankheitsbilder und vielgestaltiges Therapieangebot – haben dazu geführt, dass die Räume der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Füchsleinstraße in Würzburg für eine adäquate Behandlung nicht mehr ausreichen. „Aufgrund der beengten Verhältnisse stört beispielsweise die Musiktherapie die Arztgespräche in der darüber liegenden Institutsambulanz. Außerdem haben wir schlicht zu wenig Platz, um ausreichend Familiengespräche oder Familientherapien durchführen zu können“, schildert Prof. Romanos.

Neues Therapiegebäude hinter dem Haupthaus
Um hier Abhilfe zu schaffen, plant das Uniklinikum Würzburg hinter dem Haupthaus der Psychiatrischen Kliniken ein neues, topmodernes Therapiegebäude. Am Freitag, den 26. Juli 2013, fand der feierliche erste Spatenstich statt.
„Die Würzburger Kinder- und Jugendpsychiatrie erhält ein Bauwerk, das in seiner durchdachten Konzeption sicher bundesweit Modellcharakter haben wird“, zeigt sich Prof. Christoph Reiners, der Ärztliche Direktor des UKW, stolz. Auf drei Etagen mit insgesamt rund 1 000 m2 Nutzfläche entstehen Räume für Werk- und Schnitztherapie, Musiktherapie, Bewegungs- und Physiotherapie, Kochtherapie, Systemische Familientherapie, Heilpädagogik, Verhaltenstherapie, Ergo- und Kunsttherapie sowie für eine Vielzahl verschiedener gruppentherapeutischer Programme. „Ein solch breites Spektrum an Therapiemöglichkeiten in einem Gebäude zu integrieren, macht das neue Therapiehaus einzigartig“, unterstreicht Prof. Romanos. Bei störungsfreiem Verlauf der Bauarbeiten wird das Therapiehaus im Juni 2014 fertiggestellt werden.

Hohe Spenden aus verschiedenen Quellen
Die Initiative zum Neubau geht zurück auf den Einsatz von Prof. Andreas Warnke, dem Vorgänger von Prof. Romanos als Klinikdirektor. Die Finanzierung des über zwei Millionen Euro teuren Projekts gelang durch das Zusammenwirken mehrerer Förderer und Sponsoren. Den Löwenanteil von 950 000 Euro spendete der Verein Sternstunden. Seit seiner Gründung im Jahr 1993 setzt sich die Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks für notleidende Kinder und Jugendliche ein. Nach seinem Hauptfinanzier wird das Gebäude „Sternstunden Therapiehaus“ heißen.
275 000 Euro stellte die Bayerische Landesstiftung bereit. Weitere 40 000 Euro steuerte Menschenskinder e.V. bei. Der Würzburger Verein wurde im Jahr 1998 von Prof. Warnke mit dem Ziel gegründet, psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen zu helfen und deren Familien im Alltag zu unterstützen.
Für die Einrichtung des in das Gebäude integrierten Sportraums hat die Dirk Nowitzki-Stiftung Unterstützung angekündigt.
Das Universitätsklinikum Würzburg beteiligt sich – neben der Bereitstellung des Grundstücks mit 880 000 Euro an dem Projekt.
Prof. Romanos: „Herzlichen Dank an alle unsere Unterstützer – vor allem natürlich an die vielen dahinter stehenden Menschen und Unternehmen, die sich mit kleinen und großen Spenden beteiligt haben! Ohne sie würde es keinen Neubau geben!“

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