TU Braunschweig: Bioinformatik-Tagung kehrt nach 25 Jahren an den Ort ihrer Gründung zurück

Mit etwa 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist sie die größte deutsche Bioinformatik-Konferenz und gleichzeitig eine der größten überhaupt. Die Referenten kommen vorwiegend aus Deutschland und den angrenzenden Ländern sowie aus den USA.

Systembiologie ist das Schlüsselwort der Tagung. Ihr Ziel ist es, biologische Organismen in Gänze zu verstehen. Aufgrund der komplexen Prozesse bedient sie sich dabei der Informatik. Computer können helfen, Gensequenzen ebenso wie Abläufe und Strukturen in Zellen im Modell zu analysieren. Sie unterstützen die Forscher dabei, Stoffwechselvorgänge abzubilden oder die Wirkungsweise von Hormonen und Enzymen im Körper nachzuvollziehen. “Ohne die Informatik wäre ein Genom noch heute nur eine Sammlung von Buchstaben“, erläutert Prof. Schomburg. Inzwischen sind große Bereiche der Medizin, der Medikamentenentwicklung und der Biotechnologischen Anwendungen nicht mehr ohne Computer und große Datenbanken denkbar.

Vor 25 Jahren sah die Forschungslandschaft in den Biowissenschaften noch ganz anders aus. „Damals war der Computer für uns ein Instrument, um begrenzte Fragestellungen besser zu analysieren und zu interpretieren,“ so Schomburg. Niemand habe damals geahnt, welche Datenmengen inzwischen beherrscht sind. „Als das Humangenomprogramm startete, haben Experten die Projektdauer auf 30 Jahre geschätzt. Tatsächlich hat es nur 15 Jahre gedauert, die Erbinformationen eines Menschen mit ihren 3,2 Millionen Buchstaben erstmals komplett zu entschlüsseln. Die Kosten betrugen damals 2,3 Milliarden Dollar, heute kann man Genomanalysen schon für 5000 Dollar bewerkstelligen.“

Die Informatik hat sich vom Analyse- zum Prognoseinstrument gewandelt. Wie genau reagiert die Zelle auf bestimmte Reize? Wie müssen Medikamente beschaffen sein, um nicht mehr die gesamte Zelle zu beeinflussen, sondern nur noch den einen, krank machenden Mechanismus auszuschalten? So sind heute nicht mehr einzelne Sequenzen und Proteine im Fokus der Konferenz, sondern die Modellierung ganzer Zellen. Auf der Agenda stehen etwa Voraussagen, wann und warum Viren resistent gegen Medikamente werden. Auch über die Weiterentwicklungen bei BRENDA, der weltweit größten Datenbank für Enzyme, die Prof. Schomburg selbst entwickelt hat, wird berichtet.

Und noch etwas hat sich gravierend geändert: Der Frauenanteil auf der Konferenz ist von annähernd null vor 25 Jahren auf heute etwa 50 Prozent gestiegen. „Bioinformatik ist für junge Frauen ein zunehmend attraktives Fach“, so Schomburg.

Die 25th German Conference on Bioinformatics 2010 findet vom 20. bis 22. September 2010 im Haus der Wissenschaft Braunschweig, Pockelsstraße 11, 38106 Braunschweig, statt.

Prof. Schomburg steht für Fragen vorab gern zur Verfügung.

Kontakt:

Prof. Dr. Dietmar Schomburg
Institut für Biochemie und Biotechnologie
Technische Universität Braunschweig
Langer Kamp 19b, 38106 Braunschweig
Tel.: +49-531-391-8301, Fax: +49-531-391-8302
E-Mail: d.schomburg@tu-braunschweig.de
(idw, 09/2010)

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