Tagung bündelt Aspekte eines zeitgemäßen Krankenhausbaus

Wie sollten Krankenhäuser gebaut sein, um den Heilungsprozess der Patienten zu unterstützen und dem Personal ein sicheres, attraktives Arbeitsumfeld zu bieten? „Tragfähige Antworten auf diese Frage können nur durch eine effektive Zusammenarbeit von Architekten, Ingenieuren, Klinikern, Umweltmedizinern und Hygienikern gefunden werden“, betont Prof. Ulrich Vogel. Vor diesem Hintergrund organisierte der Leiter der Stabsstelle Krankenhaushygiene des Uniklinikums Würzburg (UKW) zusammen mit Prof. Christiane Höller vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL, Oberschleißheim) die eintägige Tagung „Bauen in medizinischen Einrichtungen – eine interdisziplinäre Herausforderung“, die Ende September 2016 am UKW stattfand.
Mit rund 270 Teilnehmerinnen und Teilnehmer war der Hörsaal des Zentrums für Operative Medizin voll besetzt. Nach der Begrüßung durch Ruth Nowak, der Amtschefin des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, und der Einführung durch Prof. Georg Ertl, den Ärztlichen Direktors des UKW, verfolgten die Gäste interessiert die Ausführungen der Fachreferenten. Ein Grund für das große Interesse und den hohen Zuspruch ist sicherlich die komplexe und teilweise auch unvollständige Empfehlungslage insbesondere bei hygienischen Aspekten des Bauens, die Günter Leimberger, der Pflegedirektor des UKW in seinem Vortrag darstellte/hervorhob.

Die menschliche Dimension berücksichtigen

Laut Prof. Christine Nickl-Weller vom Institut für Architektur der Technischen Universität Berlin geraten Krankenhäuser durch technische, gesellschaftliche und wissenschaftliche Entwicklungen immer mehr zu Allround-Anbietern von Gesundheitsleistungen – komplettiert durch Gastronomie und Hotellerie. Die Architekturbüros müssten auf diese Herausforderungen reagieren, ohne die menschliche Dimension zu vernachlässigen. Bei ihrem Vortrag in Würzburg zeigte Prof. Nickl-Weller anhand von zehn Thesen Lösungsvorschläge für eine zukunftsfähige Krankenhausarchitektur auf und illustrierte diese mit mustergültigen Bauten. „Beispielsweise eignen sich Foyers und Treppenhäuser besonders, um als soziale Räume über das reine Krankenhaus hinaus genutzt zu werden“, beschrieb die Architektin. Als gelungenes Beispiel hierfür stellte sie das neue Mutter-Kind- und OP-Zentrum im Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien/Österreich vor, bei dem gerade diese „Zwischenräume“ konsequent als lichte, freundliche Aufenthaltsorte gestaltet wurden.

Hygiene auch bei Baumaßnahmen im laufenden Betrieb aufrechterhalten

Klaus Beekmann, Bereichsleiter Facilities Management beim Kommunalunternehmen Klinikum Augsburg, berichtete bei der Würzburger Tagung, dass das im Jahr 1980 in Betrieb genommene Klinikum Augsburg derzeit vor einer Generalsanierung steht, die unter laufendem Betrieb stattfinden soll. „Infolgedessen ist die Hygiene mit diversen Problemen konfrontiert, wie zum Beispiel die Behinderung von Betriebsabläufen bei der Versorgung der Patienten, neuen Wegeführungen sowie erhöhten Infektionsrisiken durch Schimmelpilze“, erläuterte Dr. Monika Schulze, als Leiterin Hygiene und Umweltmedizin des Klinikums Augsburg Co-Referentin des Vortrags. Um eine Gefährdung für Patienten und Personal auszuschließen, sei eine strikte Organisation der Baustellenbetreuung in Zusammenarbeit von Technik und Hygiene erforderlich. „Deshalb arbeiten wir von der Planung bis zur Bauabnahme mit klaren Informationsstrukturen und Zuständigkeiten“, schilderte Dr. Schulze.
„Probebauen“ kann bei kleineren Bauvorhaben helfen, optimale Lösungen unter Einbeziehung von Mitarbeitern zu finden. Dr. Lorenz Frey von der Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums München belegte dies in seinem Vortrag eindrucksvoll anhand der Realisierung einer Intensivstation in München. Auch am Uniklinikum Würzburg wurde das Probebauen von zwei Nasszellen in Bereichen mit extrem abwehrgeschwächten Patienten genutzt, um Materialien und Einrichtungsgegenstände im laufenden Betrieb zu testen. „Die gewonnenen Erkenntnisse fließen nun in die Nasszellsanierung einer Station ein“, berichtete Prof. Vogel.

Lärm und Licht als Stressfaktoren auf Intensivstationen

„Bauliche Strukturen, die an die Patientenperspektive und die medizinischen Erfordernisse der Intensivmedizin angepasst sind, können den Heilungsprozess auf Intensivstationen maßgeblich beeinflussen“, ist sich Prof. Maria Deja sicher. So lassen sich laut der Leiterin der operativen Intensivmedizin am Campus Benjamin Franklin der Charité in Berlin durch eine „Healing environment“ Stressoren deutlich reduzieren. „Der größte Störfaktor auf Intensivstationen ist Lärm, der zum Verlust des Tag-Nacht-Rhythmus‘ führt. Hier können unter anderem automatisch geschlossene Türen zum öffentlichen Bereich der Stationen und davon separate Zugangsmöglichkeit zum Patientenzimmer für mehr Ruhe sorgen”, erläuterte die Referentin. Weiterhin sei es möglich, durch eine spezielle Deckenbeleuchtung dem Verlust des Tag-Nacht-Rhythmus‘ für Intensivpatienten vorzubeugen.

Umweltschutz kontra Hygiene?

Krankenhäuser sind hochtechnisierte, energieintensive Bauten. Allein die Raumlufttechnik von Einrichtungen für das Operieren, deren revidierte technischen Regelwerke Privatdozent Dr. Frank Albert Pitten vom Gießener Institut für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle auf der Tagung vollstellte, ist für einen erheblichen Energieverbrauch verantwortlich. Unter dem Prinzip „Green Hospital“ versucht man nun, Krankenhäuser möglichst ökologisch, nachhaltig sowie umweltressourcensparend zu errichten und zu betreiben. „Bei diesen an sich sehr begrüßenswerten Bestrebungen darf jedoch nicht vergessen werden, dass manche Maßnahmen auch unerwünschte Nebenwirkungen haben können“, merkte Prof. Christiane Höller an und beschrieb in ihrem Vortrag einige Gefährdungspunkte. Um zum Beispiel Energie zu sparen, wird laut der Referentin auch im Krankenhausbetrieb derzeit oft überlegt, die Warmwassertemperatur zu senken. „Dies birgt die Gefahr der Legionellenvermehrung in der Hausinstallation und damit eine Gesundheitsgefährdung für Patienten und Personal“, warnte die Leiterin des Sachgebiets Hygiene am Bayerischen LGL.

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