Uniklinikum Dresden übernimmt Trägerschaft der Autismusambulanz Dresden

Der Trägerwechsel vom St.-Marien-Krankenhaus zum Dresdner Uniklinikum eröffnet der Ambulanz die Möglichkeit, die Infrastruktur der Hochschulmedizin für die Weiterentwicklung ihrer Arbeit zu nutzen und angehende Ärzte für das Krankheitsbild sowie dessen Diagnose und Behandlung zu sensibilisieren. Die Einrichtung gehört ab sofort zur Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.

Die bereits vor 30 Jahren gegründete Autismusambulanz Dresden ist mit dem Trägerwechsel erst die zweite universitäre Einrichtung dieser Art in Deutschland. Die Besonderheit der Dresdner Ambulanz und des Autismustherapiezentrums am Frankfurter Uniklinikum ist ihr breites Leistungsspektrum: Neben der vorrangig medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung der Patienten – sie wird von den Krankenkassen finanziert – begleiten die Ambulanzen auch Eingliederung und Teilhabe der Betroffenen in Bildung und Beruf. Dazu beraten die Mitarbeiter Kindergärten, Schulen, Institutionen sowie Firmen innerhalb wie außerhalb Dresdens und unterstützen sie dabei auch personell.

„Mit der Autismusambulanz Dresden ergänzen wir unser Behandlungsspektrum in den psychiatrischen und psychotherapeutischen Fächern um ein wichtiges Krankheitsbild. Das interdisziplinär arbeitende Team der Ambulanz und das altersgruppenübergreifende Patientenspektrum passt hervorragend in das am Klinikum etablierte Zentrum für Seelische Gesundheit“, sagt Prof. Michael Al¬brecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums. Pro 1.000 Einwohner gibt es sechs bis sieben Menschen, die an einer autistischen Störung leiden. Das Bandbreite der Störung ist groß: Etwa ein Viertel der Betroffenen lernt niemals Sprechen und ist oft stark geistig behindert; ein anderer Teil dagegen verfügt über eine normale Intelligenz. „Ein wichtiger Teil unserer Arbeit besteht darin, den Kindern entsprechend ihrer geistigen Fähigkeiten den besten Bildungs¬weg zu eröffnen“, sagt die Leiterin der Ambulanz, Dr. Katja Albertowski.

Da Menschen mit autistischer Behinderung große Probleme haben, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen und sich in ein soziales Umfeld einzuordnen, benötigen sie eine kontinuierliche Betreuung: Die von der Autismusambulanz angebotenen Einzel- und Gruppentherapien helfen Betroffenen, den Anforderungen in Kindergarten, Schule und später im Beruf soweit gerecht zu werden wie es ihre Behinderung zulässt. „Viele Patienten sind mit uns erwachsen geworden und kommen weiterhin zu uns“, so Dr. Katja Albertowski. Dieses Angebot bleibt auch nach dem Trägerschaftswechsel zum Klinikum erhalten. Damit ist auch eine lückenlose Betreuung sichergestellt, in dessen Rahmen das Ambulanz-Team Eltern, Erzieher, Lehrer sowie Mitarbeiter weiterer Institutionen berät und ihnen bei Krisen zur Seite steht.

Zahl der Erstdiagnose ‚autistische Störung’ steigt bei Erwachsenen

Neben der Diagnose und Therapie von Kindern und Jugendlichen betreut die Autismusambulanz Dresden zunehmend auch Menschen, bei denen die Diagnose erst im Erwachsenenalter gestellt wurde. Im vergangenen Jahr kamen 50 Personen in die Ambulanz, bei denen Anzeichen einer autistischen Störung vorlagen. Darunter waren auch Verheiratete oder fest in eine Familie eingebundene Personen. Ein wichtiges Indiz liefern beispielsweise häufige Kündigungen des Arbeitsplatzes, die mit dem mangelhaften sozialen Verhalten des Betroffenen begründet wurden. Neben einer ausführlichen Diagnose, die mehrere Experten im Rahmen mehrerer Sitzungen stellen, schließen sich auch bei Erwachsenen ein Therapieprogramm und Eingliederungshilfen an. Sie sollen den Betroffenen einen dauerhaften Verbleib in der Arbeitswelt sichern.

Hochschulmedizin liefert Impulse für Diagnostik und Therapie

Die Ärzte und Forscher aus dem Universitätsklinikum ermöglichen es der Ambulanz künftig, die Ergebnisse ihrer Arbeit intensiver als bisher wissenschaftlich zu überprüfen. Die Langzeitbetreuung der Patienten eröffnet ihnen die Chance, die Effekte der therapeutischen und pädagogischen Maßnahmen zu messen und so Hinweise für eine weiter optimierte Betreuung zu gewinnen. Das Expertenwissen der Autismusambulanz mit dem des Klinikums ergänzen sich dabei sehr gut: „Auch zu uns kommen Patienten, deren Verhalten im Zusammenhang mit einer autistischen Störung stehen könnte“, berichtet Prof. Veit Rößner, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Mit dem Wissen der neu hinzukommenden Kollegen lassen sich diese Verdachtsmomente nun auf kurzem Wege erörtern.

Doch nicht jede für autistische Menschen typische Verhaltensweise rechtfertigt die Diagnose dieser Erkrankung. Das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts¬syndrom (ADHS) oder unwillkürliche Bewegungen – sogenannte Tics – können Ausdruck anderer psychischer Störungen sein. „Wir möchten diese Erkrankungen besser verstehen und das Fachwissen der Autismusambulanz in unsere Forschungen einbeziehen“, so Prof. Rößner, der sich seit Jahren wissenschaftlich mit ADHS, Tic-Störungen und dem Tourette-Syndrom beschäftigt.

Autismusambulanz in Zahlen und Fakten:
Insgesamt betreuen 21 Mitarbeiter die Patienten. Darunter sind Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychologen und Psychotherapeuten, Sozialpädagogen, Ergo-, Heil-, Kunst- und Musiktherapeuten sowie Heilerziehungspfleger. Für die Patienten gibt es therapeutische Einzel- und Gruppenangebote sowie eine Begleitung in Schule, Arbeitsleben – einschließlich der Werkstätten für behinderte Menschen – Freizeit und Wohnen.

Kontakt:
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Autismusambulanz Dresden
Leiterin: Dr. Katja Albertowski
Tel. 0351 / 3 11 53 10
E-Mail: katja.albertowski@uniklinikum-dresden.de

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