Themenabend an der FH JOANNEUM: Wie kann nachhaltige Ernährung gelingen?

Lassen sich beim Thema Ernährung gesundheitliche, ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte überhaupt vereinen? Wie könnte „richtige“ Ernährung im Jahr 2030 aussehen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Themenabend „Sustainable Foodure – unser Essen in Beziehung“, der am 10. Dezember 2013 im Audimax der FH JOANNEUM in Graz mit über 200 interessierten Gästen stattfand. Die Veranstaltung wurde von Studierenden des Studiengangs „Nachhaltiges Lebensmittelmanagement“ und SchülerInnen der HLW Weiz im Rahmen der „Dennis Meadow Future Lectures“-Reihe des Lebensministeriums organisiert. In dieser Veranstaltungsreihe sind auch die Universität für Bodenkultur und die Wirtschaftsuniversität Wien mit eigenen Schwerpunkten vertreten. „Der Abend soll Denkanstöße geben, wie ein nachhaltigeres Einkaufs- und Ernährungsverhalten gelingen könnte“, erklärten die Studierenden der FH JOANNEUM. Solche Denkanstöße lieferten die geladenen Expertinnen und Experten in ihren Kurzvorträgen aus ganz unterschiedlicher Perspektive: Umwelt- und tierethische Fragen wurden genauso diskutiert wie Erkenntnisse der Lebensmittelchemie oder das Potenzial von Insekten als möglicher Fleischersatz.

Ernährungsgewohnheiten: Auswirkungen auf die Gesundheit, aber auch auf die Umwelt
Professor Kurt Remele, Institut für Ethik und Gesellschaftslehre an der Karl-Franzens-Universität Graz, thematisierte die ökologischen, aber auch tierethischen Probleme der Viehzucht. Er erklärte: „Wegen der massiven ökologischen Schäden, die das Essen von Tieren in einer Zeit industrieller Massentierhaltung zur Folge hat, ist es aus ethischer Sicht angeraten, keine Tiere zu essen. Dazu kommen tierethische Argumente: Neuere verhaltens- und neurobiologische sowie ernährungsmedizinische Erkenntnisse zeigen, dass sogenannte ‚Nutztiere‘ Schmerz und Leid empfinden.“ Daniela Grach, Lehrende am Institut „Diätologie“ der FH JOANNEUM verwies ebenfalls auf die mehrfachen Auswirkungen unserer Essgewohnheiten und empfahl: „Eine Ernährungsweise mit mehr pflanzlichen und weniger tierischen Lebensmitteln, unter Berücksichtigung saisonaler, regionaler und biologisch erzeugter Produkte, unterstützt die Gesundheit, schont Umwelt sowie Klima und leistet einen Beitrag zu einer fairen Verteilung weltweit.“

Beschränkte Bioressourcen und „gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft“
Ulli und Scott Klein von der „Kleinen Farm“, ein Bio-Hof in der Südsteiermark, stellten ihr Landwirtschafts-Konzept vor: „Jedes Stück Essen erzählt eine Geschichte, die die Menschen mit dessen Herkunft in Beziehung setzt. Mit der gemeinschaftsgetragenen Landwirtschaft wollen wir diese Geschichte wieder von Anfang bis Ende kultivieren und weitergeben.“ Professor Michael Narodoslawsky, Institut für Prozess- und Partikeltechnik der TU Graz, thematisierte in seinem Vortrag die begrenzten Bioressourcen, um die nicht nur der Nahrungsmittelsektor, sondern auch der Energiesektor und die Chemische Industrie konkurrieren. „Wir müssen lernen, mit ‚beschränkter Unendlichkeit‘ umzugehen. Die sinnvolle und nachhaltige Nutzung der Basisressource fruchtbares Land ist entscheidend für eine Gesellschaft auf dem Weg zur Nachhaltigkeit“, so Narodoslawsky.

Studiengangsleiter Johannes Haas: „Hinaus aus dem Elfenbeinturm, hinein in die Welt“
„I prepare for the worst and hope for the best“: Mit diesen Worten hatte sich Schirmherr Dennis Meadows, Autor des Berichts „Grenzen des Wachstums“ an den Club of Rome, nach dem Startworkshop am 21. Oktober 2013 von den Studierenden und Lehrenden der drei „Future Lectures“-Hochschulen verabschiedet. Damit drückt der Wissenschaftler Skepsis bezüglich einer gesellschaftlichen Trendwende aus, aber auch sein Vertrauen in das Interesse und die Kreativität der nächsten Generationen. Johannes Haas, Leiter des Studiengangs „Nachhaltiges Lebensmittelmanagement“ an der FH JOANNEUM, übersetzt diese Botschaft in einen Auftrag an die Hochschulen: „Dennis Meadows hat uns gezeigt, dass es keine nachhaltigen Produkte oder Technologien gibt. Nachhaltigkeit entsteht dort, wo wir nicht mehr nur KonsumentInnen oder ProduzentInnen sind, sondern uns auf eine vertrauensvolle Beziehung einlassen und gemeinsam neue Entwicklungen erproben und einleiten“, so Haas, und weiter: „So verstehen wir auch unsere Aufgabe in der akademischen Lehre und Forschung im Geist der Nachhaltigkeit: Hinaus aus dem Elfenbeinturm, hinein in die Welt.“

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