TU Braunschweig: Mit Antikörpern die Alzheimer-Krankheit erforschen

Jeder menschliche oder tierische Körper verfügt über eine sehr hohe Zahl von unterschiedlichen Antikörpern. Von Natur aus für die Abwehr unbekannter Infektionen erschaffen, können sie beinahe jedes Molekül, das von außen in den Körper eindringt, binden und dadurch unschädlich machen. Wissenschaftler nutzen dieses natürliche Potenzial seit langem. Die Braunschweiger Forscher stellen Antikörper so her, dass diese ein einzelnes menschliches Eiweiß im Organismus aufspüren können, damit dessen Rolle im Organismus im Labor genau studiert werden kann. Dazu haben ein Verfahren perfektioniert, mit dem man Antikörper komplett ohne Versuchstiere im Reagenzglas entwickeln kann.

„Die Antikörper ermöglichen in diesem Projekt, bestimmte Proteine besser zu verstehen, die bei der Entstehung von Alzheimer eine Rolle spielen“, erläutert Prof. Dübel. „Sie funktionieren als Sonden, die es uns erlauben, kleinste Unterschiede in der molekularen Struktur dieser Eiweiße aufzuspüren und damit mehr über deren Rolle bei der Krankheitsentstehung zu erfahren.“

Eine Frage des „Faltenwurfs“

Proteine können eine sehr komplexe Struktur haben. Eiweiße gleicher chemischer Zusammensetzung können unterschiedliche räumliche Strukturen bilden, sich also unterschiedlich falten. Ein Protein, das im gesunden Organismus unschädlich ist, kann sich gleichsam wie ein Pullover „auf links“ umdrehen und dann die Erkrankung auslösen. Es ist also wichtig, die Faltung genau nachvollziehen zu können. Bisher war dies schwer, da in konventionellen Verfahren Antikörper zum Einsatz kamen, die in Versuchstieren erzeugt wurden. Dabei ließ sich nicht steuern, welche Faltung erkannt wurde. „Unsere Ansatz ist es, dass wir Antikörper-Sonden ausschließlich im Reagensglas aus Bakterien herstellen. Dabei lässt sich genau vorbestimmen, welche Version der Faltung des Eiweißes unsere Antikörper erkennen – und damit besser beobachten, wann und wie sich die Faltung verändert, wenn die Krankheit ausgelöst wird“, erläutert Prof. Dübel. Die Projektgruppe hofft, auf diese Weise mehr über die Entstehung und den Verlauf der Erkrankung zu erfahren. Damit würden neue Schritte in Richtung Diagnose und Therapie ermöglicht.

Im Rahmen des Projekts findet auch ein Austausch von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern mit dem jeweiligen Partnerinstitut statt.

Weitere Informationen:
Technische Universität Braunschweig
Institut für Biochemie und Biotechnologie
Prof. Dr. Stefan Dübel
Spielmannstr. 7
38106 Braunschweig

Tel.: +49 531 531 391 5731
E-Mail: biotech@tu-braunschweig.de
(idw, 06/2010)

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