Therapie am Waldrand: Einweihung der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

„Wir knüpfen heute nahtlos an die nahezu problemlose Bau- und Umzugsphase sowie die ersten Arbeitswochen seit der Inbetriebnahme am 10. September an“, zeigte sich Professor Gündel nicht nur mit seinem Team zufrieden, sondern auch mit den am Projekt beteiligten Firmen und Ämtern. Er fügte hinzu: „Viele Gäste haben ihr Lob über die auch auf den zweiten Blick klare und lichte Architektonik und das besondere Ambiente zum Ausdruck gebracht.“

Was ist typisch für eine Klinik? Woran denkt der Außenstehende zuerst? Wuselnde Krankenschwestern auf langen Fluren? Von kaltem Neonlicht erleuchtete und mit grünen Kacheln verzierte Gipsräume? Ganz in Weiß gekleidete Ärzte, die in Mannschaftsstärke auf Visite-Tour sind? Den kaum zu ignorierenden Geruch eines frisch gereinigten Linoleumbodens?
All das – und davon konnten sich die Gäste während verschiedener Führungen durch den Neubau überzeugen – „bietet“ die neue Klinik nicht. Direkt am Waldrand auf dem Oberen Eselsberg gelegen, in unmittelbarer Nähe zur Inneren Medizin und Chirurgie sowie Dermatologie, vereinigt sie vielmehr auf rund 1.900 Quadratmetern die auf die Krankheitsbilder der Patientinnen und Patienten abgestimmte Ruhe und Abgeschirmtheit mit unaufdringlicher und gleichzeitig zeitgemäßer Funktionalität. Zu letzterer gehören – neben Ambulanzen, Konsil-/Liaisondienst und vier störungsorientierten tagesklinisch-stationären Behandlungeneinheiten, ein Speisesaal und verschiedene Räume für Kunst-, Musik-, Körper- und Bewegungstherapie sowie auch ein großzügiger Patientenaufenthaltsraum mit Wohnzimmeratmosphäre und Internetanschluss.
Hinzu kommen die Arbeiten von renommierten Ulmer Künstlern (Michael Danner, Prof. Martin Krampen, Frank Hempel), die den eigenständigen Charakter des Gebäudes noch weiter unterstreichen.

„Die Fertigstellung der Klinik bedeutet einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg hin zu einer umfassenden Fächerkonzentration auf dem Oberen Eselsberg“, unterstrich Prof. Dr. Reinhard Marre, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Ulm, in seiner Rede den Stellenwert des Neubauprojektes für die Ulmer Universitätsmedizin. Man habe zudem schon vor Jahren erkannt, dass die integrierte stationäre und ambulante Versorgung von Patienten mit seelischen und körperlichen Belastungen immer wichtiger wird. „Dem tragen wir im Sinne unserer Patienten nun Rechnung.“

Professor Gündel wies in seinen Ausführungen zur historischen Entwicklung von Psychosomatik und Psychotherapie in der Ulmer Universitätsmedizin darauf hin, „dass mit dem Standort Oberer Eselsberg an die Anfänge der Psychosomatischen Medizin in Ulm angeknüpft wird, die sich unter Leitung von Prof. Thure von Uexküll von Beginn an mit der nicht selten engen Wechselwirkung zwischen seelischen und körperlichen sowie medizinischen und gesellschaftlichen Einflüssen beschäftigte“.

Auf den Rundgängen erfuhren die Gäste von Prof. Dr. Jörn von Wietersheim, Leiter der Ambulanz, dass die Klinik ein in Ulm und der Region beispielloses Spektrum bietet. Depressionen, Angsterkrankungen, berufsbezogene psychosomatische Beschwerden und strukturelle Persönlichkeitsfehlentwicklungen werden beispielsweise behandelt. Das ambulante Angebot reicht von der Psychosomatischen Betriebssprechstunde über die Allgemeine Psychosomatische Ambulanz bis hin zur Internistisch-Psychosomatischen Ambulanz, die sich unter anderem mit der Psychokardiologie, der Psychogastroenterologie und Patienten mit chronischen Schmerzen befasst. Abrundend kommt die Konsil- und Liaisonpsychosomatik hinzu, die auch die ambulante psychoonkologische Behandlung umfasst.

Im Laufe der vergangenen Wochen haben Patienten und Mitarbeiter den Klinikneubau bezogen und die neuen, störungsorientierten Settings etabliert. „Wir freuen uns sehr, für die psycho- und kreativtherapeutisch intensive Arbeit jetzt einen auch äußerlich stabilen, ansprechenden und durch künstlerische Kreativität mitgeprägten Rahmen gefunden zu haben“, so der Ärztliche Direktor abschließend.
Sowohl das Gebäude selbst als auch der Standort inmitten des universitären Campus geben zusätzliche Impulse für die Verwirklichung neuer, fachübergreifender Ideen in der Krankenversorgung, Lehre und Wissenschaft.

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