„Twinning-Project“ zu Lehrer-Schüler-Beziehungen und Lehrergesundheit

Zu Beginn des Jahres startete das Projekt „Lehrer-Schüler-Beziehungen und Lehrergesundheit“ in der Abteilung Schulpädagogik des Tübinger Instituts für Erziehungswissenschaft in Kooperation mit dem Studiengang Pflegepädagogik der Hochschule Esslingen. Dabei handelt es sich um ein so genanntes „Twinning-Project“: Es zielt darauf ab, Absolventen unterschiedlicher Hochschularten im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojektes zur Promotion zu führen, wobei die Doktoranden und Doktorandinnen zu abgrenzbaren benachbarten Fragen forschen. Im Rahmen der Twinning-Projects können die Universitäten mit ihrem forschungsorientierten Blick und die Fachhochschulen mit dem praxisorientierten Studium gleichermaßen voneinander profitieren. Die Doktoranden und Doktorandinnen werden von beiden Hochschulen betreut.
Die Twinning Projects sind eine Initiative der Universität Tübingen. „Diese kleineren Projekte sind einzigartig in der Hochschullandschaft“, sagt Professor Dr. Herbert Müther, Prorektor für Forschung der Universität Tübingen. Das Projekt wird über Stipendien der Landesgraduiertenförderung der Universität Tübingen für die nächsten zwei bis drei Jahre gefördert, insgesamt werden momentan vier „Zwillings-Paare“ auf diese Weise finanziert.
„Wir sind sehr froh über diese Möglichkeit der kooperativen Promotion: So können wir unseren besten Absolventinnen und Absolventen nach ihrem Masterabschluss den Einstieg in eine wissenschaftliche Laufbahn eröffnen“, sagt Prof. Dr. Karin Reiber vom Studiengang Pflegepädagogik, die das Thema „Lehrergesundheit“ an der Hochschule Esslingen betreut. Das Thema „Lehrer-Schüler-Beziehungen“ wird unter der Leitung von Prof. Dr. Thorsten Bohl vom Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Tübingen bearbeitet.
Sowohl in der Unterrichtsforschung als auch aus neurowissenschaftlicher Sicht wird immer wieder auf die Bedeutung von Lehrer-Schüler-Beziehungen für die Motivation und Leistungsentwicklung in Lehr-Lern-Prozessen hingewiesen. Bekannt ist ebenfalls, dass belastete Lehrer-Schüler-Beziehungen Stress bei Lehrenden auslösen und somit die Lehrergesundheit erheblich beeinflussen. Trotz dieser hohen Relevanz von Lehrer-Schüler-Beziehungen liegen praktisch keine systematischen Beobachtungsinstrumente und Arbeiten vor, die die Lehrer-Schüler-Beziehungen in den Mittelpunkt der Forschung stellen. Ziel des Twinning-Projects ist es unter anderem, Merkmale einer förderlichen Lehrer-Schüler-Beziehung in Lehr-Lern-Prozessen zu identifizieren und sie im Hinblick auf deren Wirkungen für die Lehrergesundheit zu erforschen.
In Einzelfallanalysen werden Lehrer-Schüler-Beziehungen und die Lehrergesundheit in 20 Unterrichtsstunden der Haupt- und Realschule sowie des Gymnasiums in Baden-Württemberg untersucht. Als Instrumente dazu werden die Unterrichtsvideographie, Lehrerinterviews, Lehrer- und Schülerfragebögen im Lehr-Lern-Prozess sowie für das Thema Lehrergesundheit auch das Instrument „Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster“ (AVEM) eingesetzt.

Scroll to Top