Übergewichtige Kinder: „Spielend“ Gewicht verlieren mit modernen Medien

Übergewichtigen Kindern fehlt es neben ausreichender Bewegung meist auch an Wissen über eine ausgewogene Ernährung. „Kinder, die bereits im Grundschulalter übergewichtig sind, leiden darüber hinaus oft unter weiteren psychosozialen Beschwerden wie Stress, Ausgrenzung und Stigmatisierung“, sagt Professor Dr. med. Stephan Zipfel, Kongresspräsident des Psychosomatik-Kongresses. Die Frage, wie man Kinder in dieser Situation helfen kann, steht im Zentrum eines Forschungsprojekts der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Tübingen, die Zipfel leitet. Im Rahmen des Projekts haben die Forscher ein Computerspiel entwickelt, dass die Bewegung fördert, Wissen über Ernährung vermittelt und gleichzeitig den Umgang mit Stress und Stigmatisierung Übergewichtiger thematisiert. „Bereits Grundschüler nutzen regelmäßig das Internet und verbringen viel Zeit am Computer. Daher ist es sinnvoll, hier anzusetzen und Kinder über dieses für sie zentrale Medium anzusprechen“, erklärt Zipfel.

Im Computerspiel bewegen sich die Kinder durch eine dreidimensionale, mittelalterliche Welt. Sensoren erfassen die Bewegung des Spielers und ermöglichen so das Vorankommen im Spiel. Gefordert sind Bewegung und Koordination. „Das stärkt die Körperwahrnehmung der Kinder und motiviert zur körperlichen Aktivität“, sagt Zipfel. Integriert sind außerdem Spiele zur Ernährung, die Kenntnisse über ausgewogene Mahlzeiten vermitteln und die Kinder animieren, das eigene Essverhalten zu überprüfen und zu korrigieren; beispielsweise packt der Spieler am Anfang der Reise durch die digitale Welt seinen Rucksack mit Proviant. Auch die Eltern werden über ein Online-Portal mit einbezogen und sollen helfen, im Spiel erlerntes im Alltag umzusetzen. „Unser Anliegen ist es, den Kindern neben altersgerecht aufbereiteten Informationen zu Ernährung und Bewegung auch den Umgang mit Stress und psychosozialem Druck zu erleichtern“, so Zipfel. So sollen etwa Entspannungsübungen die Kinder davor bewahren, aus Frust über ihr Übergewicht noch mehr zu essen. Erste Testläufe mit einer Grundschulklasse in Tübingen sind bereits erfolgreich verlaufen, weitere Studien werden nun folgen.

Auch mit Gewichtsproblemen – jedoch am anderen Ende der Skala – haben magersüchtige Mädchen zu kämpfen, deren Behandlung mit modernen Medien Zipfels Tübinger Forschungsteam derzeit in einem weiteren Projekt untersucht. Um die Rückfallgefahr bereits erfolgreich an einem Essstörungszentrum behandelter Magersüchtiger auch im häuslichen Umfeld zu reduzieren, erproben Psychotherapeuten derzeit Behandlungsgespräche am Bildschirm. Diese erfordern keine weiten Anfahrten ans Zentrum und ermöglichen eine therapeutische Begleitung und Überleitung im Alltag. Wie neue Medien künftig die Behandlung psychischer Erkrankungen unterstützen und verbessern können, ist auch Thema der Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, die am 26. März 2015 in Berlin stattfindet.

Bei Abdruck Beleg erbeten.

Terminhinweise:

Carus Lecture
Peter Sloterdijk: Das Ende des alt-europäischen Dualismus: Die Sezession der Seele vom Körper und ihre Rückkehr zu ihm
Termin: Mittwoch, 25. März ab 18 Uhr
Ort: Audimax des Henry-Ford-Baus der Freien Universität Berlin
Anschrift: Garystraße 35, 14195 Berlin-Dahlem

Pressekonferenz anlässlich des
Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Termin: Donnerstag, 26. März 2015, 12.30 Uhr bis 13.30 Uhr
Ort: Senatssaal des Henry-Ford-Bau

Dialog-Forum: Medizinische Forschung und der Patient im 21. Jahrhundert
Termin: 26. März 2015, 13.30 bis 15 Uhr
Ort: Henry-Ford-Bau, Hörsaal A
Moderation: W. Bartens (Süddeutsche Zeitung)
Teilnehmer: P. Henningsen, H.-J. Heinze, W.-D. Ludwig, G. Wess, J. Windeler

Symposium: Adipositas im Dialog
Termin: Freitag, 27. März 2015, 13.30 Uhr bis 15.00 Uhr
Ort: Hörsaal B des Henry-Ford-Baus

Ascona Lecture
Peter Bieri (alias Pascal Mercier): Selbsterkenntnis durch Erzählen
Termin: 27. März 2015, 18.00 bis 19.00 Uhr
Ort: Henry-Ford-Bau, Audimax
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Pressekonferenz anlässlich des
Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
„Psycho – Somatik: Dialog statt Dualismus“
Termin: Donnerstag, 26. März 2015, 12.30 Uhr bis 13.30 Uhr
Ort: Senatssaal des Henry-Ford-Baus der Freien Universität Berlin
Anschrift: Garystraße 35, 14195 Berlin-Dahlem

Themen und Referenten:

*Am Bildschirm statt auf der Couch – Neue Medien in der Psychotherapie
Professor Dr. med. Stephan Zipfel
Kongresspräsident, Vorsitzender des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM); Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin VI (Psychosomatische Medizin und Psychotherapie), Universitätsklinikum Tübingen

*Angst durch Krieg, Armut und Gewalt: Wie wir traumatisierten Flüchtlingen helfen können
Professor Dr. med. Johannes Kruse
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) und Ärztlicher Direktor der Kliniken für Psychosomatik und Psychotherapie, Universitätskliniken Gießen und Marburg

*Hitzewallungen, Schlafstörungen & Co: Sind wirklich alle Symptome der Wechseljahre hormonbedingt?
Professorin Dr. med. Kerstin Weidner
Klinikdirektorin der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, Dresden

*Macht „immer online“ schon Jugendliche einsam? Wie exzessive Internetnutzung die Bindungsfähigkeit von Heranwachsenden beeinflusst
Professor Dr. med. Manfred Beutel
Direktor der Klinik und Polyklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin Mainz

*Schnellere Hilfe für Patienten mit psychischen Problemen – Das Hamburger Netzwerk für somatoforme Störungen
Professor Dr. med. Bernd Löwe
Direktor des Instituts und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

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Pressekontakt für Rückfragen:
Janina Wetzstein und Kerstin Ullrich
Pressestelle
Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart,
Tel: 0711 8931-457; Fax: 0711 8931-167

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