Thüringer Kinderschutzambulanz am UKJ baut Vernetzung mit Jugendämtern weiter aus

Jena. Die Entscheidung ist schwer – und hat weitreichende Folgen: Das Kind aus der Familie nehmen? Oder es in seinem Umfeld belassen? Ist das Kindeswohl gefährdet oder nicht? Schon seit 2006 berät die Thüringer Ambulanz für Kinderschutz (TAKS) am Universitätsklinikum Jena (UKJ) die Jugendämter im Freistaat bei der Beantwortung dieser Frage besonders in unklaren Fällen. Jetzt wird diese Zusammenarbeit weiter ausgebaut und intensiviert: Feste vertragliche Vereinbarungen zwischen den Jugendämtern und der Ambulanz sollen noch in diesem Jahr unterzeichnet werden, für 2014 ist eine landesweite Kinderschutzkonferenz geplant.

„In den letzten Jahren hat sich eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen der Kinderschutzambulanz am UKJ und den Jugendämtern entwickelt. Diese Strukturen wollen wir nun schrittweise weiter ausbauen. Gerade dann, wenn z.B. der Verdacht auf eine Kindesmisshandlung besteht, kommt es nicht nur auf eine verlässliche medizinische Untersuchung an, sondern auch auf eine enge Kommunikation und schnelle Abstimmung aller Beteiligten“, erklärt Prof. Dr. Felicitas Eckoldt, Direktorin der Klinik für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Jena, wo die Thüringer Kinderschutzambulanz angesiedelt ist.

„Zwischen Amt und Arzt“

Genau um diese Abstimmung zwischen „Amt und Arzt“ kümmert sich seit Anfang 2013 Raphaela Oetter. Die Soziologin ist Koordinatorin der Thüringer Kinderschutzambulanz. Ihre Hauptaufgabe ist es, das bestehende Netz der Professionen noch enger zu verknüpfen: „Neben der ärztlichen Untersuchung kommt dem Blick auf das soziale Umfeld der Familie eine besondere Bedeutung zu. Wichtig ist, es die verschiedenen Ergebnisse zusammenzuführen, mögliche Fragen schnell zu beantworten und somit situationsadäquat und angemessen auf die vorgefundene Situation reagieren zu können.“ Sie hält den Kontakt zwischen Ambulanz, Jugendämtern, Jugendhilfeeinrichtungen und ggf. auch der Polizei. Und sie kann bei Bedarf auch ohne Umwege die weiteren Einrichtungen des UKJ aktivieren, die Teil der Thüringer Kinderschutzambulanz sind. Dazu zählen die Rechtsmedizin, die Kinderradiologie, die Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Kinder- und Jugendmedizin und natürlich die Kinderchirurgie des UKJ. Die Arbeit von Raphaela Oetter ist zudem Teil eines Modellprojektes zu engeren Vernetzung beim Kinderschutz und wird vom Thüringer Gesundheitsministerium gefördert.

Prof. Felicitas Eckoldt geht daher davon aus, dass in den kommenden Jahren die Anzahl der Beratungsgespräche der Thüringer Kinderschutzambulanz am UKJ ansteigen wird. Keineswegs würde dies jedoch einen Anstieg von Kindeswohlgefährdungen oder sexuellem Missbrauch bedeuten, betont sie mit Nachdruck und warnt vor schnellen Trugschlüssen. Denn: „In den meisten Fällen kann durch eine Untersuchung der Kinderschutzambulanz ein Verdacht nicht unbedingt erhärtet oder bewiesen werden. Die Mehrzahl der Fälle befindet sich daher in einem Graubereich“, so Prof. Eckoldt. Wird bei einem vorgestellten Kind allerdings eine Kindeswohlgefährdung durch Vernachlässigung, Misshandlung oder Missbrauch festgestellt, werden entsprechende Schritte, gegebenenfalls bis hin zur Anzeige bei der Polizei, eingeleitet.

Die Thüringer Kinderschutzambulanz berät dabei nicht nur Jugendämter, sondern auch Einrichtungen der Jugendhilfe, Ärzte, Pflegepersonal oder Privatpersonen. Auch Fortbildungen für viele mit dem Kinder- und Jugendschutz betraute Personen (Lehrer, Sozialarbeiter, Hebammen, Schulpsychologen u.a.) werden angeboten.

Kontakt:
Universitätsklinikum Jena
Thüringer Ambulanz für Kinderschutz
TAKS-Koordinatorin Raphaela Oetter
Tel.: 03641 9-322716
Raphaela.Oetter@med.uni-jena.de

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