UKR gründet Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie

Mit plastischer Chirurgie werden zumeist Eingriffe wie eine Gesichtsstraffung oder eine Brustvergrößerung assoziiert. Doch die Plastische Chirurgie umfasst viel mehr als rein ästhetische Behandlungen. Was ist zum Beispiel, wenn ein Patient nach einer Tumorentfernung äußerlich entstellt ist? Oder wenn bei einem Unfall Gliedmaßen abgetrennt werden? Auch diese Situationen fallen in das Aufgabengebiet eines Plastischen Chirurgen. Um dem sich immer weiter spezialisierenden Leistungsspektrum des Fachgebiets Rechnung zu tragen, wird der bisher in der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie angesiedelte Bereich der Plastischen, Hand- und Wiederherstellungschirurgie im UKR zum 1. Juli 2016 offiziell in eine hochschulrechtlich eigenständige Abteilung ausgegliedert.

Unter der Leitung von Professor Dr. Dr. Lukas Prantl entwickelte sich die Plastische-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie im Universitätsklinikum Regensburg in den letzten Jahren sowohl in wissenschaftlicher als auch in medizinischer Hinsicht sichtbar weiter. „Die Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie trägt maßgeblich dazu bei, dass schwerkranke und schwerverletzte Patienten wieder am normalen Leben teilhaben können, indem äußerliche Anzeichen ihres Leidens korrigiert werden oder die Funktionalität von Körperteilen wieder hergestellt wird. Um die Infrastruktur für die Versorgung Betroffener in Ostbayern weiter auszubauen und die Leistung der letzten Jahre anzuerkennen, ist die Aufwertung zur hochschulrechtlich selbstständigen Abteilung für uns eine logische und nötige Konsequenz“, so Professor Dr. Oliver Kölbl, Ärztlicher Direktor des UKR. Geleitet wird die neue Abteilung weiterhin von Professor Prantl.

Die Plastische, Hand- und Widerherstellungschirurgie hat sich am Universitätsklinikum Regensburg vor allem auf die Wiederherstellung der Körperform und -funktion bei komplexen Fällen nach Tumoren, Unfällen, Verbrennungen, Wunden, Verletzungen und Erkrankungen der Hand und des Handgelenkes spezialisiert. Die Abteilung verfügt über eine anspruchsvolle technische Ausstattung und entsprechend qualifizierte Mitarbeiter. So können beispielsweise komplizierte Defekte mit Eigengewebstransplantationen versorgt werden. Nach Unfällen mit schweren Weichteil- und Knochenverletzungen, ausgedehnten Tumoren und bei schweren Durchblutungsstörungen mit chronischen Wunden können durch Kombinationseingriffe mit Gefäßbypässen, Gewebstransplantaten und angereicherten Stammzellen Extremitäten dauerhaft gerettet und die Mobilität der Betroffenen erhalten werden.
Abgetrennte Finger oder Teile der ganzen Hand können wieder angenäht und Durchblutung sowie Nervenfunktion wieder hergestellt werden. Sollten die Gliedmaßen nicht mehr replantierbar sein, stehen alternative Verfahren wie beispielsweise eine Zehen-Finger-Transplantation zur Verfügung.
Zur Regeneration von durchtrennten Nerven hält die Abteilung neuartige Nervenleitschienen bereit. Irreversible Schädigungen können durch motorische Ersatzplastiken kompensiert werden. Umgekehrt können chronische Schmerzen durch eine gezielte Unterbrechung betroffener Nervenbahnen (Denervierung) behandelt werden.

Im Zuge der Abteilungsgründung wird nun auch ein neues Angebot für Patienten mit Lymph- und Lipödemen etabliert. Zusätzlich zur konservativen und chirurgischen Behandlung wird ab sofort auch eine interdisziplinäre Sprechstunde für Lymphologie angeboten.
Hier wird mit den Patientinnen und Patienten ein ganzheitliches Behandlungskonzept
entwickelt, das sich sowohl am Krankheitsbild als auch an den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen ausrichtet. Eine enge Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten, Sanitätshäusern und physiotherapeutischen Einrichtungen stellt eine optimale ambulante
Versorgung in Fortsetzung der stationären Behandlung sicher.

Als universitäre Einrichtung ist die Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie auch wissenschaftlich aktiv. Ein Forschungsschwerpunkt liegt zum Beispiel auf der Behandlung schwerer Krankheiten oder Unfallfolgen mit körpereigenen Stammzellen. Dazu werden adulte Stammzellen des Fettgewebes für die klinische Anwendung erforscht.
Des Weiteren beschäftigen sich die Mitarbeiter der Abteilung mit der Durchblutung bei Gewebetransplantaten. In ihrer Forschungsarbeit wollen sie ergründen, wie eine Minderdurchblutung oder ein Durchblutungsausfall der Transplantate verhindert werden kann. Die gewonnenen Erkenntnisse aus dieser Mikrozirkulationsforschung finden bereits klinische Anwendung und gewährleisten ein hohes Maß an Sicherheit, insbesondere in der sensiblen postoperativen Phase nach der Transplantation.

„Klinisch und wissenschaftlich stehen für uns immer die optimale Versorgung und das Wohlergehen der Patienten im Vordergrund“, fasst Professor Prantl zusammen.

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