Trinkwasser in aller Munde?

(pur). Der Weltwassertag am 22. März 2013 ist dem Thema „Wasser und internationale Zusammenarbeit“ gewidmet, um einer breiten Öffentlichkeit sowie der Politik die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage der Menschheit zu verdeutlichen. Die Vereinten Nationen (UN) hatten bereits im Jahr 2010 das Recht auf Trinkwasser zum Menschenrecht erklärt und das Jahr 2013 zum Internationalen Jahr der Wasserkooperationen bestimmt. Der Global Nature Fund (GNF) begrüßt diese Schritte ausdrücklich, sie lösen jedoch das Problem nicht. Während in Europa ein Sturm der Entrüstung gegen die von der EU vorgesehene Privatisierung der öffentlichen Trinkwasserversorgung losbricht, haben immer noch 800 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Kein sauberes Wasser in Afrika

Gerade in Afrika ist die Lage in vielen Regionen nicht einfach. Laut UNESCO haben südlich der Sahara mehr als 60 Prozent der Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. In der Elfenbeinküste beispielsweise sind zahlreiche Brunnenanlagen sanierungsbedürftig und die Abwasserentsorgung und -aufbereitung ist in vielen Teilen des Landes völlig unzureichend. Pro Jahr sterben nach Angaben von UNICEF 87.000 Kinder unter fünf Jahren in dem westafrikanischen Staat an Durchfallerkrankungen. Gründe sind unzureichende Wasserversorgung und Hygienebedingungen.

Der lange Weg zum sauberen Nass

Seit 2008 kümmert sich die Umweltstiftung GNF ganz praktisch um die Versorgung mit sauberem Trinkwasser in Kenia, Burundi und der Elfenbeinküste. Bei Planung und Realisierung der Trinkwasseranlagen kooperiert der GNF mit Partnerorganisationen vor Ort. Da in vielen ländlichen Regionen Afrikas sowohl Strom- als auch Wassernetze fehlen, sind innovative Lösungen gefragt. Wie erfolgt die Zuführung des Wassers zum Filter? Welche Mengen sollten täglich gereinigt werden? Wer ist für die Verteilung des Wassers, den Betrieb und die Wartung der Anlage verantwortlich? Dies sind nur einige der Fragen, die bei der Durchführung der Projekte bedacht werden müssen. Daneben ist es wichtig, die betroffenen Menschen für den Schutz ihrer Umwelt zu sensibilisieren, denn Naturschutz und Gesundheitsaspekte hängen beim Trinkwasser eng zusammen.

Einfache aber wirkungsvolle Lösungen in Kenia

Durch die ersten positiven Erfahrungen mit Trinkwasserprojekten für Schulen und Waisenhäusern in Kenia ermutigt, dehnt der GNF jetzt seine Projektarbeit aus. Bisher konnten über 4.500 Schüler und Waisenkinder mit sauberem Trinkwasser versorgt werden: in der Tonga Girls Secondary School und der Tonga Boys Secondary School, dem Watoto Wenye Nguvu Waisenhaus, dem Maragua Ridge Health Center in Maragua, der Moi Schule in Sindo und der Migingo Schule in Kisumu.
Für die Aufbereitung wird Oberflächenwasser aus nahegelegenen Gewässern entnommen und in Wasserfilteranlagen, sogenannten SkyHydrants, aufbereitet. Eine Anlage kann stündlich bis zu 700 Liter Wasser reinigen. Das saubere Trinkwasser wird dann in geschlossenen Wasserspeichern gesammelt und bei Bedarf an die Menschen abgegeben. In den Gemeinden Kandara und Gitune in Kenia werden jetzt die nächsten beiden Anlagen installiert.

Neue Brunnen braucht das Land

Seit 2011 arbeitet der GNF auch in der Elfenbeinküste. Aufgrund der politischen Instabilität in dem westafrikanischen Staat ist die Versorgungslage mit sauberem Trinkwasser angespannt. Hier setzt ein gemeinsames Projekt mit der Hilfsorganisation „Habitat for Humanity“ an. 22 Dorfbrunnen konnten seither mit aktiver Beteiligung örtlicher Techniker und der Dorfbewohner bereits in Betrieb genommen werden. Vor Ort werden sogenannte Wasserkomitees gebildet, die für den reibungslosen Betrieb der Brunnen sorgen und das Wasser gegen einen kleinen Kostenbeitrag an die Dorfbewohner abgeben. Die Einnahmen werden für Wartung, Reparatur- und Ersatzteilkosten genutzt.

Sauberes Wasser bedeutet Lebensqualität

Sowohl im Westen in der Region Man als auch im Osten in der Region N’zi Comoé profitieren vor allem Frauen und Mädchen davon, dass einerseits die täglichen Wege zum Wasser viel kürzer werden und andererseits die Wasserqualität jetzt deutlich besser ist. Über 12.000 Menschen kommen so in den Genuss von frischem Trinkwasser. In 2013 sollen jetzt weitere 20 Brunnenanlagen in Dörfern der Zentralregion instandgesetzt werden. O-Ton einer jungen Mutter aus dem Dorf Bouaffoukro: „Wir haben nun sauberes Wasser, weil die Brunnenpumpe endlich funktioniert. Jetzt geht es uns viel besser und ich bin besonders glücklich, dass ich meinen Kindern mit gutem Gefühl Wasser zu trinken geben kann.“

Unterstützt werden die Projekte durch den Reiseveranstalter TUI, den Bundesligisten Hannover 96 und den Fanverband Rote Kurve. Seit der Bundesligasaison 2009/2010 können die Stadionbesucher bei Heimspielen von Hannover 96 im Rahmen der Aktion „Trinkbecher für Trinkwasser“ ihre Pfandbecher an gesonderten Sammelstationen zugunsten des Projektes spenden. Auch Eichels Event, Veranstalter des TUI Marathons in Hannover, unterstützt die Trinkwasserprojekte. Wie in den vergangenen Jahren werden beim diesjährigen Marathon am 5. Mai wieder Spenden gesammelt.

In Burundis Regionen Kagwema und Rukaramu realisiert der GNF ähnliche Projekte mit dem erfahrenen Partner Pureflow. Hier werden neue Brunnen mit schwerem Gerät gebohrt und das geförderte Grundwasser dann in Reinigungsanlagen gefiltert. So werden 5.000 Menschen, darunter viele Schulkinder, mit sauberem Trinkwasser versorgt. Förderer in Burundi sind Merz-Stiftung, der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) und Lufthansa. Weitere Informationen unter: http://www.globalnature.org/Afrika2013

Hintergrund

Der Global Nature Fund (GNF) ist eine gemeinnützige Stiftung für Umwelt und Natur und hat 1998 das internationale Living Lakes Netzwerk gegründet. Die Hauptgeschäftsstelle des GNF befindet sich in Radolfzell am Bodensee, weitere Büros sind in Bonn und Berlin. Seit 1998 setzt sich die unabhängige Stiftung für die Erhaltung von Wasserreserven und Wasserökosystemen weltweit ein. Gemeinsam mit Partnerorganisationen vor Ort wurden seither zahlreiche Projekte in den Bereichen Naturschutz und Biodiversität, Energie und Klima, Nachhaltige Entwicklung und Umweltbildung verwirklicht.

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