Tag des Autismus: Pädagogin forscht zu Therapie mit Hunden

Eine Form der Autismus-Spektrums-Störung (ASS) ist der frühkindliche Autismus, der neben extremer Abkapslung von der Umwelt und ängstlichem Festhalten am Gewohnten von Sprachauffälligkeiten geprägt ist. Sie treten vor allem auf, weil Menschen mit ASS Sprache nicht kommunikativ sondern in mechanischer Weise verwenden. „Der wesentliche Zweck einer Therapie ist daher die Vermittlung der Funktion von Kommunikation als Werkzeug, um Ziele zu erreichen. Die Entwicklung verbaler Kompetenzen nimmt eher eine zweitrangige Stellung ein“, meint Schwartze. Unter dieser Perspektive scheint der Einbezug eines ausgebildeten Begleithundes in die therapeutische Arbeit sinnvoll, um die kommunikativen Kompetenzen vor allem bei frühkindlichem Autismus zu fördern.

Der Ausgangspunkt liegt in der Mensch-Hund-Beziehung: Einem Hund nah zu sein, ihn zu fühlen, sich letztlich um ihn zu kümmern und Freude mit ihm zu teilen, kann ein wichtiger Entwicklungsschritt für die kommunikativen, aber auch soziale Fähigkeiten der Kinder bedeuten. Weil ASS zu den bekanntesten und am besten untersuchten tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gehört, werde häufig über Erfolge bei der Förderung und Therapie von Menschen mit dieser Störung berichtet, sagt die Pädagogin. „Aber es mangelt leider noch immer an einer wissenschaftlichen Aufarbeitung“, erklärt sie ihre Motivation zu dem Projekt. „Ich möchte versuchen, diese unbefriedigende Situation im Rahmen meiner Promotion zu ändern.“

Von den etwa 80 Millionen Einwohnern Deutschlands sind mindestens 40.000 Autisten. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen meist die bemerkenswerten Fähigkeiten, die sogenannten Inselbegabungen, wie ein außergewöhnliches Erinnerungsvermögen. Obwohl nur einige Menschen mit ASS über solche Eigenschaften verfügen, finden sie viel mehr Beachtung als andere Aspekte der Störung. „Dabei ist das autistische Spektrum sehr heterogen“, erklärt Schwartze.
„Es gibt nicht ‚den‘ Autisten.“

Beeinträchtigungen bestehen zum Beispiel in der Kommunikation, bei sozialen Beziehungen und eingeschränkten Interessen. Bei 90 Prozent der Menschen mit ASS lassen sich sensorische Auffälligkeiten beobachten und mehr als 60 Prozent sind stets auf fremde Hilfe angewiesen. Prognosen über die Entwicklung zu treffen ist schwierig, denn auch die Entwicklung ist sehr unterschiedlich und hängt vor allem von der Unterstützung des Umfelds sowie Integrations- und Fördermöglichkeiten ab.

Anne Ploetz

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Weitere Informationen:
Wiebke Schwartze
Institut für Förderpädagogik
Telefon: 0341- 6879876
E-Mail: wiebke.schwartze@gmx.de

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