Tuberkulose: Hallesche Wissenschaftler erhalten Förderung für Arbeit an neuem Wirkstoff

Neuer, besser und günstiger sollen die Wirkstoffe gegen Tuberkulose (TB) sein, die die Wissenschaftler der MLU finden wollen. „Tuberkulose ist weltweit der größte bakterielle Killer“, sagt Prof. Dr. Peter Imming vom Institut für Pharmazie der MLU. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass allein 2013 neun Millionen Menschen an TB erkrankt und 1,5 Millionen Menschen gestorben sind. Obwohl die Krankheit vor allem in Entwicklungsländern auftritt, spielt sie auch für Industrieländer eine Rolle. Gerade multiresistente Erreger der Krankheit ließen sich mit den klassischen Medikamenten nicht optimal behandeln. Effektivere Alternativen seien für Patienten oft nur schlecht verträglich. Die Behandlung eines TB-Patienten in Deutschland sei deshalb kostspielig und zeitaufwendig. Die Therapie eines Patienten nimmt im Normalfall drei bis vier Monate in Anspruch, könne aber bis zu zwei Jahre dauern und bis zu 200.000 Euro kosten.

Zwei wissenschaftliche Mitarbeiter aus Immings Arbeitsgruppe werden die Experimente an TB-Erregern im Labor der Open Lab Foundation in Spanien durchführen: Dr. Katja Laqua ist bereits vor Ort, der Promotionsstudent Henok Asfaw wird in wenigen Wochen nachreisen. Die Substanzen für die Versuche hat die Arbeitsgruppe von Imming in Halle hergestellt. Bestimmte weiterführende Tests zur Wirksamkeit der Stoffe seien aber an der MLU gar nicht möglich: „Mit Tuberkulose-Erregern darf man nur in speziellen Hochsicherheitslaboren arbeiten. In Tres Cantos gibt es Tests, die wir hier nicht durchführen können“, erklärt der Pharmazeut weiter.

Die Arbeit der Pharmazeuten konzentriert sich dabei auf Cyclopeptide, eine Art kleiner, ringförmiger Proteine. Mit ihrer Hilfe wollen die Wissenschaftler die Ausbreitung der Mykobakterien eindämmen, dem Erreger der Tuberkulose. „Die Substanzen hemmen das Wachstum der Bakterien und können sie sogar abtöten“, so Imming. Erste Laborversuche hätten außerdem gezeigt, dass die untersuchten Peptide menschliche Zellen nicht schädigen. „Der Vorteil dieses neuen potentiellen Wirkstoffes ist also seine gute Wirksamkeit. Den genauen Wirkmechanismus müssen wir aber noch entschlüsseln“, fasst Imming zusammen.

In der Forschungseinrichtung von GlaxoSmithKine können die Wissenschaftler nicht nur auf modernste Laborgeräte zugreifen, die speziell für Erforschung neuer Wirkstoffe im Bereich multiresistenter Keime angeschafft wurden. Sie haben auch die Möglichkeit, sich mit anderen führenden Wissenschaftlern auszutauschen, die aus aller Welt für einen Forschungsaufenthalt eingeladen wurden.

Am Ende des halleschen Forschungsprojekts könnte ein kostengünstiger Wirkstoff stehen, mit dem sich die Behandlungsdauer weiter verkürzen lässt.

Die Open Lab Foundation ist eine Stiftung, die 2010 vom Pharmakonzern GlaxoSmithKline gegründet wurde. Sie fördert vor allem Forschungsprojekte, die sich mit so genannten neglected diseases beschäftigen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Krankheiten, die vor allem in ärmeren Ländern auftreten und für die wenig Arzneimittelforschung betrieben wird.

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