Trauerkultur im Wandel

(dtd). Der November mit seinen stillen Gedenktagen erinnert uns mehr als jeder andere Monat an Tod und Sterben. Die Form, mit der Menschen ihrer verstorbenen Angehörigen oder Freunde gedenken, befindet sich allerdings in einem tiefgreifenden Wandel. So gibt es inzwischen Dutzende „Friedhöfe“ und Gedenkstätten im Internet, Portale mit Gesprächsforen und Onlineseminare für Trauernde sowie Dienste für digitale Hinterlassenschaften. Auf Trauerportalen kann man kostenlos Gedenkseiten anlegen, auf denen Speicherplatz für Texte, Fotos und Videos zur Verfügung steht. Aber auch die klassische Trauerkultur verändert sich. Nach Angaben der Stuttgarter Bestattungsunternehmerin Andrea Maria Haller ist die Zahl der traditionellen Erdbestattungen rückläufig, die Feuerbestattung und das Urnengrab gewinnen stark an Bedeutung. „Aber auch neue Bestattungsformen wie Baumbestattungen erleben einen starken Zulauf“, so Haller. Eine TNS-Emnid-Umfrage im Auftrag der Ergo Direkt Versicherungen bestätigt diesen Trend. Nur noch jeder Dritte wünscht sich demnach ein klassisches Begräbnis mit einem Trauergottesdienst. Ein „zwangloses Zusammentreffen von Familie und Freunden“ würden dagegen 37 Prozent bevorzugen.

Die letzte Ruhe auf einem „normalen“ Friedhof ist allerdings immer noch die mit Abstand gängigste Bestattungsform in Deutschland. Dort verwandeln die Friedhofsgärtner jetzt so manches Grab in ein kleines Kunstwerk: Sie kombinieren Heidegewächse und Ziergräser mit Blattschmuckpflanzen wie Silberblatt und Purpurglöckchen. Und vor den Totengedenktagen im November setzen sie mit kreativen Gestecken wirkungsvolle Akzente. Dabei wird die herbstliche Grabgestaltung jedes Jahr durch neue Trends belebt. „Eine immer größere Rolle spielen bei uns gemischte Bepflanzungen und sogenannte Waldbeete, die wir mit Koniferengrün, Moos und Wurzeln dekorieren“, erläutert Friedhofsgärtner Nicolas Rehner aus Bad Kreuznach, aktiv im Bund deutscher Friedhofsgärtner.

Totengedenken 2.0

(dtd). Das Internet hat längst alle Bereiche des Lebens durchdrungen, von den meisten Menschen gibt es im Web unzählige Spuren. Für viele werden soziale Netzwerke wie Facebook zu Orten der Selbstdarstellung, über Einträge und die Fotos im Onlinealbum kann man theoretisch die ganze Welt an seinem Leben teilhaben lassen. Aber auch Todesfälle werden inzwischen immer öfter mit Hilfe des Internets bewältigt. Eines der größten Trauerportale hierzulande ist beispielsweise http://www.infrieden.de: Hier kann man kostenlos Gedenkseiten anlegen oder für 39 Euro eine „Premium-Gedenkseite“. Je Gedenkseite steht ein Gigabyte Speicherplatz für Texte, Fotos und Videos zur Verfügung. Inzwischen kooperiert das Portal mit mehr als 30 deutschen Zeitungsverlagen. Ein Drittel der Traueranzeigen in deutschen Zeitungen wird hier online gestellt. Im Netz können die Trauernden sich dann nicht nur ins Kondolenzbuch eintragen, sondern auch virtuelle Kerzen entzünden, Lebensstationen und Fotos des Toten hinzufügen. Das virtuelle Gedenken soll auf diese Weise auch bei der realen Trauerverarbeitung helfen. Das nach Angaben des Betreibers meistfrequentierte reine Trauerportal ist mit rund 1,2 Millionen Zugriffen monatlich dagegen die Seite http://www.strassederbesten.de. Weit über 18.000 virtuelle Gräber gibt es hier mittlerweile. Sie lassen sich in einer hügeligen Landschaft platzieren und komplett frei gestalten.

Außergewöhnliche Bestattungsform: Aus der Asche wird ein Diamant

(dtd). Die Trauerkultur hat sich in den vergangenen Jahren enorm gewandelt, mittlerweile stehen viele unterschiedliche Bestattungsformen und auch Arten des Gedenkens zur Wahl. Eine ganz spezielle Form des Andenkens an einen Toten wurde beispielsweise vor neun Jahren in der Schweiz ins Leben gerufen. Die Firma Algordanza stellt aus der Asche der Verstorbenen Erinnerungsdiamanten her. „Etwa 80 Prozent unserer Kunden lassen diesen Diamanten in ein anderes Schmuckstück einarbeiten. Sehr oft wird aus dem Gold des Eherings des Verstorbenen ein neuer Ring hergestellt, den der hinterbliebene Partner immer bei sich tragen kann“, erläutert Geschäftsführer Andreas Wampl. So bleibe die Erinnerung an den Verstorbenen über Generationen erhalten. Jeder Erinnerungsdiamant, so Wampl, sei ein Unikat, Größe und Aussehen können frei gewählt werden. Den Diamanten gibt es als Einzelexemplar ab 3.800 Euro und als Familiendiamanten ab 2.200 Euro. Die Beauftragung für die Herstellung eines Erinnerungsdiamanten erfolgt immer über das lokale Bestattungsunternehmen. Zunächst wird der Verstorbene in Deutschland durch diesen lokalen Bestatter eingeäschert, danach geht die Urne in ein Labor in der Schweiz. In einem mehrwöchigen Verfahren unter hoher Temperatur und hohem Druck wird die Kremationsasche dort zu einem Rohdiamanten gepresst und dann in Handarbeit zu einem weiß bis bläulich funkelnden Brillanten geschliffen.

Trend zum Baumgrab hält an

(dtd). Hohe Wipfel und stille Pfade, auf denen nur die Blätter des Herbstlaubs unter den Schritten rascheln: Dieses und viele weitere Bilder von Waldeinsamkeit haben die deutschen Romantiker im beginnenden 19. Jahrhundert geprägt. Spätestens seit den Gedichten Joseph von Eichendorffs ist der Wald ein Sehnsuchtsort für die Deutschen, der die Furcht vor dem Sterben auffängt. Das hat eine aktuelle Untersuchung des hessischen Friedhofsbetreibers FriedWald anlässlich des Trauermonats November ergeben. „In intensiven Gesprächen mit Menschen, die bereits jemanden im Friedwald bestattet haben oder für sich selbst einen Bestattungsplatz ausgesucht haben, zeigte sich, dass Angst vor dem Sterben ein zentrales Motiv für diesen Entschluss war“, sagt FriedWald-Geschäftsführerin Petra Bach. An den Wurzeln eines Baums die letzte Ruhestätte zu finden, das ist offensichtlich eine tröstliche Vorstellung, die weite Kreise zieht: 90.000 Menschen haben sich nach Angaben des Unternehmens schon zu Lebzeiten für eine solche Art der Bestattung entschieden. Der Baum, an dem das Namensschild des Verstorbenen angebracht wird, gibt auch der Trauer der Angehörigen und Freunde eine Orientierung. Dort können sie in Ruhe der Toten gedenken. Die Grabpflege wird von der Natur übernommen. In 44 FriedWald-Standorten werden inzwischen bundesweit Beisetzungen angeboten. Die Ruhestätte im Wald kostet ab 770 Euro – je nachdem, ob es sich um einen von zehn Einzelplätzen an einem Gemeinschaftsbaum handelt oder um einen Platz an einem besonderen, einzelnen Baum.

Vorsorge für den Todesfall treffen

(dtd). Ein Todesfall ist stets auch mit Bürokratie und nicht zuletzt mit Kosten verbunden. Summen von 5.000 Euro kommen dabei schnell zusammen. Vielen ist es wichtig, den Angehörigen diese finanzielle Belastung zu ersparen und vorzusorgen, etwa mithilfe einer Sterbegeldversicherung. „Je früher man sich darum kümmert, desto geringer ist auch der eigene monatliche Aufwand. Denn die Beitragszahlung wird bei einem früheren Eintritt in den Vertrag auf einen längeren Zeitraum aufgeteilt“, erklärt Andrea König-Uber, Versicherungsexpertin bei den Ergo Direkt Versicherungen. Wer bereits zu Lebzeiten eine bezugsberechtigte Person bestimme, könne die Bearbeitung im Todesfall vereinfachen und beschleunigen.

„Ist das Erbe überschaubar, ist eine Sterbegeldversicherung besonders sinnvoll“, sagt auch Angelika Herr, Expertin von der Münchener Verein Versicherungsgruppe, und ergänzt: „Wer zudem noch zu Lebzeiten entscheidet, wie und wo er beigesetzt werden möchte, kann seinen Lieben auch dazu eine Verfügung hinterlassen und zugleich die Höhe der Kosten, die durch die Versicherung abgedeckt werden sollen, sehr gut einschätzen.“ So ist die Familie nicht nur finanziell entlastet, sondern auch bestens über die letzten Wünsche des Verstorbenen informiert. Eine gute Ergänzung, mit der man dafür sorgt, dass kein Fremder Entscheidungen über das eigene Wohlergehen treffen muss, ist die Patientenverfügung. In ihr kann man zum Beispiel festlegen, bis zu welchem Punkt man für sich selbst lebenserhaltende Maßnahmen wünscht und ab wann man in Frieden sterben möchte.

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