Tiefe Hirnstimulation mit Rückkoppelung bei Bewegungsstörungen

Im Universitätsklinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) sind bereits 280 Patienten mit der Methode der Tiefen Hirnstimulation behandelt worden. Dabei werden Elektroden in das Bewegungszentrum des Gehirns implantiert, die über einen kleinen, ebenfalls implantierten Stimulator kontinuierlich mit Strom versorgt werden. Im Volksmund ist diese Methode als „Hirnschrittmacher“ bekannt.

Patienten mit Bewegungsstörungen (Morbus Parkinson, Tremor, Torticollis) profitieren von dieser Methode ebenso wie einige ausgewählte Patienten, die unter dem Tourette-Syndrom leiden. Am 31. Juli 2013 wurde erstmalig ein neuer Stimulator eingesetzt, der die Forschung auf diesem Gebiet voranbringen soll. „Es handelt sich um ein Gerät, das auch die Signale des Gehirns aufzeichnen kann“, sagt Dr. Jan H. Mehrkens, Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik und Leiter Funktionelle Neurochirurgie. Das LMU-Klinikum in Großhadern ist weltweit das erste Zentrum, in dem dieser Stimulator zum Einsatz kommt. Das Implantat ermöglicht eine Forschung, die dann letztlich zur Vorbereitung einer „rückgekoppelten“ Hirn-stimulation dient. Wie bei den Herzschrittmachern, sollen zukünftige Stimulatoren in die Lage versetzt werden, bedarfsgerecht zu stimulieren. Der Stimulator soll also merken, wann der Patient etwas mehr Strom benötigt und wann zu viel Strom möglicherweise schädlich wäre. So ist bekannt, dass beim Gehen die Stimulationsleistung etwas erhöht werden kann. Beim Sprechen kann zu viel Stimulation nachteilig sein.

Die neue Stimulatorgeneration dient noch ausschließlich der Forschung, die diese rückgekoppelte Stimulation vorbereitet, mit dem Ziel die Therapie in Zukunft weiter „patientenspezifisch“ optimieren zu können. „Wir haben nun erstmals die Möglichkeit, Hirnströme nicht von außen, sondern direkt aus dem Gehirn zu empfangen und zu erforschen. Daraus hoffen wir, Schlussfolgerungen für die Therapie neurologischer Erkrankungen wie Parkinson oder Epilepsie ziehen zu können“, erläutert Prof. Kai Bötzel, Oberarzt der Neurologischen Klinik. Für den Patienten ändert sich zunächst nichts. Der Stimulator ermöglicht, wie auch bisher, die weitgehende Normalisierung der Bewegungsabläufe, ohne dass er von den zusätzlichen Funktionen des Stimulators etwas bemerken würde.

Ansprechpartner:

Dr. med. Jan H. Mehrkens
Neurochirurgische Klinik der LMU
Campus Großhadern
E-Mail: jan.mehrkens@med.uni-muenchen.de

Prof. Dr. med. K. Bötzel
Neurologische Klinik der LMU
Campus Großhadern
E-Mail: kai.boetzel@med.uni-muenchen.de

Tel: +49 (0)89/7095-0 (über Zentrale)

Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2012 an den Standorten Großhadern und Innenstadt 473.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Den 45 Fachkliniken, Instituten und Abteilungen sowie den 45 interdisziplinären Zentren stehen 2.080 Betten zur Verfügung. Von insgesamt über 10.000 Beschäftigten sind rund 1.800 Mediziner und 3.400 Pflegekräfte. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2012 rund 78 Millionen Euro an Drittmitteln verausgabt und ist seit 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.
Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Klinikum der Universität München an fünf Sonderforschungsbereichen der DFG (SFB 455, 571, 596, 684, 914), an drei Transregios (TR 05, 127, 128), zwei Forschergruppen (FOR 535, 809) sowie an zwei Graduiertenkollegs (GK 1091, 1202) beteiligt. Hinzu kommen die vier Exzellenzcluster „Center for Integrated Protein Sciences“ (CIPSM), „Munich Center of Advanced Photonics“ (MAP), „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM) und „Munich Cluster for Systems Neurology“ (SyNergy) sowie die Graduiertenschulen „Graduate School of Sys-temic Neurosciences“ (GSN-LMU) und „Graduate School of Quantitative Biosciences Mu-nich (QBM)“.

Scroll to Top