Umweltbewusster Weingenuss

Bremerhaven, März 2012. Das drei Jahre und zwei Monate dauernde Projekt SUSTAVINO, das eine integrierte und nachhaltige Wein-Produktion in Europa zum Gegenstand hat, kann im März 2012 erfolgreich abgeschlossen werden. Das ttz Bremerhaven entwickelte im Zuge des Projektes eine Strategie für eine umfassende Verbesserung der Nachhaltigkeit von Weingütern. Diese besteht aus den Modulen Abfallreduktion, Verminderung des Wasserverbrauchs, Abwasserbehandlung und Wiedernutzung sowie die Abfallbehandlung und Valorisierung. Nach einer Testphase im Labormaßstab kamen die Behandlungs- und Valorisierungsverfahren im Pilotmaßstab auf vier europäischen Weingütern zum Einsatz.

Einige europäische Weingüter sind so klein, dass Umweltgesetzgebungen nicht greifen – bei der Weinproduktion entstehende Abwässer werden unbehandelt in Flüsse eingeleitet. Feste Reststoffe und organische Inhaltsstoffe, die in den Abwässern enthalten sind, stellen eine starke Umweltbelastung dar. Hier schafft die Strategien des Projektes Abhilfe. Erfolgreiche Umsetzungen gibt es bereits in Deutschland und Ungarn:

In Deutschland ist der Anschluss von Weingütern an kommunale Kläranlagen zwar weit verbreitet, in Regionen mit intensiver Weinbauaktivität kommen diese zur Erntezeit jedoch regelmäßig in Bedrängnis. Die entstehenden Mehrkosten der Kläranlage werden in der Regel auf die die Winzer umgelegt. Durch die Errichtung eines Membran–Bioreaktors konnte das Abwasser entsprechend behandelt und die organischen Reststoffe um mehr als 95 % reduziert werden. Die Experten schätzen, dass durch den Betrieb einer solchen Anlage rund 1200 Euro pro Jahr für ein mittelgroßes Weingut (2500 hl) eingespart werden können. Durch verhältnismäßig geringe Investitions– und Operationskosten rechnet sich die Installation einer solchen Anlage nach kurzer Zeit, vor allem bei der Nutzung durch mehrere Weingüter.

In einem ungarischen Weingut konnten wesentliche Erfolge durch Einführung eines balancierten Abfallmanagements erreicht werden: Die Mehrkosten, die durch die Nutzung einer externen Kompostierung entstehen, können hier durch die Entsendung des Tresters und Hefetrubs an eine Destillerie zur Produktion von Industriealkohol mehr als ausgeglichen werden.

Neben der Problematik der Abwässer und Reststoffe wurde der Fokus auch auf den Wasserverbrauch bei der Weinbereitung gelegt. Ziel muss es sein, die Ressource Wasser so effizient wie möglich einzusetzen und damit den Wasser-Fußabdruck in der Weinbereitung klein zu halten. In Deutschland kann ein Wasserverbrauch von rund 1,7 Litern pro Liter Wein angesetzt werden, während er andernorts oftmals erheblich höher ist. Nun steht natürlich gerade beim Wein die Produktqualität im Vordergrund, allerdings gibt es Prozessabläufe, die nicht die Qualität beeinflussen, aber ein großes Wassereinsparpotential beinhalten, z.B. den Bereich der Abfüllung. Die Aktivitäten von SUSTAVINO haben hier Potenziale zum effizienteren Wassereinsatz in der Weinbereitung aufgezeigt.

Je nach Land variieren die Gesetzgebungen zum Abwassermanagement bei der Weinproduktion stark. Hinzu kommen die unterschiedlichen Bedürfnisse und Charakteristika der einzelnen Weingüter. Die Untersuchungen des SUSTAVINO-Projektes zeigen, dass Maßnahmen zur effizienten Wassernutzung für jedes Weingut individuell entworfen werden können und müssen.

Das ttz Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Experten-Team in den Bereichen Lebensmittel, Umwelt und Gesundheit.

Kontakt:

ttz Bremerhaven
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