UKE-Krebsforscher hat Preis der amerikanischen Gesellschaft für Krebsforschung erhalten

Gerade Brustkrebs neigt dazu, in andere Körperregionen zu streuen. So entstehen bei jeder fünften Frau in den ersten zehn Jahren nach einer Tumorbehandlung Metastasen. Das Tückische: Niemand weiß, wann sich die schlummernden Krebszellen im Körper reaktivieren. Wird die Tochtergeschwulst im Rahmen der Nachsorge entdeckt, ist es für eine erfolgreiche Behandlung oft zu spät. Genau hier setzt die Arbeit von Prof. Dr. Klaus Pantel an. Durch intensive Forschung gelang es dem Mediziner und seinem Team, einzelne Krebszellen im Blut von Patienten zu entlarven und bis zu ihrer DNA vorzudringen. Mit dieser Methode könnten Metastasen künftig frühzeitig entdeckt, im Detail analysiert und gezielter behandelt werden.

Bislang ging die Medizin davon aus, dass Metastasen nach dem exakt gleichen Prinzip aufgebaut sind und funktionieren wie ihr Stammtumor. Denn nur der primäre Tumor konnte auf seine DNA hin untersucht und daraus eine entsprechende Behandlung abgeleitet werden. Heute ist klar: Primärtumor und Tochtergeschwulst haben zwar die gleichen Grundzüge. Doch um sich in anderen Organen wie Knochen, Lunge oder Leber ansiedeln zu können, benötigen die Tumorzellen andere Eigenschaften. Den Gencode dieser schlafenden Tumorzellen haben Pantel und sein Team jetzt geknackt. Eine einzige Krebszelle im Blut des Patienten reicht aus, um die genetischen Eigenschaften der Tochtersaat bestimmen zu können.

Um die Tumorzellen zwischen den anderen Blutzellen aufzuspüren, werden die Blutproben zunächst mit einem Antikörper vermischt, der mit kleinen magnetischen Eisenpartikeln versetzt ist. Der Antikörper erkennt bestimmte Moleküle an der Oberfläche der Zellen und heftet sich gemäß dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an sie. Danach startet dann die Zellsortierung. Dabei werden die Tumorzellen mit einem starken Magneten angezogen und am Mikroskop mit dünnen Glaskapillaren vom Rest der Blutprobe isoliert. Die Zellen werden in die Kapillaren eingesaugt und zur weiteren Analyse in ein Reagenzglas übertragen.

Der Bluttest könnte vielen Patienten Gewissheit bringen und helfen, schmerzhafte und kostspielige therapeutische Fehlversuche zu vermeiden. Bislang orientierten sich Krebstherapien bei Metastasierungen lediglich an den genetischen Eigenschaften des Stammtumors. Dank der neuen Informationen über die schlafenden Tumorzellen besteht in Zukunft die Chance, zum Beispiel Chemotherapien exakt an den medizinischen Bedarf des Patienten anzupassen.

Langfristiges Ziel des Institutsleiters für Tumorbiologie am UKE, Prof. Dr. med. Klaus Pantel, ist es, in einigen Jahren einen Routinebluttest für Patienten einzuführen, der verrät, ob die angewandte Therapie erfolgreich war und im Falle einer Tumorzellstreuung zuverlässige Hinweise für eine anstehende Behandlung gibt.

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