Uni-Ausgründung testet Implantate in Rostock

Dr. Daniel Klüß, einer der Gründer, fährt eine Maschine hoch. Die sieht aus wie ein mannshoher Hi-Tech-Bohrer. Nur bewegt sich in der Mitte kein Bohrer, sondern ein silberner Metallstempel auf und ab. Daniel Klüß ist Ingenieur mit einer speziellen Ausbildung im Bereich Biomechanik und will gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin, der Ingenieurin Dr. Carmen Zietz, in den Markt der Implantate-Prüfung einsteigen.

Beide Wissenschaftler kennen sich von der Arbeit im Forschungslabor der Orthopädischen Uni-Klinik Rostock, eines der größten Forschungslabore Deutschlands, das sich mit innovativer Implantatforschung befasst. Hier haben sie viele Jahre Forschungsarbeit in das Thema Sicherheit von Implantaten gesteckt. Daniel Klüß weiß, dass die Nachfrage nach Prüfleistungen von Implantaten sehr groß ist. Heutzutage decken beispielsweise die Testbedingungen für künstliche Gelenke kaum noch die heutigen Erwartungen der Patienten ab. „Die Betroffenen wollen auch mit künstlichen Gelenken ihr altes Leben zurück, also beispielsweise Sport treiben oder weiter körperlich im Beruf arbeiten“, sagt er.

In Biotechnologie und Medizintechnik gehören Wirtschaft und Forschung zusammen, wenn es darum geht, neue Erkenntnisse direkt beim Menschen ankommen zu lassen, etwa bei Beschichtungen für künstliche Hüftgelenke oder innovative Dentalimplantate. Insbesondere mittelständische Wirtschaftsunternehmen können sich häufig keine großen Forschungsabteilungen für die Weiterentwicklung der eigenen Produkte einrichten, daher ist für sie die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern wie Daniel Klüß und Carmen Zietz besonders wichtig. Beide kennen diese Lücke und fassten auch daher den Mut, in die Selbstständigkeit zu gehen.

Die rund 80 Hersteller von Implantaten in Deutschland arbeiten eng mit Forschungsinstituten und Universitäten zusammen. „Es gibt ein großes Interesse, die Produkte bei uns auf Festigkeit, Beständigkeit und Funktionalität prüfen zu lassen“, sagt Klüß. Die Firma bereitet gerade eine Vielzahl an Arbeitsprozessen und Dokumenten für eine Akkreditierung ein.

Rund um die Hochschulen im Land hat sich ein Netzwerk von Biotech-Firmen etabliert; etliche sind so genannte Ausgründungen: Das heißt, die Gründer dieser Unternehmen waren vorher Mitarbeiter universitärer Einrichtungen und überführen nun, wie beispielsweise Innoproof, ihr Know-how in die freie Wirtschaft. Rund 800 solcher Firmen sind an der Uni Rostock in den vergangenen 25 Jahren ausgegründet worden; 15 kamen aus der Medizin.

„Daniel Klüß und Carmen Zietz sind hervorragende Wissenschaftler, die den Mut und die Fähigkeit zur Ausgründung haben“, würdigt Uni-Rektor Prof. Wolfgang Schareck. „Die Universität unterstützt die akademischen Existenzgründer“. Der Rektor sieht Dr. Carmen Zietz und PD Dr. Daniel Klüß mit ihrer Firma aus dem Bereich der Medizintechnik als ein gutes Beispiel dafür, wie sorgfältig die Ausgründung vorbereitet sei. Dass Daniel Klüß noch mit einem Fuß im Forschungslabor der Orthopädischen Uni-Klinik arbeitet und mit dem anderen in der eigenen Firma agiert, hält Prof. Schareck für eine gute Kombination. „So kann man jederzeit mit der rasanten wissenschaftlichen Weiterentwicklung Schritt halten“.

Seit 2006 begleitet die Universität Rostock junge Studierende, Absolventen und wissenschaftliche Mitarbeiter während des Gründungsprozesses und unterstützt sie in jeder Phase bis zur Gründung. Das Zentrum für Entrepreneurship vereint seit 2012 an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät alle akademischen und administrativen Kompetenzbereiche der Gründungsunterstützung unter einem gemeinsamen Dach und hat sich als zentrale Anlaufstelle für alle Gründungsinteressierten der Universität Rostock etabliert. „Der Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft an der Universität Rostock trägt seit Jahren nicht nur in der Gründungsförderung Früchte. Kooperiert wird auch bei Projekten der Auftragsforschung oder bei gemeinsamen Veranstaltungen von Universität und Unternehmen oder Unternehmensverbänden“, sagt Mitarbeiterin Kathrin Krüger-Borgwardt.

In einem Bundesland, das von der Abwanderung junger gut ausgebildeter Menschen geprägt sei, fördert das Zentrum für Entrepreneurship an der Universität Rostock unternehmerisches Denken und Handeln, hilft die Selbstständigkeit zu entmystifizieren und schafft so eine Basis für die Überführung von innovativen Ideen aus Wissenschaft und Forschung in die Wirtschaft. Text: Wolfgang Thiel

Inspired – Der Ideenwettbewerb in MV.

Mit Wissen und Forschung Geld verdienen – das ist das Ziel von Inspired – Der Ideenwettbewerb. In MV.“ In diesem Jahr sind erneut alle Studierenden, Absolventen und Forscher/-innen der Universität Rostock sowie der außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Raum Rostock dazu aufgerufen, ihre kreativen und innovativen Ideen einzureichen. Die jeweils zehn besten Ideen aus den Kategorien Studierende und Forscher/ Absolventen werden von einer unabhängigen Fachjury mit Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft ausgewählt und erhalten die Chance auf Prämien, Sonderpreise und der exklusiven „Berlin Valley Tour“.
Unkomplizierte Teilnahme: Bis zum 30. April ist zunächst eine kurze Beschreibung der Idee (max. eine halbe DIN A4-Seite) einzureichen. Die Anmeldung kann per E-Mail an zfe@uni-rostock.de oder online unter http://www.ideenwettbewerb.uni-rostock.de erfolgen.
Die Wettbewerbsbeiträge werden vertraulich behandelt.

Kontakt
Universität Rostock
Universitätsmedizin
Forschungslabor der Orthopädischen Universitätsklinik
Dr. Daniel Klüß
T: 0381 494 9343
Mail: daniel.kluess@uni-rostock.de

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