Tradition und Moderne: Trends rund ums Buch

(dtd). Die Frankfurter Buchmesse ist der weltweit wichtigste Treff der Buch- und Medienbranche. Zu dem jährlich im Oktober stattfindenden Ereignis kommen in der Mainmetropole Verlage, Autoren, Leser und Journalisten zusammen. Die Messe informiert vom 10. bis zum 14. Oktober 2012 umfassend über Neuerscheinungen sowie aktuelle Trends im deutschsprachigen und weltweiten Markt. Mehr als 7.000 internationale Ausstelller werden sich präsentieren, die Gäste können insgesamt über 3.000 Veranstaltungen besuchen. Während die ersten drei Tage dem Fachpublikum vorbehalten sind, dürfen sich am 13. und 14. Oktober auch Privatbesucher auf dem Messegelände tummeln. Im vergangenen Jahr lockte das Event rund 283.000 Menschen an.

Die diesjährige Buchmesse wird nicht zuletzt vom rasanten Wandel und Umbruch im Buchmarkt geprägt sein. Die Bundesbürger kaufen ihre Bücher immer häufiger im Internet ein, Onlinehändler wie Amazon machen dem stationären Buchhandel zunehmend Konkurrenz. Auch das digitale Buch, das E-Book, findet auf Tablet-Computern immer mehr Leser. Wurden vor gut zehn Jahren noch 60 Prozent aller Bücher in Buchläden verkauft, sind es heute nur noch gut 50 Prozent. Der Umsatz der Händler lag 2010 bei knapp fünf Milliarden Euro und schrumpfte 2011 erneut um drei Prozent. Der Marktanteil der Internethändler liegt heute dagegen bereits bei 14 Prozent, der Anteil des Onlineverkaufs am Buchmarkt könnte Experten zufolge in den nächsten fünf Jahren auf bis zu 25 Prozent steigen.
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Nachdem zunächst die kleinen Buchläden unter dem Wandel litten, stehen nun auch die großen Ketten wie Hugendubel/Weltbild und Thalia vor der Anpassung. Sie haben auf Fläche gesetzt und betreiben in teuren Innenstadtlagen große Filialen. Das Problem: die Umsätze sind nicht im selben Umfang wie die Kosten – vor allem für die Miete – gestiegen. Um die hohen Fixkosten zu senken, wollen sich einige Branchengrößen nun von den überdimensionierten Standorten verabschieden.
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Nicht zuletzt aber wollen die großen deutschen Buchhandelsketten Amazon das Internet-Geschäft nicht kampflos überlassen. Weltbild/Hugendubel etwa hat sich frühzeitig auch auf den Versand- und Onlinehandel konzentriert und erlöst heute mit beiden Bereichen schon rund 50 Prozent seines Umsatzes. Ein Mittel, um die Kunden in die eigenen Onlineshops zu locken, sind auch E-Book-Reader. So wie Amazon den Kindle auf den Markt brachte, bietet auch Weltbild seit kurzem einen Reader an, Thalia hat den „Touch Me“ im Sortiment.
Viele Buchhändler versuchen zudem, Geld mit Nebenprodukten und Randsortimenten – den sogenannten Nonbooks – zu. Dazu gehören Spielzeug, Plüschtiere, CDs und DVDs.

Gewinner des Umbruchs ist neben dem Internet allerdings auch der traditionelle, inhabergeführte Buchladen. In den Städten florieren viele der kleinen Buchhandlungen, in größeren Städten kommt es sogar zu Neueröffnungen. Die Leser schätzen den fachkundigen Wegweiser durch die Überproduktion der Verlage, sie schätzen den persönlichen Charakter und die lokale Anbindung – davon können Qualitätsbuchhandlungen profitieren, wo es eine gute Auswahl, Lesungen und kompetenten Service gibt.
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Markt für E-Books wächst weiter
(dtd). Weil der Markt wächst, sind digitale Bücher ein wichtiges Thema auf der Frankfurter Buchmesse. Dort werden neben E-Book-Innovationen auch neue Lesegeräte vorgestellt. Viele Verlage haben für E-Books eigene Geschäftsbereiche gegründet, mit der Hardcover-Version eines Buchs kommt immer öfter auch die E-Book-Version heraus. 2011 erschienen immerhin bereits 42 Prozent der Neuheiten der E-Books anbietenden Verlage auch digital. Neue Erzählformate sind multimedial und interaktiv. Die Verlage experimentieren derzeit vor allem im Kinderbuchbereich mit Apps oder E-Books im aktuellen „EPUB-3“-Standard, die mit Audio oder Video angereichert werden können. Per Sprachausgabe könnte künftig jedes E-Book gleichzeitig zum Hörbuch werden. Die Volltextsuche, das Nachschlagen oder Übersetzen von Wörtern, digitale Notizen oder Lesezeichen und rund um die Uhr verfügbarer Lesestoff im Netz sind nur einige Vorteile von E-Books. Als Lesegeräte für multimediale E-Books empfehlen sich wegen ihrer großen Farbdisplays und Lautsprecher Tablets. Vielleser setzen auf E-Reader mit kontraststarkem, augenfreundlichem Display (elektronisches Papier), die mit einer Akkuladung Wochen und Monate durchhalten. Zur Buchmesse gibt es viele neue Reader, darunter immer mehr günstige Modelle für unter 100 Euro.
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Neuseeland ist Gastland der Frankfurter Buchmesse 2012
(dtd). „He moemoēa he ohorere / While you were sleeping / Bevor es bei Euch hell wird“ – unter diesem Motto wird sich Neuseeland als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2012 präsentieren. Vom 10. – 14. Oktober 2012 kann man neuseeländische Literatur, Kunst, Tanz und Performance live erleben. Das Land will seine ganze kreative Vielfalt präsentieren, über 300 Veranstaltungen sind geplant. Insgesamt 68 Autoren und rund 100 Künstler werden erwartet. darunter Namen wie Anthony McCarten, Paul Cleave, Alan Duff, Witi Ihimaera oder Paddy Richardson. Auch internationale Newcomer wie Emily Perkins, Paula Morris, Kate de Goldi und Greg McGee, deren Werke in diesem Jahr teilweise erstmals in deutscher Sprache erscheinen, sind dabei. Mehr als 40 Verlage präsentieren sich am neuseeländischen Gemeinschaftsstand des Verlegerverbands in Halle 8.0 (M950).
„Die Neuseeländer sind Meister im Geschichtenerzählen über alle Formatgrenzen hinweg und werden sich auf der Buchmesse literarisch und multimedial in den verschiedensten Facetten präsentieren“, sagt Buchmesse-Direktor Juergen Boos. „In den vergangenen Jahren wurden im Schnitt pro Jahr zehn neuseeländische Titel ins Deutsche übersetzt. In diesem Jahr sind es bereits 83 Übersetzungen. Das allein macht unseren Auftritt schon zu einem großen Erfolg“, betont Kevin Chapman, Präsident des neuseeländischen Verlegerverbands PANZ. Getreu dem Maori-Leitspruch des Ehrengasts, „Manaakitanga“, was für Gastfreundschaft und gegenseitigen Respekt steht, laden im Rahmen des Kulinarischen Festivals Frankfurt „New Zealand is Cooking“ neuseeländische Küchenchefs zu Kochshows und Präsentationen im Forum in die Gourmet Gallery (Halle 3.1 L1703) und in verschiedene Frankfurter Restaurants ein.

Chinesischer Schriftsteller erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2012
(dtd). Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu erhält während der Frankfurter Buchmesse den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2012, es ist der wichtigste deutsche Kulturpreis. Liao Yiwu hatte sich nach Repressionen im vergangenen Jahr aus China nach Deutschland abgesetzt. In der Begründung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels heißt es, Liao sei ein Schriftsteller, der sprachmächtig und unerschrocken gegen die politische Unterdrückung aufbegehre und den Entrechteten seines Landes eine weithin hörbare Stimme verleihe. Liao Yiwu setze in seinen Büchern und Gedichten den Menschen am Rand der chinesischen Gesellschaft ein aufrüttelndes literarisches Denkmal. Der Autor, der am eigenen Leib erfahren habe, was Gefängnis, Folter und Repression bedeuteten, lege als unbeirrbarer Chronist und Beobachter Zeugnis ab für die Verstoßenen des modernen China.
Liao Yiwu, geboren 1958, verfasste 1989 buchstäblich am Vorabend des Blutbads am Platz des Himmlischen Friedens das Gedicht „Massaker“, das in Windeseile Verbreitung fand, auch über die Grenzen Chinas hinaus. Hierfür wurde er vier Jahre inhaftiert und schwer misshandelt. Der Autor wurde 2009 in Deutschland mit dem Buch „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser – Chinas Gesellschaft von unten“ bekannt. Darin interviewte der chinesische Schriftsteller und Oppositionelle unter anderem eine Prostituierte, einen buddhistischen Mönch und einen Klomann. Das Buch ist in China verboten.
2007 wurde Liao Yiwu vom unabhängigen chinesischen PEN-Zentrum mit dem Preis „Freiheit zum Schreiben“ ausgezeichnet, dessen Verleihung in letzter Minute verhindert wurde. Obwohl Liao Yiwu nach mehreren vergeblichen Reiseanträgen in den Besitz eines Reisepasses kam, wurde ihm 2009 die Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse, auf der China Ehrengast war, verweigert. Ein öffentlicher Appell an Bundeskanzlerin Merkel führte dazu, dass er im September erstmals aus China ausreisen durfte. Nachdem ihm jedoch Anfang 2011 mehrmals eine Ausreise verweigert wurde, setzte er sich über Vietnam nach Deutschland ab.
Die Verleihung des Friedenspreises findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 14. Oktober 2012 in der Paulskirche statt und wird live in der ARD übertragen. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.

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