Tag der Immunologie: Gesundheitsforschung muss Mensch, Tier und Umwelt einschließen

Die Funktionstüchtigkeit des Immunsystems steht im Mittelpunkt der immunologischen Forschung – und das gleichermaßen bei Menschen, Nutz- und Wildtieren. Forscher der Universität Hohenheim sehen die Notwendigkeit diese verschiedenen Forschungsgebiete stärker zu verbinden um das Thema umfassender aufzugreifen. Dazu sei es auch wichtig, die Umwelt und die Ernährungswissenschaft einzubeziehen. Einen Überblick über Aktivitäten und Akteure gibt das Forschungszentrum für Gesundheitswissenschaften an der Universität Hohenheim.

Weltweit sterben jährlich rund 9,5 Millionen Menschen an Infektionskrankheiten – davon allein 1,5 Millionen an Durchfallerkrankungen. Die Zahl der infektiösen Darmkrankheiten nimmt seit einigen Jahren zu.

Umso wichtiger ist für den Körper ein funktionierendes Immunsystem, das vor Infektionen schützt. Eine große Rolle spielt es jedoch auch bei Krebserkrankungen und Allergien. Und wenn eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems vorliegt, kann sich diese auch gegen körpereigenes Gewebe richten. Solche Autoimmunerkrankungen können schwere Entzündungen hervorrufen.

Auf diese immense Bedeutung unserer körpereigenen Abwehrsysteme weist der alljährliche Tag der Immunologie hin – eine Forschungsrichtung, die an der Universität Hohenheim in zahlreichen Fachgebieten beheimatet ist.

Die Zeiten, in denen Humanmediziner und Immunologen, Tierwissenschaftler und Ernährungswissenschaftler jeweils fachspezifische Antworten suchen, seien allerdings vorbei, meint Prof. Dr. Thomas Kufer, Immunologe an der Universität Hohenheim. „Bei den Fragestellungen etwa zu Mensch und Tier gibt es so viele Querverbindungen, dass wir neue, übergreifende Ansätze brauchen“, so der Experte.

Die Universität Hohenheim verfolgt daher das One Health-Konzept – einen ganzheitlichen Ansatz, der menschliche und tierische Gesundheit, Ernährung, Umwelt und Gesundheitsmanagement gleichermaßen einschließt.

Immunologische Forschung an der Universität Hohenheim

An der Universität Hohenheim arbeiten Forscher verschiedener Fachbereiche dafür interdisziplinär zusammen. Unterstützt werden sie bei der Vernetzung und Projektvorbereitung durch das neue Forschungszentrum für Gesundheitswissenschaften. Die Themenbereiche umfassen im Bereich Immunologie:

• Immunologische Grundlagenforschung,
• Ernährung und Immunsystem,
• Immunsystem der Nutztiere,
• Immunsystem von Wildtieren.

Grundlagenforschung zur angeborenen Immunität

Prof. Dr. Kufer leitet das Fachgebiet an der Universität Hohenheim, das die Immunologie bereits im Namen trägt. Er betreibt hauptsächlich Grundlagenforschung. Sein Steckenpferd ist die angeborene Immunität, also gewissermaßen die Frontlinie der Verteidigung.

„Bei dieser spannenden Forschung geht es um bestimmte Proteine, die in der Lage sind eine Entzündungsreaktion gewissermaßen an- und abzuschalten“, erklärt Prof. Dr. Kufer. „Bei Mutationen in einigen dieser Proteine funktioniert das nicht mehr. Die Folgen können gravierend sein: Es kommt dann beispielsweise zu schweren, entzündlichen Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn.“

Leider, so der Immunologe, wüsste man noch immer zu wenig über die genaue Rolle dieser Proteine bei der Immunabwehr. Seine Forschung soll helfen neue Ansätze zur Behandlung von Immunkrankheiten zu finden.

Besseres Verständnis der erworbenen Immunabwehr

Doch Prof. Dr. Kufer untersucht nicht nur die angeborene, sondern auch die erworbene Immunität. „Um eine zielgenaue Immunantwort zu generieren müssen T-Zellen aktiviert werden. Dies erfolgt über spezielle Proteine, die MHC-Moleküle. Wir wollen dazu beitragen die Regulation dieser Proteine in der Zelle auf molekularer Ebene aufzuklären.“

Das sei nicht nur bei Infektionskrankheiten von Bedeutung, betont Prof. Dr. Kufer, sondern auch in der Krebstherapie, bei Transplantationen und Allergien.

Ernährung beeinflusst Immunsystem

Schließlich – und hier schlägt das Fachgebiet Immunologie die Brücke zu den Ernährungswissenschaften – untersucht der Forscher auch den Einfluss von Nährstoffen auf die Immunantworten.

„Es ist bekannt, dass die Nahrungsaufnahme die für die Immunabwehr verantwortlichen weißen Blutkörperchen aktiviert“, erläutert Prof. Dr. Kufer. „Wir wollen nun untersuchen, ob beispielsweise das Auslassen von Mahlzeiten einen Einfluss auf das Immunsystem hat.“ So könne man gemeinsam mit den Ernährungswissenschaftlern ermitteln, welche Ernährungsweise für die Gesundheit förderlich ist und welche abträglich.

Hintergrund: Gesundheitswissenschaften – Schwerpunktthema an der Universität Hohenheim

Die Gesundheitswissenschaften stellen einen der drei Forschungsschwerpunkte an der Universität Hohenheim dar. Das Forschungszentrum für Gesundheitswissenschaften (FZG) verlinkt institutsübergreifend die Expertise in Themenfeldern wie Biologie, Immunologie, Gesundheitswesen, Medizin, Landwirtschaft, den Ernährungs-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die Themenschwerpunkte wie Wachstum und Entwicklung, Forschung zur Prävention von Krankheiten, Lebensstil, Ernährung, Alterung sowie ihre sozialen und wirtschaftlichen Effekte sind von hoher wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz.

Hintergrund: Tag der Immunologie

Der Tag der Immunologie jährlich am 29. April ist eine Initiative der Europäischen Föderation der Immunologischen Gesellschaften (European Federation of Immunological Societies, EFIS). Seit 2005 wird er in Europa, seit 2007 weltweit gefeiert. Ziel ist die gesundheitliche Bedeutung des Immunsystems und immunologische Forschungsthemen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Kontakt für Medien:

Prof. Dr. Thomas Kufer, Universität Hohenheim, Institut für Ernährungsmedizin, Fachgebiet Immunologie
T 0711 459 24850, E thomas.kufer@uni-hohenheim.de

Dr. Irene Huber, Universität Hohenheim, Forschungszentrum für Gesundheitswissenschaften,
T 0711 459 24615, E Irene.Huber@uni-hohenheim.de

Text: Elsner / Klebs

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