Tag der Pflegenden: Diabetes wird Altenheime und Kliniken vor große Herausforderung stellen

Derzeit leidet bereits jeder Vierte, der in einem Pflegeheim lebt, unter Diabetes mellitus – insgesamt sind schätzungsweise 500.000 Menschen derart betroffen. Die Tendenz ist stark steigend und daher alarmierend. „Wir müssen davon ausgehen, dass jedes Jahr in Deutschland 270.000 weitere Menschen in der älteren deutschen Bevölkerung neu an Diabetes Typ 2 erkranken“, so DDG Präsident Professor Dr. med. Baptist Gallwitz. „Sie stellen perspektivisch das Pflegepersonal in Kliniken wie in Altenheimen vor vollkommen neue Herausforderungen, die spezielles Wissen erfordern.“

Das beginnt in Pflegeeinrichtungen schon beim Therapieschema. Generell sind für die Gruppe der älteren Diabetespatienten einfache und sichere Behandlungsmuster besonders geeignet. „Übersichtlichkeit minimiert die Gefahr von Therapiefehlern, vor allem bei dementen Patienten“, erläutert Gallwitz. Darüber hinaus ist die Vermeidung von Unterzuckerungen oberstes Therapieziel in Altenheimen, andernfalls drohen gefährliche Stürze, Herzrhythmusstörungen und das Fortschreiten einer Demenz. „Das Pflegepersonal sollte in der Lage sein, Warnzeichen für Unterzuckerungen schnell zu erkennen“, so Gallwitz. Zittern, Schwitzen, Herzrasen oder innere Unruhe sind solche Signale, aber auch Wesensveränderungen, die von der Umgebung als absonderlich wahrgenommen werden. „All diese Inhalte sind Bestandteil der Weiterbildung zur Diabetes-Pflegefachkraft DDG, ebenso wie der Umgang mit verzögerter Wundheilung, die typisch für ältere Patienten ist“, berichtet Gallwitz. Die Weiterbildung zur „Diabetes-Pflegefachkraft DDG Langzeit“ steht examinierten Pflegekräften in ambulanten Pflegediensten, Alten- und Pflegeheimen offen.

Spezialkenntnisse aus der Diabetologie sind aber auch in Kliniken immer stärker gefragt. Grund: Jährlich lassen sich etwa zwei Millionen Menschen wegen anderer Krankheiten im Krankenhaus behandeln, die aber auch an einem Diabetes leiden – viele von ihnen, ohne davon zu wissen. „Doch egal, ob der Diabetes bekannt ist oder nicht, die Stoffwechselstörung kann den Verlauf anderer Erkrankungen gravierend beeinflussen“, betont Gallwitz. So müssen Ärzte und Pflegepersonal etwa diabetesbedingte Folgeerkrankungen wie Nierenschwäche und Nervenerkrankungen im Blick behalten, einen zeitweiligen Verzicht auf Nahrung vor einem Eingriff einplanen oder untypische Symptome beispielsweise bei einer Herzerkrankung kennen. „Dies geschieht bisher leider nicht in ausreichendem Maße“, bedauert Gallwitz. Mit der Folge, dass Patienten, die an Diabetes mellitus leiden und sich einer Operation unterziehen, zwei bis fünf Tage länger im Krankenhaus liegen als der Durchschnitt.

Abhilfe schaffen will die Weiterbildung zur Diabetes-Pflegefachkraft DDG (Klinik), die sich an examinierte Pflegekräfte in Kliniken und Reha-Einrichtungen wendet. „Diese Zusatzqualifikation zielt darauf ab, die verschiedenen Lücken im stationären Prozess, in der Pflegeüberleitung und im Entlassmanagement zu schließen, die bei der Behandlung von Diabetespatienten entstehen können“, erläutert Gallwitz. „Das bedeutet, die medizinische Versorgungsqualität und Patientensicherheit deutlich zu verbessern, diabetesbedingte Notfallsituationen zu verringern und am Ende des Tages auch mehr Wirtschaftlichkeit herzustellen.“

Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft:
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit fast 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

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