Tag der offenen Tür an der DSMZ

Bei der DSMZ können vier verschiedene Führungen besucht werden:

Um 11:30 Uhr erklärt Dr. Christine Rohde mit welchen Viren die Wissenschaft Bakterien bekämpft. Denn Krankheitserreger werden zunehmend unempfindlich gegen Antibiotika. Aber wenn kein Antibiotikum mehr gegen multiresistente Keime wirkt, gibt es noch eine allerletzte Waffe im Kampf gegen den Erreger. Bestimmte Viren, die sogenannten Bakteriophagen (dt. Bakterienfresser) können die Infektion oft noch bekämpfen. Sie befallen die krankmachenden Bakterien, vermehren sich in ihrem Inneren, zersetzen sie schließlich und lösen sie auf. Ihr unschätzbarer Vorteil: sie wirken sehr spezifisch auf eine einzelne Bakterienart und haben deshalb kaum Nebenwirkungen für den menschlichen Organismus.

Mit Dr. Martin Schumacher und Dr. Elke Heine-Dobbernack können um 12:30 Uhr die pflanzlichen Zellkulturen besucht werden. Über 700 Pflanzen leben in den DSMZ-Laboren auf einem einzigen Kubikmeter. Wir zeigen Ihnen, welche große Bedeutung diese Zelllinien für Akademie und Landwirtschaft, aber z.B. auch die Krebsforschung haben.
Pflanzenzellen lassen sich aufgrund ihres hohen Wassergehaltes nur schlecht durch normales Einfrieren konservieren – ein Phänomen, das jeder von z.B. tiefgekühlten Erdbeeren kennt. Unseren Wissenschaftlern ist es trotzdem gelungen, Mittel und Wege zu entwickeln, mit denen pflanzliche Zellkulturen langfristig haltbar und stabil lagerfähig gemacht werden können. Seien Sie gespannt, wie viel intensive Forschungsarbeit in unsere kleinen Geheimnissen steckt!

Um 14:30 Uhr informiert Dr. Brian Tindall über die extremsten Lebensformen – bakterienähnliche Lebewesen, die hohen Druck, Säure oder Temperaturen oberhalb von 100°C lieben. Tindalls Spezialgebiet sind die sogenannten Archaeen. Sie sind keine echten Bakterien: die Struktur ihrer Zellwand und der Aufbau ihrer Gene machen sie zu einer Ausnahme, die sie zwischen Bakterien und höhere Lebewesen stellt. Hier finden sich wahre Lebenskünstler – unter Bedingungen, die uns „Säugetiere“ das Fürchten lehren.

Um 15:30 Uhr erläutert Dr. Johannes Sikorski, wie und warum neu entdeckte Bakterien einen Namen erhalten. Wie können Wissenschaftler entscheiden, wie ein Bakterium heißt? Wie finden sie etwas über die verwandtschaftlichen Verhältnisse von Mikroorganismen heraus? Und wie unterscheiden sie all die Bakterienstämme im Labor? Im Gegensatz zur Artbestimmung von höheren Lebewesen ist die Taxonomie der Bakterien eine sehr junge Disziplin. Sikorski verdeutlicht, wie die Artbildung und Artbestimmung von Bakterien funktioniert.

Über die DSMZ
Die DSMZ ist eine "Kulturensammlung" – hier hinterlegen Forscher biologisches Material, wie z.B. völlig neu entdeckte Bakterien oder tierische Zelllinien, die dazu beitragen, viele Tierversuche zu ersetzen. Außerdem sammelt die DSMZ pflanzliche Zellkulturen und Pflanzenviren und dient als Hinterlegungsstelle für biologische Patente. Die Erforschung der Biodiversität stellt den zweiten Arbeitsschwerpunkt der DSMZ dar.
(idw, 05/2010)

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