Tagaktive Gelsenart erobert neue Gebiete in Österreich

Bis vor wenigen Jahren war die Asiatische Buschmücke, Aedes japonicus, noch nicht in Europa zu finden. Nun breitet sie sich in einigen Ländern Europas, wie der Schweiz, Deutschland und in Österreich immer weiter aus. Von einem exotischen Gast kann man nicht mehr sprechen.

Tagaktiv und fortpflanzungsfreudig

Die Buschmücke ist dazu fähig sich massenhaft zu vermehren. Das unterstützt ihr bislang unkontrolliertes Vordringen. Für die Menschen in den betroffenen Gebieten bedeutet das dagegen einen großen Mückenschwarm, der gleich mehrmals zusticht.
Dazu kommen zwei weitere unangenehme Eigenschaften. Die Buschmücke ist wie Überschwemmungs-Gelsen tagaktiv und tritt auch nicht erst im Sommer auf. In der Studie war sie von Anfang März bis Ende November aktiv. Damit verbindet die Buschmücke Verhaltensweisen von Hochwasser- und Hausgelsen.

Vormarsch in Österreich, Ungarn und Norditalien

In Österreich wurde die Asiatische Buschmücke erstmals im Jahr 2011 in der Grenzregion Südsteiermark und Slowenien nachgewiesen. Die invasive Insektenart hat sich inzwischen in Süd-, Südost- und Westösterreich etabliert. Das belegen regelmäßige Nachweise in diesen Gebieten. Und die Buschmücke dringt ständig in neue Gebiete vor. Von Kärnten gelangte sie vor kurzem nach Norditalien. Davor breitete sie sich über die Oststeiermark in das Südburgenland nach Ungarn aus, wo sie inzwischen den Plattensee erreicht hat.

Gelsenüberwachung zeigt auch isoliertes Auftreten

Nach Europa wurden die Buschmücken vermutlich in importierten Autoreifen eingeschleppt. „Wasserlacken in den Reifen bieten ausgezeichnete Brutbedingungen für diese Stechmückenart“, erklärt Norbert Nowotny von der Vetmeduni Vienna. Deshalb hat sich die Buschmücke nicht nur über das Inland ausgebreitet und kann fallweise isoliert auftreten. Vorarlberg hat die Buschmücke über die Schweiz erreicht. In Tirol wurde dagegen vor kurzem nur eine einzige, isolierte Population in Kufstein entdeckt.

Klimarobustheit hilft der Buschmücke

Die Verbreitung der Asiatischen Buschmücke wird teilweise durch ein nationales Programm für Gelsenüberwachung erfasst. Daran beteiligt sind neben Nowotny, vor allem Erstautor Bernhard Seidel, als Leiter eines Technischen Büros für Ökologie, und die Agentur für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (AGES) unter Franz Allerberger.
Der Vormarsch der Buschmücke wird vor allem durch ihre Robustheit unterstützt. Sie ist nicht von Klimaveränderungen in den neuen Siedlungsgebieten abhängig. Die Buschmücke ist in ihrer ursprünglichen fernöstlichen Heimat an kühlere Gebiete angepasst. Deshalb kann sie auch in den nördlichen Breiten anderer Kontinente überleben. Die Buschmücke ist genauso an natürliche Lebensräume wie Gebirgsregionen wie an die Infrastruktur menschlicher Siedlungen angepasst.

Quälgeist aber selten Krankheitsüberträger

„Das unangenehme Insekt ist nur bedingt als Überträgerin von Krankheiten eingestuft. Ausschließen kann man eine Übertragung von West Nil-, oder Dengue Viren jedoch nicht.“ sagt Norbert Nowotny. Die Gelsen werden daher auch auf Krankheitserreger untersucht, die für Menschen und Tiere bedeutsam sind.
Die Ausbreitung der Buschmücke muss genau dokumentiert werden. Hilfreich ist dabei die bisher effektive Zusammenarbeit von ExpertInnen mehrerer Mitteleuropäischer Länder. Im Mai 2016 zeigte sich die Asiatische Buchmücke erstmals nahe Wiener Neustadt. Die Experten fordern daher seit Studienbeginn eine gut überlegte, nachhaltige Kontrolle der bisher ungehinderten Ausbreitung dieser Art. Andernfalls wird sich die Buschmücke weiter in Österreich ausbreiten und in Kürze auch Wien erreichen.

Service:
Der Artikel „First record of the Asian bush mosquito, Aedes japonicus japonicus, in Italy: invasion from an established Austrian population“ von Bernhard Seidel, Fabrizio Montarsi, Hartwig P. Huemer, Alexander Indra, Gioia Capelli, Franz Allerberger und Norbert Nowotny wurde im Journal Parasites & Vectors publiziert.

Der Artikel „Spread of Aedes japonicus japonicus (Theobald, 1901) in Austria, 2011–2015, and first records of the subspecies for Hungary, 2012, and the principality of Liechtenstein, 2015“ von Bernhard Seidel, Norbert Nowotny, Tamás Bakonyi, Franz Allerberger und Francis Schaffner wurde im Journal Parasites & Vectors publiziert.

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna.

Wissenschaftlicher Kontakt:
Ao.Univ.-Prof. Dr.phil. Norbert Nowotny
Institut für Virologie
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-2704

Aussender:
Mag.rer.nat. Georg Mair
Wissenschaftskommunikation / Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1165

Scroll to Top