Tag der Ozeane: kein guter Tag für Schweinswale

(pur). Am 8. Juni wurde der „World Ocean Day“, der Tag der Ozeane, begangen. Sollten wir Menschen nicht wenigstens darüber nachdenken, was wir den Ozeanen antun, die immerhin über 70% unserer Erde ausmachen? Längst sind die Meere überfischt, zu Müllkippen und Wasserstraßen verkommen und durch Klimawandel, Überdüngung, sowie durch chemische und akustische Verschmutzung bedroht. Wie Hochrechnungen ergeben haben, hat der Mensch von den großen Walen über 90% ihres ursprünglichen Bestands abgeschossen. Nur ganz allmählich können sich einige ein wenig erholen.
Grund zu besonderer Sorge bereitet auch nach wie vor der Schweinswal in der Ostsee. Der nur rund 1,60 Meter lange Meeressäuger ist besonders in der Ostsee mehr und mehr vom Aussterben bedroht. Wie das Kleinwale-Abkommen ASCOBANS schon vor zehn Jahre herausgearbeitet hat, leidet Phocoena phocoena besonders unter anthropogenen -von Menschen gemachten – Problemen. Nach wie vor an erster Stelle steht die Fischerei, der noch immer viel zu viele Schweinswale versehentlich in die Netze gehen – und sterben. Weiterhin haben die sensiblen Tiere zunehmend auch unter akustischer Umweltverschmutzung, wie sie bei der Suche nach Erdöl, Sand- und Kiesabau, durch die Sprengung von Kriegsaltlasten oder durch Rammarbeiten bei der Installation von Windparks entsteht. Die Liste der Todesursachen ist lang, und Besserung scheint nicht in Sicht.

So wurden im Jahr 2011 allein an den deutschen Stränden der Ostsee 107 tote Schweinswale gefunden: 35 in Mecklenburg-Vorpommern und 72 in Schleswig-Holstein. Nach Hochrechnungen gehen davon mindestens 50% auf das Konto „Beifang“. Eine so hohe Todesrate kann der Bestand auf keinen Fall verkraften.
Dramatisch ist der negative Trend schon länger in der Zentralen Ostsee (östlich von Rügen), wo es nur noch 100 bis 400 Tiere gibt. Wie neuere Untersuchungen dänischer Biologen im vergangenen Jahr veröffentlichten, kommen Alarmsignale jetzt auch aus der „Beltsee“ (Kattegat, Belte, Sund und Westliche Ostsee), wo der kleine Wal bislang noch relativ häufig – auch lebend – gesichtet wurde. So im Kleinen Belt, der ein „hotspot“ ist. Die Forschungsergebnisse von Dr. Signe Sveegaard und ihrer Arbeitsgruppe zeigen, dass die Beltsee-Population in den Jahren zwischen 1994 – 2005 einen Bestandseinbruch von 27.800 auf 10.900 Tiere erfahren hat. Das entspricht einer Abnahme von über 60% – in nur elf Jahren!

Als Basis für die Untersuchungen dienten internationale Zählungen im Rahmen von „SCANS I“ und „SCANS II“ (Small Cetaceans in the European Atlantic and North Sea; incl. westliche Ostsee), die Sveegaard für ihre Promotion erneut unter die Lupe genommen hatte. Danach geht es auch dem Schweinswal zwischen Rügen und Flensburg schlecht. Der einzige Wal der Ostsee könnte bald aussterben, wenn die Mitgliedsstaaten von ASCOBANS die von ihnen erarbeiteten Schutzbestimmungen nicht endlich ernst nehmen – und umsetzen.

Wertvolle Daten lebender und toter Meeressäugetiere sammelt das von der GSM (Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere e.V.) bereits 2002 initiierte Projekt „Wassersportler sichten Schweinswale“, das vom Deutschen Meeresmuseum (http://www.meeresmuseum.de) übernommen wurde.

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